Archivo de November, 2019

Traditionsorte wie das Abaco sterben, doch Palma bleibt Palma

Es ist schon wieder passiert. Erneut schließen in Palma zwei emblematische Lokale, die vielen ein Begriff sein dürften: die Bar Abaco und der Jazz Voyeur Club. In Erinnerung sind noch Einkehr-Orte wie die Bar Cristal, das Café Lírico und und und. Es ist nachvollziehbar, dass viele das Dahinscheiden solcher Institutionen bedauern. Schließlich verliert damit Palma mehr und mehr an Individualität. Die Stadt nähert sich – wenn auch langsam – x-beliebigen anderen Städten an, die mit Burger King, Starbucks und dergleichen immer verwechselbarer werden.

Aber auch Institutionen haben halt Halbwertszeiten. Rechnen sie sich nicht oder werden sie altbacken oder unpopulär oder passen nicht mehr in die Zeitläufte, sind sie nicht mehr zu halten. Andererseits ist es auch schon passiert, dass die Betreiber solcher Geschäfte oder Lokale von einer exorbitanten Mietentwicklung überrollt wurden und schließen mussten, obwohl sie bei Kunden sehr beliebt waren. So erging es den Lenkern der Bar Cristal an der Plaça d’Espanya, die jahrzehntelang von ihrem angestaubten Vintage-Flair profitierte.

Wenn etwas Altes vergeht, muss es aber nicht zwangsläufig sein, dass eine Stadt wegen des Einzugs anderer Strukturen im Sauseschritt uninteressanter wird. Heutzutage haben halt die Ketten Geld und Macht. Und wenn die zuschlagen, haben es einzelne Betreiber trotz kreativer Ideen schwer, weil die Großen halt die Mietpreise nach oben treiben.

Dass Palma nur ansatzweise so öde wie etwa eine deutsche Ruhrgebietsstadt geworden ist, kann man selbstredend nicht sagen. Noch finden sich hier auffallend viele individuelle und traditionsreiche Lokale. Weshalb sich kaum einer Sorgen machen muss, irgendwann auf Langeweile zu stoßen. Zumal es auch positive Beispiele gibt, was die Wiederbelebung von Traditionellem angeht: Man denke nur an die Bäckerei Forn des Teatre, die jahrelang leer stand und jetzt floriert. Aber die Entwicklung in ihrem Lauf kann man nun mal auch hier nicht aufhalten.

Autor: Ingo Thor

21

11 2019

Bußgelder bekämpfen nicht die Ursachen des Straßenhandels

Mal Hand aufs Herz: Wer von den Residenten hat nicht schon mal einem fliegenden Händler auf den Straßen etwas abgekauft? Sei es eine Flasche Wasser, eine Sonnenbrille während des Strandtages oder ein anderes modisches Accessoire. Auch Urlauber sagen beim Angebot der Händler nicht immer Nein. Andere wiederum fühlen sich belästigt, wenn sie zum vierten, fünften Mal während eines Strandspazierganges von einem der senegalesischen Verkäufer angesprochen werden. Doch ohne die Nachfrage wäre auch das große Angebot nicht da.

Und gerade diese starke Konkurrenzsituation ist der Punkt, an dem sich die Einzel- und Markthändler der Insel stören. Sie zahlen Steuern und Abgaben, welche die Straßenhändler nicht entrichten. Dafür locken sie die Kunden oft mit einer aggressiven Verkaufstaktik sowie haltlosen Versprechen („1000 Jahre Garantie”) und sind bereit, um den Preis zu handeln. So setzte Palma auch eine Forderung der Einzelhandelsverbände um, eben auch die Käufer der illegale Ware zu bestrafen. Auch wenn bisher nur in einem Fall ein Bußgeld ausgesprochen wurde.

Ein anderer Punkt ist natürlich die Frage, warum die Polizei nichts gegen die vielen illegalen Händler unternimmt? Erst vor wenigen Tagen war wieder die Situation nahe der Kathedrale zu beobachten: Die berittene Polizei patrouillierte und die Straßenhändler gingen wenige Meter weiter in aller Seelenruhe ihren Geschäften nach.

Dass die Polizei gar nichts unternimmt, lässt sich so nicht unterschreiben. Doch gerade in der Hochsaison reichen weder Zeit noch Personal aus, um den Scharen der Straßenhändler Herr zu werden. Auch scheint eine Null-Toleranz gegenüber den Händlern vonseiten der Politik nicht wirklich gewünscht zu sein. Denn der Straßenhandel sichert vielen Migranten ohne Papiere das Einkommen.

Nur Bußgelder zu verhängen, bekämpft nicht die Ursachen der Probleme: Dass tonnenweise gefälschte Ware ins Land kommt und wie illegale Zuwanderer ihren Lebensunterhalt sichern können.

Autor: Claudia Schittelkopp

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11 2019

Nach der Parlamentswahl ist der Wille zum Konsens gefragt

Ein Déjà-vu erlebt, wer dieser Tage auf Mallorca seinen Briefkasten öffnet. Der quillt geradezu über vor Wahlwerbung aller Couleur, das gesamte politische Spektrum – vom linksalternativen Bündnis Podemos bis zur rechtspopulistischen Vox – ist vertreten. Freundlich lächeln Pedro Sánchez, Pablo Casado, Albert Rivera, Pablo Iglesias und Santiago Abascal aus Werbeprospekten, die in ihrer Mehrheit in der Altpapiertonne landen. Warum? Weil viele Spanier wahlmüde sind! Erst vor einem halben Jahr waren die Briefkästen nämlich ähnlich voll. 2016 übrigens auch – und 2015 ebenso.Zum vierten Mal binnen vier Jahren sind die Bürger des Königreichs aufgerufen, ein neues Parlament zu wählen. „Wozu?”, fragen sich mittlerweile viele. Denn eine stabile Regierung gibt es faktisch seit 2015 nicht mehr.

Immer noch nicht scheint bei den spanischen Politikern die Nachricht angekommen zu sein, dass die Zeit des Zwei-Parteien-Systems vorbei ist. Im Gegenteil: Erst am Dienstag sagte die Sprecherin der geschäftsführenden Linksregierung: „Allen unentschlossenen Wählerinnen und Wählern sei gesagt: Bei einem Patt wird es keine Regierung geben!”. Besser kann man die eigene Unfähigkeit zum Konsens einfach nicht in Worte fassen. Sicher ist nämlich: Auch nach diesem Urnengang wird es keine absolute Mehrheit geben. Umfragen zufolge soll es nicht einmal mehr für ein Zweierbündnis reichen. Die beiden Blöcke – rechts und links – werden also Mehrheiten bilden müssen. Nach der Macht greifen dann – Stand jetzt – entweder die konservative PP zusammen mit den liberalen Ciudadanos und der rechtspopulistischen Vox oder die sozialdemokratische PSOE mit der linkspopulistischen Partei Podemos, mehreren regionalistischen Kleingruppen und eventuell der neuen Linkspartei „Más País” des ehemaligen Podemos-Vizes Íñigo Errejón.

Und eines ist klar: Dieses Mal muss es gelingen, eine tragfähige Regierung zu bilden. Die Spanier sind zwar geduldig, aber irgendwann verlieren auch sie endgültig den Glauben an ihre Politiker. Darauf sollten es die ehrgeizigen Herren an den Spitzen der Parteien nicht ankommen lassen.

Autor: Patrick Czelinski

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07

11 2019