Archivo de Oktober, 2019

Ossi? Wessi? Der Spanier kennt nur die „Alemanes”

Alt genug, um die deutsche Wiedervereinigung physisch miterlebt zu haben; jung genug, um den Trennungsgedanken zu überwinden. Das trifft wohl auf die aus Leipzig stammende Autorin dieser Zeilen zu. Die Klischees vom „Meckerossi” und „Besserwessi” kennt wohl jeder. Und wie bei jedem Klischee steckt darin auch ein bisschen Wahrheit. Dass ein Land nach seinem Zusammenbruch und einer Verschmelzung mit einem anderen Land schwierige Zeiten durchlebt, ist wohl nicht von der Hand zu weisen. Frust und Vergleichsdenken sind menschlich. Aber wer in der Zukunft vorankommen will, darf nicht in der Vergangenheit leben. Abstufungen sind noch heute etwa beim Gehalt spürbar, da ist noch viel Anpassungsarbeit nötig. Natürlich spielt die Frage der Herkunft immer noch eine Rolle, wenn von „deutsch” die Rede ist. Aber warum auch nicht? Deutschland hat nun mal seine Geschichte. Und die sollte man nicht ignorieren. Auch unter Spaniern fragt man sich, ob man denn aus Andalusien, dem Baskenland oder von den Kanaren stamme. Die Grenzöffnung brachte den Balearen neue Touristen aus dem Osten und machte die kulturelle Mischung noch ein bisschen bunter. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten waren auch die Ostdeutschen bereits vor dem Mauerfall ein reiselustiges Völkchen. Heute sieht man auf den Autobahnen der Insel neben den Kölner, Düsseldorfer und Hamburger Autokennzeichen genauso viele Pkws, die offenkundig aus dem Erzgebirge, dem Havelland oder Rostock kommen. Und die Welt zu erkunden und das Ersparte in einen Urlaub zu investieren, spielt für Deutsche in ihrer Gesamtheit eine wichtige Rolle. Oder haben Sie jemals einen Urlaub erlebt, ohne dabei auf einen Deutschen getroffen zu sein? Mallorca bietet sich als Reiseziel und Lebensort wunderbar an, um altes Klischeedenken zu überwinden. Hier leben „Ossi” und „Wessi” als „Deutsche” zusammen. Der Spanier kennt eh nur die Klischees über die „Alemanes”, über die er sich des Öfteren belustigt. Das zeugt doch davon, dass wir in unserem Denken und Tun alle mehr gemeinsam haben als wir vielleicht dachten.

Autorin: Diana Serbe

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10 2019

Wasser sparen tut not, die Regierenden müssen handeln

Wer dieser Tage Zeit auf Mallorca verbringt, könnte meinen, sich in einer wassertechnisch unproblematischen Region aufzuhalten. Es regnet immer und immer wieder, und wenn einige Tage die Sonne erscheint, wird es erneut feucht. Und das Grün ist auf einmal so ungeheuer frisch und rein.So geht es halt manchmal nach den immer trockenen Sommern auf der Insel zu, und im Zeichen des Klimawandels könnte sich das in den nächsten Jahren auch noch verschärfen.

Doch eigentlich ist Mallorca wasserarm: Die Stauseen sind oft nur mäßig gefüllt, das Grundwasser ist zu mehr als 50 Prozent unbrauchbar, zudem wird zunehmend Meerwasser entsalzt. Dass die Lage ernster wird, deuten Zahlen von diesem Jahr an: Der August war trockener und heißer als der Vergleichsmonat im Vorjahr. Das galt auch für die Monate davor: Zwischen Januar und Juli fielen nur 261 Liter auf den Quadratmeter. Zum Vergleich: Allein in den vergangenen beiden Starkregennächten kam fast die gleiche Menge zusammen.

Was also ist zu tun? Zunächst mal sollte sich jeder Einzelne am Riemen reißen und Wasser sparen, Bürger und erst recht Urlauber. Es ist nunmal so, dass ein Tourist laut der Stadt Palma 278 Liter am Tag verbraucht, während ein Einheimischer nur auf 119 kommt. Einige Hoteliers haben das erkannt und etwa in den Zimmern Waschbecken mit Durchflussbegrenzer installiert sowie Duschen mit Sparbrausen versehen.

Ungeachtet dessen kommt es weiter zu Wasserknappheit auf der Insel. Im vergangenen Sommer wurde in einigen Regionen die Vorwarnstufe ausgelöst, in der Gemeinde Selva etwa floss in ländlichen Bereichen zeitweise nur am Tag Wasser aus den Hähnen.

Angesichts des Klimawandels könnte sich das Wasserproblem auf Mallorca weiter verschärfen. Und da sind die Regierenden gefordert: Sie müssen sich Gedanken darüber machen, wie man das Ganze in den Griff bekommen kann – etwa mit mehr Stauseen oder einer Runderneuerung des lecken Leitungsnetzes. Doch Bewegung ist dort nicht auszumachen.

Autor: Ingo Thor

25

10 2019

Mallorca ist anders als Katalonien. Zum Glück

Es ist allgemein bekannt, dass Mallorca und Katalonien viel verbindet: Nicht nur die Sprache, sondern auch persönliche Kontakte vieler Inselbewohner zu jener so unruhigen Region sprechen Bände. Barcelona ist halt ein größeres Palma. Und dennoch: Die Menschen auf Mallorca ticken anders. Sie sind konservativer und langmütiger. Und sie sind durch den Tourismus stärker von anderen, liberaleren Kulturen geprägt als etwa Menschen in ländlichen Gebieten von Katalonien. Viele Mallorquiner sind ferner vom Tourismus beruflich abhängig, was das Aufkommen von Hitzköpfigkeit sicherlich bremst. Jedem hier ist klar, dass Urlauber nichts weniger mögen als Unruhe oder gar Gewalt. Angesichts dessen mögen vereinzelte eigensüchtige Insel-Politiker von rechts und links die fürwahr ernste Krise zwar für sich auszuschlachten versuchen, doch die Menschen sind halt von einem anderen, besonneneren Schlag.

Glücklicherweise. Denn das garantiert, dass extremistische Aktionen wie die Flughafen-Besetzung in Barcelona hier nur schwer vorstellbar sind. Eine unzeitgemäß intolerante obskure Organisation, die kurioserweise „Tsunami Democratic” heißt, hatte Unzählige mobilisiert und dann dort alles blockiert.

Es ist zu hoffen, dass sich die nach den durchaus harten Urteilen gegen mehrere katalanische Separatistenführer aufgekommenen Wogen schnell wieder glätten. Im Sinne des seit Jahrzehnten gewohnten entspannten Zusammenlebens müssen sich die nicht selten kindisch auftretenden spanischen Politiker jeglicher Couleur am Riemen reißen. Sie haben dafür zu sorgen, dass in der Katalonien-Frage zumindest ein kleines Licht am Ende des Tunnels aufscheint. Spanien ist doch eigentlich so wunderbar unjugoslawisch! Für den international geschmeidig auftretenden geschäftsführenden spanischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez ist das, auch vor der Wahl, eine Bewährungsprobe. Er hat die Chance, nach großen Staatsmännern wie etwa Adolfo Suárez oder Felipe González als Politiker von Statur in die Geschichte einzugehen.

Autor: Ingo Thor

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10 2019

Die angekündigte Überholung des Airports ist vernünftig

Flughäfen sind die Visitenkarten ganzer Regionen. Wer irgendwo ankommt und sieht, dass die Gepäckbänder nicht wie geschmiert laufen oder dass sich der Unrat häuft, macht sich ein Bild, das nicht selten mit der Realität des Reiseziels übereinstimmt. Wird eine Region schluderig geführt, kann sich das also durchaus im Airport widerspiegeln. Für das boomende Bayern etwa gibt es keine idealere Visitenkarte als den hochmodernen Münchner Flughafen.

Angesichts dessen ist es nur vernünftig, wenn die spanische Betreibergesellschaft Aena tief in die Taschen greifen will, um Mallorcas riesigen Flughafenkomplex ein für allemal auf Vordermann zu bringen. Mehr als eine halbe Milliarde Euro lässt man springen. Das ist bestens investiertes Geld, denn es ist nunmal so, dass der Airport jenseits des 2010 eingeweihten, mit dem 21. Jahrhundert kompatiblen C-Terminals trotz vieler schon erledigter Verbesserungen vielerorts angejahrt aussieht. In manchen Ecken und Gängen besonders zwischen dem Hauptgebäude und dem Terminal D kommt der Komplex geradezu muffig daher. Man fühlt sich an Retro-Orte wie den Flughafen Berlin-Tegel erinnert.

Dass auf Mallorca bei der bald anstehenden Überholung bewusst auf Helligkeit gesetzt wird, passt zur lichtdurchfluteten Insel. Dass eine leistungsstarke Photovoltaik-Anlage kommen soll, passt wunderbar in die immer umweltsensiblere aktuelle Zeit. Und dass die Passagiere weniger Zeit vom Eingang zum Gate benötigen sollen, werden diese den Managern dieses sehr weitläufigen Airports danken.

Doch ach, wegen der vielen zu erwartenden Baustellen wird sich manch ein Fluggast vor allem im Winter möglicherweise genervt fühlen, zumal der Mallorca-Flughafen ohnehin ein Labyrinth ist, das nicht wenige verwirrt. Doch all das, was verbesserungstechnisch geschehen wird, wird dazu führen, dass Mallorcas Visitenkarte peppiger und zeitgemäßer daherkommt. Und wir alle hier wollen doch, dass die betörende Insel-Realität eine betörende Eingangspforte bekommt.

Autor: Ingo Thor

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10 2019

Nach der großen Flut hat sich in Sant Llorenç schnell viel getan

Es ist erstaunlich, wie schnell und agil Behörden handeln können: Ein Jahr nach der Flutkatastrophe von Sant Llorenç freuen sich Einwohner dort zum Teil geradezu ungläubig, wie rasch und unbürokratisch ihnen von der Balearen-Regierung unter die Arme gegriffen wurde. Ehemals ramponierte Häuserfassaden und sonstige Wände wurden denn auch fleißig angestrichen, Fensterläden massenhaft neu lackiert. Und nicht nur das: Was ansonsten in der Infrastruktur mit Sicherheit viel länger gedauert hätte, wurde in dem Unglücksort fast atemberaubend schnell erledigt: Zahlreiche Straßen erhielten dort inzwischen neue Teerdecken. Man reibt sich überrascht die Au- gen und kann laut ausrufen: Ja, sogar im bekanntlich eher schläfrigen, aber im Grunde durchaus korrekten Spanien kann der Amtsschimmel galoppieren, sofern es hart auf hart kommt.

Aber was soll die ganze Eile, wenn das Wichtigste einfach nicht gemacht wird? Über den Todes-Sturzbach, der sich am Rande des Ortes in seinem Betonbett befindet, führen mehrere Brücken mit meterdicken Wänden. Und die wirkten am 9. Oktober 2018 wie Staumauern und lenk- ten die mit Karacho herunterströmenden Wassermassen in die Dorfstraßen von Sant Llorenç. Es müssten dort also dringend Öffnungen eingebaut werden, um bei ei-findet, führen mehrere Brücken mit meterdicken Wänden. Und die wirkten am 9. Oktober 2018 wie Staumauern und lenkten die mit Karacho herunterströmenden Wassermassen in die Dorfstraßen von Sant Llorenç. Es müssten dort also dringend Öffnungen eingebaut werden, um bei einer neuen Flutwelle das Durchfließen zu garantieren. Das ist bislang nicht ge- schehen. Immerhin: Die Gemeinde hat bereits leere Flächen am Rande des „Torrents” erworben, um die Wassermassen im Notfall dort- hin umzuleiten und so Überschwemmungen zu verhindern beziehungsweise zu minimieren.

Im Großen und Ganzen gingen die Arbeiten in Sant Llorenç erstaunlich glatt über die Bühne. Und das liegt daran, dass wir auf Mallorca gottlob im gut funktionierenden West-Europa leben. Eine so reibungslose Leistung wäre in korrupten Drittweltstaaten, wo sich ganze Heerscharen öliger Politiker nach ähnlichen Katastrophen bekanntermaßen ohne Zeitverzug mit Hilfsgeldern die Taschen gefüllt hätten, kaum vorstellbar.

Autor: Ingo Thor

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10 2019