Archivo de August, 2020

Mehr Kontrolle und weniger Zahlensalat

Kaum steigen die Corona-Zahlen wieder, fühlt man sich in die Zeit der Ausgangssperre zurückversetzt. Als die Politiker der Zentralregierung uns ein ums andere Mal mit verwirrenden Regeln konfrontierten, deren Umsetzung bisweilen schwierig, ihr Nutzen manchmal zumindest zweifelhaft war. Jetzt hat Madrid den „Schwarzen Peter” den Regionalregierungen zugeschoben. Und die balearische Ministerpräsidentin Francina Armengol reagierte prompt und präsentierte am Mittwoch ein Maßnahmenpaket, das gegen die weiter steigenden Coronazahlen endlich Wirkung zeigen soll.

Getreu dem Motto „viel hilft viel” regnet es jetzt nach dem Gießkannenprinzip Verschärfungen in vielen Bereichen. Ob nun aber ausgerechnet eine Maskenpflicht am Uferboulevard und ein Rauchverbot auf einer Café-Terrasse die Weiterverbreitung des Virus eindämmen können, ist fraglich – zumindest die Obergrenze für private Feiern, bei denen sich besonders viele Menschen mit dem Virus anstecken, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Wichtiger wäre aber, die bereits jetzt geltenden Maßnahmen endlich strenger zu kontrollieren und Zusammenkünfte vieler Menschen, beispielsweise Trinkgelage Jugendlicher, konsequent aufzulösen. Hier galt bisher: Polizei? Fehlanzeige!

Auch an Transparenz mangelt es. Wie kann es sein, dass an einem Tag 900 Fälle nachgemeldet werden müssen, von denen nur zehn (!) durch PCR-Tests in den letzten 24 Stunden nachgewiesen wurden? Hier muss die Regionalregierung auf jeden Fall nachbessern, ebenso bei den teils unhaltbaren Zuständen in den Gesundheitszentren.

Die Frage, ob noch Urlauber auf die Insel kommen, ist aufgrund der aktuellen Entwicklungen in den Hintergrund gerückt. Fast schon befremdlich mutet es an, dass die Regierung, die jetzt das soziale Leben wieder herunterfährt, noch vor wenige Tagen „sichere Korridore” mit Deutschland etablieren wollte. Der „Govern” wirkt momentan leider etwas kopflos und nervös – das ist aber auch nur allzu verständlich, bei all dem, was für Mallorca auf dem Spiel steht.

Autor: Patrick Czelinski

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27

08 2020

Ein bisschen mehr Fingerspitzengefühl, bitte!

War die Reisewarnung wirklich notwendig? Geht man nach den nackten Zahlen, ja. In diesem Fall war es richtig, für ganz Spanien Alarm zu schlagen. Schon länger liegt die Sieben-Tage-Inzidenz bei deutlich mehr als 50 Corona-Fällen pro 100.000 Einwohner, sowohl im landesweiten Schnitt als auch auf den Balearen. Und dennoch: Dass die deutschen Behörden im Falle von Mallorca nicht mit ein wenig mehr Empathie vorgegangen sind, erstaunt. Erstens, weil auf der Insel insbesondere Palma, kaum aber der ländliche Raum betroffen ist – vielleicht hätte es auch eine Reisewarnung nur für die Inselhauptstadt getan.

Zweitens, weil Deutschland mit Mallorca deutlich enger verbunden ist als mit anderen Gegenden Spaniens – Millionen von Bundesbürgern lieben und schätzen die Insel, verbringen hier Jahr um Jahr eine unbeschwerte Zeit, kommen immer wieder aufs Neue zurück oder werden hier sogar ganz sesshaft. Und nicht zuletzt drittens: Weil die Insel in den vergangenen Monaten hervorragende Arbeit geleistet hat. Exzellente Hygienekonzepte in den Hotels, ein Pilotprojekt, das man durchaus als „Coup” bezeichnen kann und bei dem sich die Region zu allererst den Deutschen geöffnet hat, noch bevor die eigenen Landsleute vom Festland kommen durften – ein Treuebeweis! Darzulegen, dass man diese Gesichtspunkte zumindest abgewogen hat, wäre schön gewesen. Stattdessen holen deutsche Politiker und selbsternannte Gesundheitsexperten Tag für Tag das alte Bild von wilden Partys am Ballermann heraus, jener Feiermeile, die doch seit Monaten brach liegt. Es ist erschreckend, dass sie blind glauben, was deutsche Boulevard-Zeitungen berichten.

Mallorca holt hier leider der eigene Ruf ein, was zu einem ziemlich unwürdigen Spektakel führt. Ein wenig mehr Fingerspitzengefühl wäre angebracht gewesen. Denn wer Ruhe sucht, auf die Hygiene achtet und Menschenansammlungen meidet, kann auf Mallorca auch jetzt noch einen schönen und sicheren Urlaub verbringen. Vielleicht wesentlich entspannter als an überfüllten Alpenseen oder dicht gedrängt am Nordseestrand.

Autor: Patrick Czelinski

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20

08 2020

Mallorca steht einmal mehr im Mittelpunkt

Ein bisschen fühlt sich der Zuschauer bei einem Termin der Königsfamilie auf Mallorca wie ein Protagonist in „Warten auf Godot“. Mit dem Unterschied, dass Felipe VI., Letizia, Leonor und Sofía tatsächlich auftauchen, wenn auch kurz. Posieren für die Kameras, Wortwechsel mit dem Volk und Politikern, abarbeiten des Programms. Dann sind sie schon wieder verschwunden.

Ohne Überraschungen liefen die ersten Tage des königlichen Sommeraufenthaltes auf der Insel ab. Zu seinem Vater äußerte sich Felipe VI. natürlich nicht. Dafür konnten die Boulevard-Medien berichten, wie liebevoll Prinzessin Leonor ihrer Schwester Infantin Sofía die Hand hielt, da diese sich am Knie verletzt hatte. Dennoch sollte die Wirkung eines solchen Besuchs nicht unterschätzt werden. Denn nicht nur die Inselmedien sondern auch Presse, Radio und Fernsehen vom spanischen Festland sowie aus Deutschland und Großbritannien begleiten die Sommerfrische der „Reyes“. Ob das mallorquinische Dorf Petra so schnell wieder einen Sendeplatz bei RTL bekommt wie am Montag, bleibt fraglich. Fest steht, dass die internationale Öffentlichkeit in diesen Tagen nach Mallorca blickt. Genau das gibt der Insel die Möglichkeit sich zu positionieren und zu präsentieren. Das Eiland zeigt: So sieht unsere „Neue Normalität“ aus. Mallorca mit Maske, aber dennoch schön. Der Vorsitzende des Freundeskreises des Museums Fra Juníper Serra in Petra ist zufrieden, dass die Kulturstätte in den Medien erwähnt wurde. Das kann keine Werbekampagne.

Wichtig für die Zusammenarbeit Palma-Madrid war natürlich die Reise des spanischen Regierungschefs Pedro Sánchez nach Mallorca. Nach seinem Treffen mit König Felipe kam er mit der balearischen Ministerpräsidentin Francina Armengol zu einem Gespräch zusammen. Sie bat Sánchez unter anderem um stärkere Kontrollen an Häfen und Flughäfen. Damit machte die Balearen-Politikerin deutlich: „Wir sind ein sicheres Reiseziel und wollen dies auch bleiben.“

Denn Mallorcas Wirtschaft hängt am seidenen Faden. Steigen die Corona-Zahlen, bricht der wichtigste Einkommenszweig, der Tourismus, weiter weg.

Autorin: Claudia Schittelkopp

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08 2020

Verdienste dürfen kein Freibrief sein

Skandale um Staatsoberhäupter sind nichts Neues: Man denke nur an den spektakulären Rücktritt des deutschen Bundespräsidenten Christian Wulff im Jahr 2012, die Eskapaden des thailändischen Party-Königs Maha Vajiralongkorn, die nicht enden wollende Liste afrikanischer oder lateinamerikanischer Präsidenten und Diktatoren, die sich wegen Korruption (oder noch schlimmerer Verbrechen) verantworten mussten (oder auch nicht) und die unzähligen medienwirksamen royalen Klatschgeschichten aus den europäischen Herrscherhäusern. In den meisten Fällen verbindet das Volk solche Skandale jedoch mit einer Person – und stellt nur selten das Amt an sich infrage. Das Gefährliche am „Fall Juan Carlos” ist, dass in Spanien längst eine lebhafte Debatte um Sinn und Zweck der Monarchie entbrannt ist, die jetzt noch einmal angeheizt wird.

Sicher, Juan Carlos I. hat sich um Spanien verdient gemacht, als er nach Francos Tod instinktiv die Transition vorantrieb und Spanien zu einem modernen und demokratischen Staat umbaute und sich auch 1981 einem Putschversuch vehement entgegenstellte und so dem Franquismus endgültig den Wind aus den Segeln nahm.

Aber selbst der ehrenvollste Verdienst darf kein Freibrief sein, später „krumme Dinger” zu drehen. Das musste auch schon der deutsche „Einheitskanzler” Helmut Kohl schmerzlich feststellen.

König Felipe VI. hat mit dem Verzicht auf das Erbe seines Vaters, mit dem Offenlegen der eigenen Einkünfte und nun auch mit dem endgültigen „Bruch” mit Juan Carlos gezeigt, dass er es mit der Transparenz im Königshaus ernst meint. In den kommenden Monaten wird sich zeigen, wie geschwächt die Institution Monarchie als solche bereits ist. Viele werden nur darauf warten, dass die Königsfamilie weitere Fehler macht. Denn es gibt zahlreiche Strömungen im Land, von katalanischen Separatisten bis hin zu Regionalisten – auch auf Mallorca –, die Felipe VI. gerne als letzten spanischen Monarchen abdanken sehen würden. Erster „Stresstest” für die Royals wird der Sommerurlaub auf der Insel, der am Freitag beginnt. Wir sind sehr gespannt auf die Bilder.

Autor: Patrick Czelinski

07

08 2020