Archivo de Juni, 2020

Willkommen auf Mallorca, Majestät

Spaniens Königspaar Felipe und Letizia wird an diesem Donnerstag, 25. Juni, die neuralgische Tourismusmeile an der Playa de Palma aufsuchen. Genauer gesagt, das Hotel Concordia, das neben dem Riu-Center liegt, auf halbem Wege zwischen der sogenannten „Bier-” und der „Schinkenstraße”. Eben genau jenes Areal, das von deutschen Urlaubern topographisch gemeinhin als „Ballermann” bezeichnet wird.

Selbst dienstälteste MM-Mitarbeiter können sich nicht daran erinnern, dass der König, immerhin ein langjähriger Sommergast auf der Insel, die dortige deutsche Touristenhochburg jemals offiziell aufgesucht hätte.

Dass Felipe sich aber nun ein eigenes Bild von der Situation an der Playa de Palma machen wird, zeigt, wie ernst die Lage ist. Mallorca und die Reiseindustrie stehen vor großen Herausforderungen (siehe S. 4) . Die Insel lebt vorrangig vom Tourismus, er ist der Konjunkturmotor für fast alles, was sich auf Mallorca bewegt, und dieser Motor ist durch Corona gehörig ins Stottern geraten.

Vor diesem Hintergrund sind alle Bemühungen der Hoteliers, Reiseveranstalter, Behörden und Gewerkschaften, die Wirtschaft wieder in Gang bringen zu wollen, zu begrüßen. Die Branche hat sich ins Zeug gelegt, um praktikable Strategien gegen Corona-Infektionen im Reise- und Urlaubsbereich zu entwickeln. Felipe wird sich darüber nicht nur vor Ort informieren, sondern mit seinem Erscheinen alle bereits getroffenen Maßnahmen ins Rampenlicht rücken.

Das ist dankenswert, sinnvoll und notwendig. Denn selbst wenn der Tourismus auf der Insel gut starten sollte, kann er all die Verluste, die bislang hier für die Wirtschaft eingetreten sind, nicht ausgleichen.

Hinzu kommt, dass die Covid-19-Gefahr längst nicht überall gebannt ist. Neue Infektionsherde wie in Peking oder Gütersloh machen deutlich, dass sich die Sicherheitslage von einem Tag auf den anderen wandeln kann. Bleibt zu hoffen, dass die Vorkehrungen, die auf Mallorca getroffen wurden, effizient sind, und die Insel auf diese Weise von neuen Ärgernissen verschont bleibt.

Autor: Alexander Sepasgosarian

25

06 2020

Der Neubeginn einer ganz besonderen Beziehung

Die Rückkehr der deutschen Urlauber nach Mallorca war ein riesiges Medienspektakel. Die Anzahl an Reportern und Kameraleuten am Flughafen überstieg am Montag die Zahl der Reisenden in der ersten Maschine deutlich. Auch in der Coronakrise gilt eben: Mallorca und die Deutschen – eine ganz besondere Beziehung. Und alle scheinen glücklich darüber, dass dieser nun neues Leben eingehaucht wird.

Obwohl das ganze Spektakel aufgrund der noch geringen Urlauberzahlen erst mal nur symbolischer Natur sein wird, ist der Insel ein ganz beachtlicher Werbe-Coup gelungen. Das Pilotprojekt gegenüber Madrid „durchzudrücken” war eine gute Leistung, die jetzt damit belohnt wird, dass Mallorca einmal mehr im medialen Fokus der Sommer-Berichterstattung steht. Manch einer, der die Bilder sieht und merkt, dass ein Insel-Urlaub auch zu Coronazeiten gar nicht so anders ist als sonst, könnte sich zu einer Buchung verleiten lassen, sodass sich das „riesige Rad des Tourismus”, wie es Inselratspräsidentin Catalina Cladera am Montag genannt hat, endlich wieder zu drehen beginnt. Mallorca braucht die Deutschen und die Deutschen brauchen Mallorca. Und so war diese erste Begegnung seit Monaten vor allem von sehr viel gegenseitigem Respekt geprägt. Alle Urlauber ließen brav die Gesundheitskontrollen über sich ergehen, schwärmten vom Sommer auf Mallorca und sprachen von der Gastfreundschaft, die ihnen hier entgegenschlägt, in die Mikrofone der Sendeanstalten. Im Gegenzug war der Applaus der Hotel-Angestellten nicht etwa eine unterwürfige Geste, wie es die Abgeordnete Lina Pons darstellt, sondern vielmehr Ausdruck ehrlicher Freude darüber, dass es endlich wieder losgeht und vor allem, dass der eigene Arbeitsplatz erst mal wieder sicher ist.

Wer diese Realität verkennt, ist weltfremd. Das bedeutet nicht, dass Kritik am Konzept des Massentourismus generell verboten ist, ebenso wenig am Betragen manch eines Party-Urlaubers in Arenal. Aber eine funktionierende deutsch-mallorquinische Beziehung ist hier auf der Insel Grundlage für Erfolg: Sie macht Urlauber glücklich und sie sichert Arbeitsplätze.

Autor: Patrick Czelinski

18

06 2020

Mallorca punktet mit dem Pilotprojekt positiv

Lange hat es gedauert, bis das ehrgeizige Vorhaben realisiert werden konnte: Die ersten Berichte über das touristische Pilotprojekt wurden Anfang Mai bekannt, jetzt soll es an diesem Montag, 15. Juni, starten. In den folgenden zwei Wochen dürfen 10.900 touristische Besucher aus Deutschland erstmals seit der Corona-Pandemie wieder nach Mallorca reisen.

Fast schon ein bisschen spät fällt der Startschuss, könnte man meinen. Denn am 21. Juni endet der Alarmzustand in Spanien und am 1. Juli sollen die Grenzen ohnehin wieder für Reisende freigegeben werden, falls das Datum nicht sogar vorgezogen wird, wie Spekulationen vermuten lassen. Die Politik der Zentralregierung war in den vergangenen Wochen ohnehin nicht mehr durchschaubar. Sicher waren die Maßnahmen aus gesundheitlicher Sicht sinnvoll. Aber in der Kommunikation der Regelungen ging es häufig drunter und drüber.

Im Hickhack zwischen Madrid und Palma hat sich dann auch die Genehmigung des Pilotprojekts über einen langen Zeitraum hingezogen, bis erst jetzt zu Wochenbeginn grünes Licht erteilt wurde.

Das Vorhaben hat durchaus seine Berechtigung. Es dient der Erprobung, wie sich Schutzmaßnahmen gegen das Virus im Hotelalltag wirksam umsetzen lassen. Mallorca wird jetzt zur ersten Region in Spanien, die sich dem internationalen Tourismus öffnet. Das ist ein positiver Imagegewinn für die Insel und ihre seit drei Monaten am Boden liegende Tourismusindustrie. Es ging den Initiatoren nicht nur darum, Mallorca als „sichere Destination” zu bewerben, sondern auch um die Rettung von Arbeit und Beschäftigung. Noch vor wenigen Wochen galt die touristische Saison für dieses Jahr als komplett verloren. Jetzt gibt es Hoffnung, dass zumindest Juli und August sowie der Herbst noch Einnahmen generieren können.

Mallorca lebt wie kein anderes Reiseziel vom Tourismus, und jede weitere Verzögerung hätte sich als fatal erwiesen. Es ist beachtlich, wie es gelungen ist, die Infektionsrate auf Mallorca zu minimieren. Möge der sich nun anbahnende Reisesommer diese Maßnahmen reichlich belohnen.

Autor: Alexander Sepasgosarian

12

06 2020

„Neue Normalität” auch über den Wolken

Die Tür zur Insel öffnet sich. Zum 21. Juni fällt voraussichtlich die Reisewarnung für Spanien, ab dem 1. Juli dürfen Touristen wiederkommen. Und doch ist damit längst nicht alles wie zuvor. Die Corona-Pandemie sorgt für eine „neue Normalität“, schon auf dem Weg zur Insel.Wer in diesem Sommer nach Mallorca fliegen will, muss einiges in Kauf nehmen. Fieberkontrollen am Airport, längere Wartezeiten beim Check-in und eingeschränktes Catering. Airlines müssen den Mittelsitz in gut besetzten Maschinen nicht freihalten, setzen stattdessen auf einfache OP-Masken, die den Träger selbst nicht schützen. Passagiere, die einen „Corona-Flug“ absolviert haben, berichten von einer „unheimlichen Atmosphäre“.

Es herrscht ein Gefühl der Unsicherheit. Da scheint es kein Wunder, dass viele Deutsche Umfragen zufolge ihre Sommerferien im eigenen Land verbringen und mit dem Trip ans Mittelmeer noch warten wollen. Jüngste Meldungen über einen unerkannten Coronafall auf einem Flug von Deutschland nach China tragen nicht zu Beruhigung bei. In einem Flieger nach Mallorca wäre ein solcher Vorfall ein Desaster. Für die Mitreisenden, die den ersehnten Urlaub in Quarantäne verbringen müssten, aber auch für das Image der Urlaubsinsel.

Und doch: Mallorca-Liebhaber scheinen ihrer Insel ungeachtet aller Widrigkeiten die Treue zu halten. Die Buchungslage sei erfreulich, heißt bei Eurowings. Und das trotz fehlender Discountpreise. Um die 200 Euro muss man für einen Flug im Juli zurzeit hinblättern. Für einen ein- oder mehrwöchigen Urlaub ist das sicher akzeptabel, für ein verlängertes Feierwochenende an der Playa de Palma wohl kaum. Auf zynische Weise könnte die Coronakrise damit den Wunsch der Balearen-Regierung nach mehr Qualitätstourismus erfüllen.

Am Ende muss jeder Mallorca-Fan für sich selber abwägen, ob er in nächster Zukunft auf die Insel reist. Für die hiesige Wirtschaft ist das überlebenswichtig. Und günstiger wird es in Zukunft vermutlich nicht. Luftfahrtexperten gehen davon aus, dass es auch langfristig zu einer Erhöhung der Flugpreise kommen könnte.

Autorin: Maike Schulte

04

06 2020