Archivo de Mai, 2020

Interkulturelle Kommunikationsprobleme

Das Spannungsfeld zwischen der, sagen wir mal, manchmal etwas „abenteuerlichen” Corona-Politik der spanischen Zentralregierung einerseits und dem Unverständnis deutscher Mallorca-Freunde für eben diese Politik andererseits entwickelt sich zunehmend zu einem aufregenden psychologischen Experiment, das die kulturellen Unterschiede, die es trotz aller europäischer Gemeinsamkeiten immer noch gibt, schonungslos offenlegt.

Mit allem Respekt sei hier zunächst vorangestellt, dass viele Maßnahmen von Pedro Sánchez und seinem Mitarbeiterstab ob der dramatischen Lage in den spanischen Krankenhäusern, der hohen Toten- und Infektionszahlen sowie der schrecklichen Bilder aus vielen Altersheimen, notwendig und richtig waren. Was hingegen gehörig schiefläuft, ist die Art und Weise, diese Maßnahmen zu kommunizieren. Vieles wurde zunächst angekündigt, später korrigiert oder ganz zurückgenommen. Einiges blieb so schwammig, dass eigentlich niemand weiß, wie er damit umgehen soll. Die Schnapsidee, dass Kinder bei ihrem ersten „Ausgang” ausgerechnet Erwachsene in den Supermarkt oder die Apotheke begleiten sollten, anstatt sich an der frischen Luft aufzuhalten, ist nur ein Beispiel in der langen Liste der teilweise absurden Regeln. Und der Corona-Exitplan hat sich mittlerweile zu einem völlig undurchsichtigen Dschungel entwickelt, in dem eigentlich keiner mehr durchblickt. Das Ganze einem deutschen Insel-Liebhaber zu erklären, fällt zugegebenermaßen schwer, gerade weil wir Deutsche gerne verlässliche Regeln haben, die am besten auf jeden Einzelfall anwendbar sind und deren Umsetzung im Idealfall nicht vom guten oder schlechten Willen einzelner Beamten abhängt. Viele Bundesbürger reagieren deshalb mit Kopfschütteln auf die Vorschriften aus Madrid – insbesondere wegen der immer noch geschlossenen Grenzen.

Man kann nur hoffen, dass sich Deutsche und Spanier aufgrund dieses „psychologischen Experiments” nicht allzu sehr entfremden. Wir sollten immer das, was uns vereint, im Blick behalten. Und das ist nicht zuletzt die Liebe zu Mallorca.

Autor: Patrick Czelinski

28

05 2020

Wenn der Spaß am Meer die Sorgen nicht vertreiben kann

Bei Temperaturen knapp unter 30 Grad, wie sie für die kommenden Tage angekündigt werden, ist das endlich einmal eine gute Botschaft: Von Montag an werden die Strände wieder geöffnet. Bislang durfte man dort coronabedingt lediglich Sport treiben oder spazieren gehen. Auf dem Sand sitzen, liegen, sonnenbaden? Das war bislang verboten. Ein höchst merkwürdiges Gefühl für eine Inselbevölkerung, die liebend gern zu ihren Playas pilgert, sobald die Sonne lacht.

Und selbst baden oder auch nur im Meer plantschen ist von kommender Woche an wieder erlaubt, wenn man einen Sicherheitsabstand von mindestens zwei Metern einhält. Ganz Mallorca dürfte also bald, nach sechs Wochen Ausgangssperre und zwei weiteren Wochen samt ersten Lockerungen, mal wieder so richtig ans Meer gehen.

Die Erleichterung über die allmählichen Aufhebungen der Corona-Vorgaben sind in der Bevölkerung durchaus zu spüren. Die Straßen sind belebt, und die Außenplätze der Bars und Cafés (im Innern der Lokale darf man ja auch erst von diesem Montag an bedient werden) sind gut besetzt. Und doch wachsen an vielen Stellen die Sorgen über die wirtschaftliche Zukunft. Wenn man bedenkt, dass viele Hotels dieses Jahr nicht mehr öffnen werden, dann kann man sich ausrechnen, wie viele Mitarbeiter diese Saison keinen Job haben werden.

Die Coronakrise macht drastisch deutlich, dass Mallorca ohne Tourismus so gut wie nicht existieren kann. Denn von der heimischen Nachfrage allein lässt sich die Inselwirtschaft nicht aufrechterhalten. Betroffen sind aber auch Arbeitsplätze in Deutschland, bei Airlines, Reisebüros und -veranstaltern. Da ist es ein guter Ansatz, dass Unternehmer und Politiker auf Mallorca Initiative ergreifen mit dem „Pilotprojekt Playa de Palma” (S. 4). Es geht darum, auszutesten, wie sich trotz Covid-19 Tourismus verwirklichen lassen kann – und dies bei minimiertem Risiko.

Möge dieses Vorhaben seine Vorreiterrolle mit viel Erfolg absolvieren, damit Urlaube wieder weitgehend normalisiert möglich sind, und Mallorca nur im Meer – aber nicht wirtschaftlich – baden geht.

Autor: Alexander Sepasgosarian

22

05 2020

Die Vergangenheit holt uns ein

An Grenzkontrollen in Europa kann sich vor allem die jüngere Generation nur noch vage erinnern. Ich selbst bin im deutsch-französischen Grenzgebiet aufgewachsen. Für mich ist es seit Kindertagen selbstverständlich, den Rhein zu überqueren, ohne ein Ausweisdokument vorzeigen zu müssen. Die Freizügigkeit von Helsinki bis Cádiz, von Amsterdam bis Athen –egal ob man per Flugzeug, Auto oder Schiff unterwegs ist – ist eine der größten Errungenschaften der EU. Dass in diesen Tagen und Wochen wieder die Schlagbäume heruntergelassen und Zäune hochgezogen wurden, dass Flughäfen militärischem Sperrgebiet gleichen, das sind Bilder, die niemand jemals mehr sehen wollte.

Noch zu Beginn der Krise hatten die Politiker stets betont: „Ein Virus kennt keine Grenzen.” Diese Aussagen scheinen überholt. Isolation und Abschottung wurden zum Mittel der Wahl. Aber der Preis dafür ist hoch. Familien wurden getrennt, Beziehungen belastet, die Wirtschaft gelähmt. Brüssel tut deshalb gut daran, seine Mitgliedsstaaten jetzt einmal mehr in die Pflicht zu nehmen, einen Fahrplan für eine rasche Öffnung aller EU-Binnengrenzen vorzulegen und die Länder mit Nachdruck dazu aufzufordern, diesen auch umzusetzen.

Ja, der Schutz von Leben und Gesundheit sollte immer Vorrang haben, aber auch dieser ist letztlich nur im Einklang möglich – mit schlüssigen Konzepten und im Gleichschritt – über die Grenzen hinweg. Denn wenn diese Krise eines leider gezeigt hat: Am Ende ist sich – selbst in dieser viel beschworenen Union – jeder selbst der Nächste. Im Guten alle vereint, im Schlechten jeder für sich. Viele Image-Schäden sollte sich die EU nicht mehr leisten.

Nicht zuletzt kommt eine rasche Grenzöffnung natürlich auch dem Tourismus zugute – das weiß man auf Mallorca nur allzu gut. Das Infektionsgeschehen hier ist gering – der Schaden, der durch den (bisher notwendigen und richtigen) Lockdown aber entsteht, nimmt ungekannte Ausmaße an. Das sollten die Politiker berücksichtigen, damit auch die Kinder von Morgen den Rhein überqueren können, ohne einen Ausweis vorzeigen zu müssen.

Autor: Patrick Czelinski

15

05 2020

Wir werden diesen Sommer noch Urlauber sehen

Es gibt Dinge, die eine solche Eigendynamik entwickeln, dass man sich am Ende fragt: „Wie konnte das eigentlich alles passieren?”. Beim Corona-Shutdown war das so. Aus einem Virus im fernen China, „kaum schlimmer als die Grippe”, wurde die „größte Prüfung seit dem Zweiten Weltkrieg”. Erst ein paar isolierte Fälle – auch in Deutschland – dann abgeriegelte Dörfer in Norditalien, schließlich eine heftige Gesundheitskrise von Spanien bis in die Türkei, von Großbritannien über die USA bis nach Ecuador, geschlossen Grenzen, Feldlazarette, das weltweite Grounding der Airline-Flotten – und schließlich ein globaler Lockdown. Schwupps, die Welt steht still. Die Delfine sind zurück, in Großstädten hört man die Vögel wieder zwitschern, Rehe erobern unsere Parks. Das Undenkbare ist passiert – binnen weniger Wochen.

Doch kaum flacht die Infektionskurve ab, beginnt eine neue Entwicklung eine ganz eigene Dynamik zu bekommen: die des Corona-Exits. Die ersten Spaziergänge am Meer geben eine leise Ahnung von dem zurück, was einmal „echte” Freiheit war. Und die Rufe nach dieser – zumindest aber nach einem Stück „Normalität” – werden auch auf Mallorca immer lauter. Und da gehören auf dieser Insel nun einmal Touristen dazu. Die Regierung tut deshalb gut daran, bereits jetzt Gespräche über eine Wiederbelebung der Balearen möglicherweise schon vor der „Neuen Normalität”, die die spanische Regierung am 22. Juni erwartet, zu führen. Warum?

Weil wir lernen müssen, mit dem Virus zu leben, das sagen auch die Experten. Wenn das so ist, muss aber auch die Freizügigkeit in Europa so schnell es geht wieder möglich sein – natürlich erst dann, wenn die einzelnen nationalen Gesundheitssysteme entlastet sind und ein EU-weites Konzept für „sicheres Reisen” steht. „Sicherheit gewährleisten, aber Freiheiten ermöglichen”, sagte der bayerische Ministerpräsident Markus Söder am Mittwoch. Wenn das klappt, werden wir noch in diesem Sommer Urlauber auf der Insel sehen – der wichtigste Wirtschaftszweig Mallorcas hätte zumindest noch etwas von dieser verlorenen Saison. Meine Vermutung: Die Eigendynamik wird es möglich machen.

Autor: Patrick Czelinski

07

05 2020