Archivo de April, 2020

Es steht viel auf dem Spiel

Wer am Sonntag in Palma miterleben durfte, wie viel Freude die Kinder daran hatten, nach sechs Wochen Ausgangssperre erstmals wieder ins Freie zu gelangen, der wird diesen Moment nicht so leicht vergessen. Ihr Lächeln verbreitete einen Hauch Aufbruchstimmung in einer Stadt, die 42 Tage lang wie ausgestorben gewirkt hatte.

Stück für Stück wollen sich nun Spanien und Mallorca parallel zum Abklingen der Coronakrise allmählich wieder öffnen. Wer gehofft hatte, jetzt werde alles schlagartig gut, der wurde jedoch enttäuscht. Ministerpräsident Pedro Sánchez verkündete am Dienstag ein Vier-Phasen-Modell, mit dem der Weg zu einer „Neuen Normalität” beschritten werden soll. Schnell ist anders. Das Konzept bedeutet, dass dem Land noch mindestens acht Wochen „anormale” Zustände bevorstehen.

Immerhin wird das Öffnungsdatum nicht willkürlich von der Regierung festgelegt, sondern unterliegt objektiven Kriterien wie etwa dem Leerstand der Betten in den Intensivstationen der Kliniken.

Nicht klar ist indes, wie es mit dem Bettenleerstand in den Hotels weitergeht. Für die Wirtschaft auf Mallorca ist das eine essenzielle Frage, denn nahezu jeder Arbeitsplatz auf der Insel hängt – direkt oder indirekt – vom Tourismus ab. Da wirkte es aus Inselperspektive „lächerlich” (wie die Zeitung „Ultima Hora” schrieb), dass Sánchez zwar eine Wiederaufnahme der Hotelbetriebe andeutete, sich aber mit keinem Wort zur Inbetriebnahme der Häfen und Flughäfen äußerte. Gerade auf Mallorca ist das eine untrennbar mit dem anderen verbunden.

Somit ist schon jetzt absehbar: Die kommenden Wochen der zaghaften Öffnung werden auch Wochen sein, in denen weite Teile der Inselgesellschaft auf einer raschen Lösung bestehen werden, um wenigstens einen kleinen Teil der Saison noch retten zu können. Es dürfte indes nicht leicht sein, praktikable Lösungen zu finden. Der Versuch sollte dennoch unternommen werden. Denn es stehen viele Jobs auf dem Spiel.

Mit innovativen Ideen hat Mallorca dabei sogar gute Chancen, zu einem Pilotmodell zu werden – für die Erholung touristischer Destinationen nach der Coronoa-Pandemie.

Autor: Alexander Sepasgosarian

30

04 2020

Auf ein baldiges Wiedersehen!

Unzählige E-Mails fanden in den vergangenen Tagen den Weg in den Account von Balearen-Ministerpräsidentin Francina Armengol. Geschickt von Deutschen, die auf den Balearen eine Immobilie besitzen. Während die Menschen auf Mallorca eingesperrt sind, bleiben die Zweitwohnsitzler ausgesperrt. Dass ihnen das nicht gefällt, ist verständlich. Aber leider nicht von heute auf morgen zu ändern.

Francina Armengol reagierte besonnen. Sie verwies auf die besonderen Beziehungen der Inseln zu Deutschland, betonte aber zugleich, dass die Einschränkung der Mobilität im Moment nicht davon abhängt, welchen Pass jemand hat. Auch Spanier vom Festland kommen momentan nicht zu ihrer Ferienbleibe auf den Inseln.

Die Immobilienbesitzer verweisen darauf, dass sie ein Recht darauf haben, ihre Immobilien nutzen zu können. Normalerweise ist da was dran. Aber was ist in diesen Zeiten schon normal? Rund 10.000 Deutsche sollen Eigentum auf Mallorca haben. Aber das Dilemma betrifft nicht nur diese Menschen, sondern auch diejenigen, die hierzulande dauerhaft eine Wohnung oder ein Haus gemietet haben. Auch sie müssen draußen bleiben. Beide Gruppierungen kurbeln die Wirtschaft an, zahlen Steuern oder Abgaben. Die Klientel schaut nicht auf den Cent, sei es in Restaurants oder beim Einkaufen. Und viele einheimische Handwerker freuen sich über Aufträge. Aber man darf das Schicksal der Zweitwohnsitzler nicht nur mit dem wirtschaftlichen Aspekt verknüpfen. Sie gehören einfach dazu, sind längst ein Teil der sich entwickelnden kosmopolitischen mallorquinischen Gesellschaft. Auch ohne Residencia fühlen sich diese Menschen größtenteils längst nicht mehr als Gäste, sondern sind auch auf Mallorca zu Hause. Vieles vermischt sich, anderes ergänzt sich. Das wissen und verstehen auch die Einheimischen.

In der Coronakrise wird es viele Verlierer geben und wohl nur wenige Gewinner. Eine bittere Erkenntnis, aber so ist es nun einmal. Deutsche und Mallorquiner haben zusammen viel erlebt. Und daher ist der Satz der Stunde mehr als eine Floskel: Gemeinsam schaffen wir das.

Autor: Nils Müller

23

04 2020

Das Epochale, das alles umwälzt

Nach einem Monat Alarmzustand und einer Abflachung der Pandemie-Kurve blickt man in Spanien immer intensiver auf die möglichen wirtschaftlichen Folgen. Und man erschauert, denn der Schaden dürfte verheerend sein. Auf Mallorca wird der Tourismus, die wichtigste Branche, wenn überhaupt erst im August mit Ach und Krach wieder zum Laufen gebracht. Angesichts der grausamen Aussicht, dass Spaniens Bruttoinlandsprodukt – wie vom Währungsfonds erwartet – um acht Prozent sinken soll und die Arbeitslosenzahl wohl explodiert, stellen sich viele die Frage, ob die Politiker nicht anders mit dieser Krise hätten umgehen sollen. So etwa wie in Schweden, wo selbst die Diskotheken noch in Betrieb sind und sich die Corona-Kurve dennoch ebenfalls abflacht. Doch würde ein Kampf gegen das Virus ohne Freiheitsentzug und Verbote in Spanien funktionieren? Wohl eher nicht, denn Nordeuropäern fällt es sicherlich leichter als Menschen in mediterranen Gefilden, einen Sicherheitsabstand einzuhalten. Doch es fühlt sich unangenehm an, anders als in Deutschland nicht einmal Sport draußen treiben oder spazieren gehen zu können. Im Übrigen gibt es Zweifel an der Verfassungsmäßigkeit des Alarmzustandes.

Ob Spanien die Krise zufriedenstellend meistern kann, ist noch gar nicht abzusehen. Klar ist, dass das Gesundheitsystem das Ganze durchaus bewältigt, und das trotz der um die Welt gegangenen Bilder von in Krankenhaus-Gängen liegenden Menschen in Madrid. Klar ist aber auch, dass die Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez nicht unbedingt eine gute Figur abgibt. Sie wirkt autoritär und unsouverän zugleich. Die Politiker hatten nunmal das Pech, von der unerwarteten, alles umwälzenden Krise heimgesucht zu werden. Es ist fraglich, ob sich der Ministerpräsident irgendwann als großer Bezwinger des Virus darstellen kann, weil sich alles halt um die Wirtschaft dreht. Diese epochale Wucht der Coronakrise macht vielen Politikern zu schaffen. Aber das Leben wird weitergehen, auch auf Mallorca, nur anders.

Autor: Ingo Thor

16

04 2020

Was bleibt, wenn alles anders ist?

Kaum etwas sehnen die Menschen auf Mallorca dieser Tage mehr herbei, als das Ende des Alarmzustandes. Und aller Voraussicht nach werden wir Ende April oder spätestens Anfang Mai tatsächlich das Haus wieder verlassen können. Ein Spaziergang am Meer, joggen im Park, all diese einst so selbstverständlichen Dinge werden vielleicht bald wieder möglich sein – dann, wenn sich der Abwärtstrend der Infektionskurve fortsetzt. Vorbei ist Corona dann aber noch lange nicht. Im Gegenteil. Für viele geht der Kampf erst richtig los.Werde ich meinen Job behalten? Wird mein Unternehmen überleben? Wie sieht der Arbeitsmarkt aus?

Fast schon wie ein Luxusproblem klingt dagegen die Frage: „Werde ich diesen Sommer in Urlaub fahren können?” Und doch ist sie gerade für Mallorca von besonderer Bedeutung. Denn wie kaum eine andere Region in Europa leben die Balearen in besonderem Maße vom Tourismus – man könnte fast „ausschließlich” sagen. Deshalb hängt auch die Zukunft Mallorcas in besonderem Maße vom Verhalten Dritter, nämlich der Urlauber, ab. Und wie dieses in naher Zukunft aussehen wird, steht leider in den Sternen.

Wann werden die Reisebeschränkungen aufgehoben? Welche Airlines werden diese Krise überstehen? Germanwings ist schon am Ende, selbst die Lufthansa, eine der stärksten Fluggesellschaften der Welt, streicht die Flotte zusammen. Was ist mit Easyjet und Ryanair? Und überhaupt – wie werden sich die Preise entwickeln? Wie stark sind die Hotels gebeutelt?

Was vor uns liegt, ist vor allem eine große Ungewissheit. Eine Ungewissheit, die Angst macht. Was bleibt, ist die Hoffnung. Darauf, dass wir und unsere Liebsten gesund bleiben (oder werden), dass uns eine schwere Wirtschaftskrise erspart bleibt, dass das Leben, wie wir es kannten, bald wieder zurückkommt, dass wir alle gemeinsam und in Frieden diese „dunkle Stunde” überstehen. Und so geistern selbst den Atheisten unter uns in diesen Tagen mehr denn je zwei biblische Begriffe durch den Kopf. Erlösung und Auferstehung. In diesem Sinne und trotz allem: ein friedliches Osterfest!

Autor: Patrick Czelinski

09

04 2020

Erstaunlich, was alles möglich ist

Digital Detox – eine bewusste Auszeit von Facebook, Instagram, Twitter, Tinder und Co. – noch vor wenigen Wochen war das ziemlich en vogue. Zu schnell, zu oberflächlich, zu zeitraubend waren die sozialen Netzwerke für viele von uns geworden. Und heute? In Zeiten einer Pandemie, in denen man zum Hausarrest verdammt ist, wirken die bunten Apps wie Lebensretter. Die Quarantäne – das bestätigt einem jeder Arzt – kann ordentlich aufs Gemüt schlagen. Vor allem, wenn man – wie in Spanien – nicht mal zum Spazieren nach draußen gehen kann. Umso schöner ist es, wenn man sich per Whatsapp, Zoom oder Houseparty mit seinen Freunden verbindet – im Pyjama auf dem Sofa mit einem Glas Wein in der Hand. Auf einmal haben die „Social Networks” und die vielen Chat-Apps einen echten Nutzen. So schlimm Corona ist, in unserem täglichen Leben hat das Virus manches ins rechte Licht gerückt. Was ein Zeitfresser war, ist plötzlich dienlich. Das Selbstverständliche wird zum Besonderen. Gut, dass Spanien in Sachen schnelles Internet ordentlich aufgestellt ist. Selten war das Web wichtiger als in diesen Tagen. Und in manch einem Lebensbereich hat Corona sogar möglich gemacht, was lange unmöglich schien. „Teletrabajo” – Homeoffice – es funktioniert tatsächlich besser als gedacht, selbst in Branchen, in denen die Präsenz im Büro oder bei Vor-Ort-Terminen sonst wichtig ist. Wieder haben Sie eine prall gefüllte Ausgabe des MM auf Ihrem Tisch liegen – und das, obwohl die Hälfte der Redakteure von zu Hause aus arbeitet.Restaurants liefern jetzt nach Hause, die Landwirtschaft versorgt Bürger mit Gemüsekisten und unsere Kinder lernen im heimischen Wohnzimmer – mit Laptop oder Tablet.

Dass die Folgen der Krise schwerwiegend sein werden, steht außer Frage. Und täglich blutet einem das Herz, wenn die neuen Totenzahlen gemeldet werden. Aber wir können aus dieser Krise auch etwas lernen. Im Privaten erkennen wir die Dinge, die uns wirklich wichtig sind. Und in der Arbeitswelt hat uns Corona um Lichtjahre in die Zukunft katapultiert. Erstaunlich, was alles möglich ist, wenn man keine Wahl hat. Bleiben Sie gesund!

Autor: Patrick Czelinski

02

04 2020