Archivo de Januar, 2020

Condor ist gerettet, doch wird die Marke ihren Stil beibehalten?

Auch wenn die Freude darüber erst einmal groß ist, dass Condor einen neuen Eigentümer hat – mit Luftsprüngen sollten alle Beteiligten noch warten. Viele Fragen sind offen. Etwa: Wie harmonisch wird die Ehe eines deutschen bisher privatgeführten Ferienfliegers mit einem polnischen Linienflieger in staatlicher Hand? Man will wachsen, wachsen, wachsen. Diese Worte fallen vor allem von polnischer Seite.

Die Strategie der Polen: mehr Marktmacht in Europa. Ob dahinter nur ein rein wirtschaftliches Interesse steckt oder auch politische Machtdemonstration, ist unklar. LOT lehnte sich bisher immer an die Regierungslinie an. Die Rechtsnationalisten um die Partei PiS in Polen feiern die Übernahme in sozialen Netzwerken als nationalen Triumph. Obwohl die Bürger des Landes die Wiederauferstehung der LOT finanziert haben.

Da schließt sich die Frage an: Wie finanzstark ist die polnische Gruppe? Dass eine Airline, die vor wenigen Jahren selbst noch ein Übernahmekandidat war, nun die Mittel stellt, eine andere Airline zu kaufen, mutet zunächst kühn an. Zum geheimnisumwobenen Kaufpreis kommt die Rückzahlung des Überbrückungskredits – plus eine nicht abzuschätzende Investitionssumme in die Modernisierung der Flotte, die vor allem bei Condor nötig sein könnte. Muss die polnische Regierung zu stark finanzieren, könnte es Widerspruch auf EU-Ebene geben. Außerdem: Wie stark werden die beiden neuen Partner den deutschen Flugmarkt aufmischen?

Condor und LOT bringen gemeinsam eine neue Flotten-Stärke auf den Flugmarkt, die Mitbewerber Lufthansa hellhörig werden lassen dürfte. Deren Tochter Eurowings bedient im Mallorca-Markt bisher ein ähnliches Streckennetz. Wie lange wird Lufthansa die nicht gerade goldbringende Eurowings noch halten?

Alles in allem sind die Taten der vergangenen vier Monate ein Vertrauensbeweis in Condor als starke Marke. Nicht nur haben sich sowohl Bundes- als auch die hessische Landesregierung mit einem Kredit um deren Erhalt bemüht. Auch Luftfahrtexperten waren sich einig: Die einst beliebteste Airline Deutschlands muss bleiben! Wenn nun auch künftig nicht mehr in deutscher Hand …

Autorin: Diana Serbe

30

01 2020

Ohne Ahndung bleibt das Anti-Exzesse-Dekret „zahnlos”

Als ein Pionier-Vorhaben ist das „Dekret gegen Alkoholexzesse” in den balearischen Medien jüngst gewürdigt worden. Das im Volksmund auch „Anti-Sauf-Gesetz” genannte Regelwerk ist der neueste Versuch, einen ganz besondern Sumpf auf dem Archipel trockenzulegen. Der Maßnahmenkatalog richtet sich gegen all jene Urlauber, die sich auf dem Eiland einzig und allein dem hemmungslosen Alkoholkonsum hingeben wollen und dann im Suff jede Menge Ärgernisse verursachen. Die Palette reicht von Ruhestörung durch nächtliches Grölen, Urinieren auf der Straße, mutwillige Sachbeschädigung, Streit, Schlägereien, sexuelle Belästigung bis hin zu tödlichen Unfällen.Das Dekret gilt auf Mallorca vorerst für die beiden berüchtigten Konfliktzonen S’Arenal, gemeinhin die Meile am sogenannten „Ballermann”, sowie für die skandalträchtige und britisch dominierte Urlauberdestination Magaluf.

Dass die Behörden gegen die Exzesse vorgehen wollen, ist richtig und sinnvoll. Volltrunkene Zeitgenossen in der Öffentlichkeit sind ein menschlich unwürdiges Schauspiel. Und jene Extrem-Vorkommnisse, die per Foto und Bericht in den Medien landen, sind schändlich für die Außenwirkung der Insel.

Das Balearen-Kabinett will das Dekret noch an diesem Freitag beschließen. Neu ist, dass die Problematik erstmals auf Regierungsebene angepackt wird. Bisher hatten lediglich Rathäuser versucht, lenkend einzugreifen, so wie etwa durch die 2014 in Palma verkündeten „Benimmregeln”.

Die Frage ist jedoch, ob die härteren Strafen und höheren Geldbußen von den Behörden auch tatsächlich durchgesetzt werden. Dazu bedarf es einer konsequenten Ahndung der Vorfälle. Daran hat es bislang aus diversen Gründen gehapert. Ohne seine entsprechende Umsetzung entpuppt sich das Dekret als zahnloser Tiger.

Wichtig ist aber auch, dass die Politik nicht ausschließlich jene aus dem Ruder laufenden Party-Urlauber ins Visier nimmt. Zu viele ganz gewöhnliche Touristen werden zu oft das Ziel von Taschendieben, Klauhuren, Trickbetrügern, Straftätern. Auch hier sollten die Behörden endlich konsequent gegensteuern.

Autor: Alexander Sepasgosarian

24

01 2020

Jeder soll sich auf Mallorca willkommen fühlen

Mit viel Tamtam und nicht ohne eine gesunde Portion Eigenlob hat der Inselrat am Dienstag im Es-Baluard-Museum sein Konzept für die Zukunft des Tourismus auf Mallorca vorgestellt. Die Gastredner und Experten kamen unter anderem aus Benidorm und sogar Buenos Aires, wo man sich abschauen möchte, wie „intelligenter” Tourismus funktioniert. Der Plan: Weg vom alleinigen Sonne-und-Meer-Konzept und hin zu Events, Sporturlaub, Nischenangeboten, Nebensaison- und „smartem” Citytourismus. Die Vorschläge sind zwar nicht neu und in ihrer Mehrzahl auch noch ziemlich schwammig, wurden aber selten so deutlich umrissen wie an diesem Montag.

Viele der Ideen, die in den kommenden drei Jahren auf Grundlage eines Strategiepapiers umgesetzt werden sollen, sind sogar richtig gut. Die Urlauberströme mit Hilfe „smarter” Lösungen wie Apps besser zu kanalisieren ist ebenso begrüßenswert wie der Ausbau spezieller Angebote für Gourmets, Rad-, Yoga-, Wander- und Golffreunde. Dass dabei insbesondere die Nebensaison tatsächlich funktionieren kann, wissen die Hoteliers zu berichten, die im MM-Thema der Woche „Gegen den Trend” (S. 16) zu Wort kommen.

Vergessen dürfen aber selbst die schlauesten Politiker eines nicht: Die Insel wird immer ein Sommerziel bleiben. Es ist zwar gut, auch die bei Urlaubern bisher eher unbeliebten Monate November bis März zu beleben, vergraulen sollte man die Sonne-und-Strand-Urlauber nicht, denen die Linksregierung in den vergangenen fünf Jahren mit der Kurtaxe „Ecotasa”, dem Verbot von Ferienvermietung in Palma, All-inclusive-Regulierungen, Feierverboten und überhaupt dem dauerhaften Hinterfragen des touristischen Konzepts bereits einiges zugemutet hat. Viele dieser (teilweise sinnvollen) Maßnahmen wurden in Deutschland interpretiert mit den Worten: „Die Mallorquiner wollen uns nicht mehr!” Es gilt deshalb umso mehr, jetzt ein gesundes Gleichgewicht zu schaffen, in dem sich jeder auf der Insel willkommen fühlt, der wandernde Freund gehobener Küche ebenso wie der sonnesuchende Arenal-Urlauber.

Autor: Patrick Czelinski

16

01 2020

Die Airport-Kritiker sind zu regionalistisch, um zu überzeugen

Es ist verständlich, wenn Menschen auf Mallorca die fortschreitende Massifizierung und die damit verbundene Schädigung der Umwelt beklagen. Ob neue Autobahnen oder Wohnsiedlungen, das alles schafft Unmut. Dass auch angesichts der bevorstehenden Groß-Renovierung des Flughafens der Widerstand wächst, ist also keine Überraschung. Und es ist nachvollziehbar. Die Betreibergesellschaft Aena selbst gibt zu, das Passagieraufkommen an den Flugzeug-Positionen erhöhen zu wollen.

Doch ach: Die da so laut protestieren, sind alte Bekannte, die so ziemlich gegen alles sind, was den Tourismus auch nur im Ansatz fördert. Ob Terraferida, Gob oder wie sie alle heißen, sie haben nicht die Wirtschaft auf der Insel im Blick. Sie verdrängen, dass der Tourismus der Ast ist, auf dem hier fast alle sitzen. Zwar haben sie recht damit, mehr Klima- und Naturschutz anzumahnen, doch ihr Standpunkt ist häufig von regionalistischer Kritik geprägt. „Nos invaden” („Sie marschieren bei uns ein”) heißt es seit Jahrhunderten auf dieser lange Zeit isolierten und deswegen etwas eigenbrötlerischen Insel. Doch in den vergangenen Jahrzehnten mutierte Mallorca bekanntlich zu einem internationalen Ort, wie es ihn so kaum woanders auf der Welt gibt. Mallorca ist heute ebenso mallorquinisch wie spanisch, englisch und deutsch.

Der Widerhall aus grauer Vorzeit, der bei den Airport-Ausbau-Gegnern mitschwingt, ist unzeitgemäß. Die Kritik am Massentourismus und der Naturschutz sind zeitgemäß. Die Protestler vermengen Archaisches mit Nachvollziehbarem, sodass ihre Glaubwürdigkeit schon jetzt leicht in Frage gestellt ist.

Es macht halt keinen Sinn, einfach nur gegen alles zu sein, was in irgendeiner Weise etwas mit Modernisierung zu tun hat. Man darf gespannt darauf sein, wann endlich auf dieser Insel Weltläufigkeit einhergeht mit legitimer Kritik. Das wäre ein fast faszinierender Quantensprung.

Autor: Ingo Thor

Schlagworte: ,

06

01 2020