Archivo de Dezember, 2019

Das Gestern kann helfen, das Heute zu verstehen

Haben Sie gewusst, was für eine mythenumwobene Insel Mallorca ist? Dass der Aberglaube hier bis heute tief in der Gesellschaft verankert ist, ist den meisten fremd. Dabei ist diese dunkle, fast schon sagenhafte Welt wirklich spannend. Sie erzählt zahlreiche Geschichten aus dem Seelenleben der Mallorquiner. Die Angst vor Stürmen auf hoher See, vor Waldgeistern, schlechten Ernten, vor der Gewalt der Natur und menschlichem Unglück. Sie zeichnet ein Bild von einer Insel, die durch den Massentourismus zwar ein Stück weit weltläufig wurde und die doch bis heute an alten Traditionen festhält. Von einer Gesellschaft, die sich zwar dem Einfluss von außen geöffnet hat, ihn aber nach wie vor in viele Lebensbereichen eher als Bedrohung denn als Bereicherung versteht.

So kann uns der Aberglaube vieler (vor allem älterer) Mallorquiner dabei helfen zu verstehen, dass auf der Deutschen liebster Ferieninsel bis heute zwei Welten aufeinanderprallen: das polyglotte Glitzerparadies für Urlauber und die bisweilen altmodische und in Traditionen verhaftete Lebensweise der Einheimischen. Wir, die „Forasters”, – die „von außen Gekommenen” – tun gut daran, dieser Tatsache mit Respekt zu begegnen. Denn letztendlich ist Aberglaube immer auch Ausdruck eines tiefen menschlichen Bedürfnisses. Des Schaffens der Gewissheit (oder zumindest der Hoffnung), dass am Ende irgendwie alles gut wird.

Und so bleibt auch uns Mallorca-Deutschen nur zu hoffen, dass die Geister unserer Insel auch 2020 wohlgesonnen sind: Möge der Tourismus florieren, ohne die ureigene Inselwelt mit ihrer Natur zu zerstören. Mögen die so verschiedenen Bevölkerungsgruppen auf Mallorca auch in Zukunft in friedlicher Koexistenz leben und wir Ausländer hier weiter willkommen sein. Mögen die Stauseen und die Staatskassen so voll sein wie die Sangria-Gläser und die Politiker ihren Vorsätzen treuer als viele von uns es sind.

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen, liebe Leser, alles Gute für das neue Jahr. In der Hoffnung, dass Sie die Insel auch weiterhin genießen können!

Autor: Patrick Czelinski

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26

12 2019

Bis zu 20 Grad an Weihnachten. Ist das schon der Klimawandel?

Wenn Weihnachten vor der Türe steht, dann werden nicht nur Geschenke erwartet, sondern auch die Wetterprognosen. Wie wird das Wetter an den Festtagen? Weiße Weihnacht? Grüne Weihnacht? Oder grau-trübe Weihnacht? Auch auf Mallorca sind Wetterprognosen gefragt. Hier rechnet man allgemein nicht mit weißer Weihnacht. Aber herrlicher Sonnenschein darf es schon sein, um an den Feiertagen wandern zu können oder am Meer zu spazieren.

Die derzeitigen Aussichten klingen vielversprechend: Strahlend blauer Himmel bei Höchstwerten bis 20 Grad vermeldete das Wetteramt für die kommenden Weihnachtstage .

20 Grad Ende Dezember? Ist das normal? Oder sind das schon die Auswirkungen des Klimawandels? Ein Blick ins MM-Archiv zeigt, dass in den vergangenen 50 Jahren an Weihnachten nahezu jedes Wetter auf Mallorca geherrscht hat. Die Palette reicht von eisigem Frost bis Baden im Meer. Mallorca bietet eben alles.

Und dennoch lässt sich eine zunehmende Veränderung des Klimas auf der Insel und weltweit nicht mehr wegreden. Der jüngste UN-Klimagipfel hat die Dringlichkeit von Maßnahmen erneut deutlich gemacht.

Es ist indes ein Dilemma, dass die komplexen naturwissenschaftlichen Zusammenhänge des Klimawandels nicht so leicht zu vermitteln sind wie etwa Fußballergebnisse. Wenn Wissenschaftler in den TV-Hauptnachrichten genauso viel Präsenzzeit erhielten wie Kicker, dann würde die Brisanz der Thematik nicht mehr allzu leicht von Leugnern als „Fake” abgetan werden können. Forscher, die daran arbeiten, den Klimawandel mit innovativen Verfahren abzubremsen, sind die wahren Helden unserer Zeit. Positiv ist zudem, dass mehr und mehr Menschen sich gegen den Klimawandel engagieren. Politik und Wirtschaft spüren die wachsende Besorgnis der Bürger.

Einer Umfrage der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen zufolge findet mehr als die Hälfte der Deutschen umweltschonende und sozial nachhaltige Urlaubsreisen gut. Doch nur zwei Prozent kompensieren die CO2-Emissionen ihrer Reise. Da ist – zugegeben – noch viel Luft nach oben.

Autor: Alexander Sepasgosarian

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19

12 2019

Neue Busse, neue Linien, neue Kunden?

Es ist nachvollziehbar, dass Palma die Autofahrer hin zum öffentlichen Nahverkehr locken will. Die vielen Staus fast überall zur Rush Hour stoßen nicht nur Anhängern des regierenden Linksbündnisses sauer auf. Und so ist es auf jeden Fall eine gute Idee, bald ein Tarifsystem mit Rabatten für häufiges Busfahren einführen zu wollen. Doch um Autofahrer dazu zu bewegen, umzusteigen, ist das nicht genug. Das Angebot muss besser sein. Leider aber gibt es immer wieder Probleme mit den EMT-Bussen. Manchmal kommen sie gar nicht, zuweilen sind sie unpünktlich und manchmal überfüllt. Das sind keine guten Voraussetzungen, um Kunden zu gewinnen.

In dem Zusammenhang, das Bussystem fahrgastfreundlicher zu machen, muss die Tatsache gesehen werden, Knall auf Fall das gesamte Liniennetz durcheinanderzuwirbeln. Ab dem 18. Dezember wird alles anders sein. Gut ist, dass die Frequenzen bei einigen viel genutzten Linien erhöht werden sollen. Gut ist auch, zahlreiche bereits vor längerer Zeit neu angeschaffte Gefährte endlich einzusetzen. Doch die Aktion wirft auch Fragen auf. Wieso wird die Playa-Linie 15 eingestellt und durch eine kürzere ersetzt, mit der man gar nicht mehr direkt vom Party-Bereich in das Stadtzentrum vorstoßen kann? Will man so verhindern, dass gewisse trinkfreudige Urlauber sich allzu weit vom Ballermann entfernen? Nachvollziehbar und verständlich ist das durchaus. Und dass man plötzlich mit einer ganz anderen Linie zu den Illetes-Stränden kommt, verstehen sicher nur diejenigen, die das Ganze ausgeheckt haben.

Der unverhoffte Aktionismus an der Bus-Front passt zum Vorhaben der Stadt-Verantwortlichen, auch anderweitig eine Anti-Auto-Strategie zu fahren. Angedacht ist etwa, die trubelige Nuredduna-Straße zu einer weiteren Fußgängermeile umzufunktionieren. Angefangen hatte man bereits vor Tagen mit der Umgestaltung der auch bei Deutschen so beliebten Plaça del Mercat. Dort, wo kultige Bars viele Menschen anlocken, wird künftig alles heimeliger. Und das ist auf jeden Fall gut so.

Autor: Ingo Thor

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12 2019

Investoren entdecken eine Schmuddelecke

Nächtlicher Partylärm, Schlägereien, Drogenkriminalität – bislang machte die Gegend um die Plaça Gomila vor allem mit Negativ-Schlagzeilen von sich reden. Es ist die Schmuddelecke von El Terreno, das mit seinen historischen Prachtvillen unterhalb des Castell de Bellver eins der emblematischsten Viertel Palmas ist. Viele der Bars des ehemaligen Künstler- und Partyviertels wurden inzwischen geschlossen. Doch eine Lösung war dies nicht. Die Lokale an der Plaça Gomila und der Avinguda Joan Miró gammelten mit verbarrikadierten Türen und Fenstern genauso wie leer stehende Wohnhäuser einfach nur weiter vor sich hin. Appelle an das Rathaus, etwas gegen den Verfall zu tun, blieben jahrzehntelang ungehört. Städtische Verordnungen untersagen Immobilienbesitzern, ihre Häuser verfallen zu lassen, geahndet werden die Verstöße nie, beklagt der Präsident der Anwohnervereinigung, Xavier Abraham gegenüber MM.

Kein Wunder, dass angesichts der öffentlichen Untätigkeit nun Privatinvestoren in die Bresche springen. Seit einigen Monaten hat ein regelrechter Run auf die Immobilien rund um die Plaça Gomila eingesetzt, vornehmlich soll das Geld in Luxuswohnungen und -hotels investiert werden. Ein altes, weltweit praktiziertes Rezept. Die übliche Nebenwirkung: Weniger kaufkräftige Bewohner werden durch steigende Mieten und Immobilienpreise aus ihrem angestammten Wohnviertel vertrieben. Immer noch besser, als den ruinösen Verfall einfach weitergehen zu lassen, lautet das oft geäußerte – wenn auch etwas resignierte – Gegenargument. Und dass Investitionen zu einer verbesserten Infrastruktur in Form neuer Geschäfte, Restaurants oder Cafés beitragen werden, lässt sich ebenfalls nicht von der Hand weisen. In der Autostadt Detroit, an deren Zukunft schon niemand mehr glaubte, ist genau das passiert.

Und dennoch bleibt Wut angesichts der Untätigkeit der Stadt, die die Umgestaltung eines ihrer auch touristisch interessantesten Viertel so wenig selbst in die Hand nimmt. Gut zwei Millionen Euro hatte sie für 2017 und 2018 zugesagt, gerade einmal gut 45.000 Euro flossen tatsächlich in Projekte.

Autorin: Maike Schulte

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12 2019