Archivo de Februar, 2020

In Sachen Solarenergie tut sich einiges auf den Balearen

Seit 2019 ist vieles anders geworden. Besser. Und zwar deutlich. Die Rede ist von Solarenergie und deren Nutzung in Spanien und damit auch auf den Balearen. Wenn schon Freunde aus dem grau-verregneten England bei Besuchen verwundert fragen, warum es auf dieser sonnenverwöhnten Insel denn kaum Solaranlagen auf Häuserdächern gebe, wird man nachdenklich. Und irgendwann bei genauerem Nachdenken richtig wütend. Ja warum eigentlich? In Spanien glichen Regularien, Gesetze und Neuverordnungen bisher oft einem Ping-Pong-Spiel. Die konservative PP-Regierung sagte A. Nach dem politischen Wechsel sagte die Linke wieder B. So kann auf mittelfristige Sicht kein Ziel umgesetzt werden. Die unternehmernahen Konservativen sorgten bis 2018 dafür, dass sich teuer im Mittelmeer installierte Stromleitungen amortisierten und bremsten alternative Energien wie Solar aus. Die eingeführte „Sonnensteuer”, gepaart mit einem Regelwerk, durch das sich nur die wirklich Entschlossenen durchhangelten, waren nur einige der Hürden. Ein im April 2019 zentral beschlossenes Dekret von der nun regierenden Linken hat jetzt die Nutzung von Sonnenenergie erleichtert. Auch das im Februar 2019 von der Balearen-Regierung verabschiedete Gesetz zur Energiewende trägt zum Umdenken bei. Bis 2050 soll der gesamte Strombedarf aus erneuerbaren Energien gewonnen werden. Auch dank Greta ist das Klimathema bei den Industriestaaten ganz oben auf der Agenda. Klimaerwärmung und -wandel sind bedrohlich greifbar geworden. Es wurde allerhöchste Zeit, dass auch in Spanien umgedacht wird. Aber schon monieren Bewahrer von Tradition, dass Solaranlagen auf Dächern von beschaulichen Orten wie Valldemossa Touristen verschrecken könnten. Provokant könnte man erwidern: Welche Touristen? Wenn dank Erderwärmung im Sommer 50 Grad herrschen, zieht es diese eh in den kühleren Norden. Irgendwann sollte einem der Ernst der Lage bewusst und Schluss mit albernen Spielchen wie diesen sein. Jetzt bleibt zu hoffen, dass den Worten Taten folgen und die 300 Sonnentage, mit denen die Insel sonst so gerne wirbt, effektiv genutzt werden.

Autorin: Dorothee Kammel

20

02 2020

Die Crux mit den Sturmschäden auf der Insel

Was sich auf Mallorca in den Touristenregionen befindet, ist Kapital. Werden Strände oder andere Uferzonen nicht gepflegt, merken das die Feriengäste und werden für sich Konsequenzen ziehen. Wer will schon in einem Ort urlauben, wo ein von einem Sturm ramponierter Uferweg wie derzeit in Cala Rajada einfach nicht wieder hergerichtet wird.

Es irritiert, wenn Verantwortliche – wie das momentan geschieht – den schwarzen Peter immer anderen zuschieben statt einfach unbürokratisch zuzupacken und zumindest gröbste Schäden zu beseitigen. Ein großes Problem dürfte es doch nicht sein, vom Wind umgeworfene Zementblöcke wieder aufzustellen und umhergewirbelte Steinplatten zu entfernen. Aber nein, auch drei Wochen nach dem Ausnahme-Sturmtief „Gloria” sieht es in Cala Rajada genauso aus wie kurz nach dem Naturereignis, was auch für den stark in Mitleidenschaft gezogenen Strand von Cala Millor gilt.

Andererseits: Kann man es den notorisch klammen Insel-Gemeinden verdenken, wenn sie auf die von Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez fest zugesagten Hilfsmillionen erst einmal warten? Jetzt im Februar und März kommen halt kaum Touristen.

Aber wie überall dauert es auch in Spanien eine gewisse Zeit, bis große Summen lockergemacht werden. Und wenn in Madrid, wie ein Sprecher der offiziellen Delegation auf den Balearen äußerte, die Schadensberichte des ganzen Landes erst einmal „studiert” werden, so steigt in einem ein gewisses flaues Gefühl hoch. Nicht auszudenken, wenn ab dem Frühling wieder die Urlauberscharen kommen und mit einer kaputten Ferien-Infrastruktur überrascht werden!

Was bleibt, ist auf das Improvisationstalent der Spanier zu hoffen. Wenn es um den Tourismus, die wichtigste Einnahmequelle des Landes, geht, ist es ihnen in der Regel immer gelungen, auch auf den letzten Drücker Dinge auf Vordermann zu bringen und so zu Potte zu kommen, dass die Gäste nicht aus allen Wolken fallen und sich aufregen.

Autor: Ingo Thor

17

02 2020

Ein Tourismus, der sich neu erfinden will

In den vergangenen Tagen hat die Tourismuspolitik der Balearen-Regierung immer wieder für Aufsehen gesorgt. Erst wurde das Dekret gegen Alkoholexzesse vom Balearen-Parlament mit riesiger Mehrheit verabschiedet. Dann präsentierte der mallorquinische Hotelverband ein Dokument, das die Gäste künftig bei Ankunft an der Rezeption zu unterschreiben haben (S. 7) . In dem Papier sollen die Urlauber etwa versichern, dass sie nicht vom Balkon in den Pool springen und sich auch sonst „zivilisiert” verhalten werden.

Wohlgemerkt: Der neuartige Benimmschein – der die Hotels juristisch etwa vor Entschädigungszahlungen infolge alkoholbedingter Unfälle schützen soll – ist nicht inselweit zu unterzeichnen, sondern lediglich in den traditionellen Partyhochburgen Playa de Palma (ohne Can Pastilla) und Magaluf.

Das Vorhaben macht deutlich: Die Balearen-Regierung forciert den Wandel hin zu einem hochwertigen Tourismus, will ihn geradezu neu erfinden. Ziel ist, die häufig auch in der Öffentlichkeit (und danach in den Medien) sichtbaren Alkoholgelage auszutrocknen. Auch All-inclusive-Hotels soll der Alkoholhahn zugedreht werden, die ihren Gästen bekanntlich nahezu freien Zugang zu Billig-Bier und Spirituosen gewährten.

Wird das nun dem Tourismus, wie man ihn bislang in Arenal und an der Punta Ballena kannte, den Garaus machen? Ein Umdenken – und ein Umbuchen – wird hier und da sicherlich einsetzen. Aber die große Masse an Besuchern, die sich auch ohne Benimmschein zivilisiert zu benehmen weiß, wird weiterhin nach Mallorca reisen, wenn ihr danach ist.

Jetzt lässt sich argumentieren, dass die deutschen Besucherzahlen bereits 2019 gesunken sind, um 2,6 Prozent auf 4,54 Millionen (S. 36) . Kritiker führen gerne die Ökosteuer, hohe Preise und die Gängelung der Mallorca-Party als Gründe an.

Andererseits: Die Besucherzahlen aus England und vom Festland legten deutlich zu. Für diese Urlauber scheint Mallorca nach wie vor attraktiv zu sein. Warum sollte dies bei der Mehrheit der Deutschen großartig anders sein? Sie werden ungeachtet der Schwankungen Mallorca treu bleiben.

Autor: Alexander Sepasgosarian

07

02 2020