Archivo de September, 2020

Gezielter gegen das Virus vorgehen

Nachdem das Coronavirus eine kleine mediale Sommerpause eingelegt hatte, bestimmt es seit einigen Wochen mit deutlich steigenden Infektionszahlen erneut die Schlagzeilen in Spanien und auf den Balearen. Die Inselregierung hat mit neuen und verschärften Maßnahmen reagiert. Neben einer erweiterten allgemeinen Maskenpflicht gilt nun auch ein komplettes Rauchverbot im Freien, in Palma wurden zudem mehrere Stadtviertel mit besonders besorgniserregenden Fallzahlen abgeriegelt. Dieser gezielte Schritt scheint zu funktionieren, seit einigen Tagen ist im Problemviertel Son Gotleu keine neue Infektion bekannt geworden. Das Rauchverbot steht dagegen symptomatisch für das manchmal wenig fokussierte Vorgehen der Balearen-Regierung, bei dem eine vernünftige Mehrheit wegen einer rücksichtslosen Minderheit „abgestraft” wird. „Nicht jeder Barbesucher achtete vor dem Rauchverbot darauf, seinen Qualm – inklusive Viruspartikeln – anderen Gästen nichts ins Gesicht zu blasen”, erklärt Jordi Reina, Chefvirologe am Krankenhaus Son Espases in Palma, die Maßnahme. Auch dass nun selbst beim Flanieren an der Strandpromenade eine Maske getragen werden muss, lässt sich wohl weniger mit dem Infektionsrisiko begründen, sondern vielmehr als vorbeugende Disziplinarmaßnahme deuten.

Auf der anderen Seite wird auf wirklich risikoreiches Verhalten nicht ausreichend reagiert. Das gilt beispielsweise für die „Botellones”, bei denen Hunderte ohne Maske oder Abstand feiern, die Polizei taucht dennoch nur selten auf. Dass auch große Familientreffen ein recht hohes Ansteckungsrisiko bergen, scheint vielen Spaniern laut einer aktuellen WHO-Umfrage nicht bekannt. Hier täte weitere Aufklärung not, oder eine weitere Reduzierung der erlaubten Personenzahl von derzeit zehn. München hat es vorgemacht: Als dort vor wenigen Tagen die 7-Tage-Inzidenz (gemeldete Fälle pro 100.000 Einwohner) auf über 50 stieg, reagierte die Stadt schnell und untersagte Treffen von mehr als fünf Personen. Zum Vergleich: Auf den Balearen liegt die 14-Tage-Inzidenz aktuell bei 164,1.

Autorin: Maike Schulte

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09 2020

Die Balearen-Regierung muss mit dem Zahlenchaos aufräumen

Transparenz vonseiten der Politik ist gerade in diesen Zeiten besonders wichtig. Leider lassen sowohl die Balearen als auch die spanische Zentralregierung diese – insbesondere im Zusammenhang mit den Infektionszahlen – in den vergangenen Wochen vermissen. Madrid fügt täglich mehrere Tausend Fälle der Gesamtstatistik hinzu, ohne zu erklären, wo diese herkommen. Und eine Touristenregion wie die Balearen sollte wissen, wie genau man im Ausland, insbesondere in den wichtigsten Quellmärkten Deutschland und Großbritannien, auf die Zahlen schaut, die die Inseln veröffentlichen. Kommt es hier zu Abweichungen zu den Daten aus Madrid, sollten die handelnden Behörden diese zumindest erklären. Das ist bis heute nicht Geschehen. Von „Verspätung bei der Datenübertragung” ist die Rede, von einem „trägen” System spricht man im Gesundheitsministerium, über einen „Informatikfehler” schreiben einige Medien.

Fakt ist: Das Datenchaos und die Reaktion der Zeitungen in Deutschland darauf sind ein enormer Image-Schaden für die Insel. Die Balearen-Regierung hätte hier von Anfang an transparenter vorgehen und ihre eigenen Inzidenz-Zahlen veröffentlichen müssen, anstatt am Ende zähneknirschend zuzugeben, dass diese höher liegen als von Madrid angegeben.

Unterdessen fährt der „Govern” weiter schwere Geschütze auf, versetzt nach dem Arbeiterviertel Son Gotleu (und den Nachbarbarrios Can Capes, La Soledat Nord und Son Canals) jetzt auch die bessere Wohngegend rund um die Stierkampfarena in eine mindestens 15-tägige Abriegelung. Allerdings: kontrolliert werden diese Maßnahmen bisher wenig. Zwar ist die Polizei präsent, von einer echten Abriegelung kann aber nicht die Rede sein. Und das ist auch gut so. Die Behörden sollten vielmehr durch Aufklärung weiter versuchen, das Bewusstsein der Menschen für Hygienemaßnahmen und Abstandsregeln zu schärfen. Man hat den Insel-Bewohnern mit den seit Wochen wieder strengeren Coronaregeln erst mal genug zugemutet.

Es ist und bleibt eine Gratwanderung. Die Politiker sind nicht zu beneiden.

Autor: Patrick Czelinski

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09 2020

Der komplizierte Weg zur Corona-Stabilität

Die Coronalage auf Mallorca scheint sich nach wochenlang bedenklich hohen Zahlen langsam zu stabilisieren. Mehrere Male lag die 7-Tage-Inzidenz auf 100.000 Einwohner dieser Tage unter der 50-Personen-Marke, was ein Novum ist. Das lässt eine gewisse Hoffnung aufkeimen, zumal man den Trend ab dem kommenden Freitag mit lokalen Abriegelungsmaßnahmen unterfüttern will.

Es ist nun einmal so, dass nicht, wie von vielen gemutmaßt, die ausländischen Touristen die Zahlen nach oben trieben, sondern sorg- und zügellose Bewohner sozial eher problematischer Gegenden. Dass so mancher Einwohner im nun abgeriegelten Viertel Son Gotleu nicht unbedingt zu jenen Bürgern zählt, die sich voll und ganz obrigkeitshörig verhalten, hat sich in der Vergangenheit immer wieder mal gezeigt. Vielleicht zögerte die Regierung zu lange, hier durchzugreifen, denn die Tourismussaison musste wegen der Reisewarnungen mehrerer Länder, darunter Deutschland, vorzeitig beendet werden.

Bei anderen Maßnahmen scheint man nach der Meinung vieler Menschen übers Ziel hinaus geschossen zu sein. Was soll die Anordnung, auch dort Masken zu tragen, wo weit und breit kein anderer Passant zu sehen ist? Was soll das mitunter allzu strenge Verhalten von Polizisten gegenüber Bürgern? Das alles hat nur allgemein zunehmenden Groll zur Folge.

Ungeachtet dessen kann man der Regional-Regierung unter Francina Armengol nicht vorwerfen, uneffektiv zu handeln. Denn es tut sich nun einmal was. Parallel dazu versucht das spanische Außenministerium, auch mit Deutschland quarantänefreie Luftkorridore auszuhandeln. Sollte das in absehbarer Zeit gelingen, wäre das Reisen wieder völlig unproblematisch. Und sollte die 7-Tage-Inzidenz weiter unten bleiben und die Reisewarnung aufgehoben werden, kann der in Deutschland immer unbeliebtere Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) nicht mehr wie unlängst laut empfehlen, die Herbstferien in Deutschland zu verbringen. Wer will schon unter grauem Himmel durch die Gegend schreiten, während man parallel auf Mallorca noch immer baden kann!

Autor: Ingo Thor

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09 2020

Mallorca kann wieder aufblühen – aber wann?

Wer die Entwicklung Mallorcas während der vergangenen Jahre und Jahrzehnte beobachtet hat, der darf auch jetzt sicher sein: Die Insel wird zu alter Stärke zurückfinden. So wie es ihr einst gelang, das Image der „Putzfraueninsel” abzuschütteln, die Wirtschaftskrise von 2008 zu überstehen und in deren Folge sogar zu der Boom-Insel im Mittelmeer zu werden, so wird „Sa Roqueta” auch die Coronakrise hinter sich lassen – die Frage ist nur wann.Die Hoteliers werden nicht müde, den Herbst zu beschwören. Würde die Bundesrepublik ihre Reisewarnung aufheben, so stünde einer Wiederbelebung des Geschäfts nichts mehr im Wege. Man könnte auf diese Weise retten, was zu retten ist. Aber ist das auch realistisch? Jein.

Sollten die Infiziertenzahlen auf Mallorca und den Nachbarinseln weiter sinken und die 7-Tage-Inzidenz über mehrere Tage hinweg deutlich unter der kritischen Schwelle von 50 Fällen pro 100.000 Einwohnern liegen, ist nicht ausgeschlossen, dass die deutschen Behörden die Reisewarnung zurückziehen. So schnell wird das allerdings nicht passieren. Denn nach vergleichsweise niedrigen Corona-Zahlen am Wochenende und am Dienstag wurden am Mittwoch erneut mehr als 300 Neuinfektionen auf den Balearen gemeldet. Derzeit bleibt also allen, die wirtschaftlich unter dieser Krise leiden, nur abzuwarten und zu hoffen, dass es den Behörden irgendwie gelingt, die Infektionszahlen nach unten zu drücken.

In der Zwischenzeit tun die Verantwortlichen auf der Insel gut daran, tragfähige Konzepte für den Tourismus zu entwickeln, den man sich auf Mallorca für die Zukunft wünscht. Dieses Eiland bietet alles, was sich Urlauber von einem Reiseziel wünschen: Sonne, Strand, eine hervorragende Gastronomie, tolle Hotels, Kunst, Kultur, Geschichte, Natur und Sport. Dass sie also wiederkommen werden, steht außer Frage. Die Frage ist nur: Will man dann wirklich zurück zum Konzept der Masse? Soll der Erfolg nur dann gewährleistet sein, wenn Millionen von Urlaubern die Insel überrennen? Diese Diskussion wird wieder aufkommen, spätestens dann, wenn die Coronakrise weitgehend überwunden wurde.

Autor: Patrick Czelinski

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03

09 2020