Archivo de August, 2019

Der Absturz, seine Folgen und Konsequenzen

Mallorca ist eine sichere Insel. Und dennoch ereignen sich auf dem Eiland schrecklichste Unfälle, wie man sie sich kaum vorstellen kann. Unfälle, die die Menschen verstören und sprachlos machen.

Die Insel ist im Sommer eine der am meisten angeflogenen Destinationen in Europa. Teilweise landen oder starten drei Maschinen pro Minute mit Hunderten von Passagieren an Bord. Als EU-Bürger und Verbraucher geht man davon aus, dass alles bestens gemanagt und kontrolliert ist.

Doch der Luftraum über Mallorca wird nicht nur von den großen Jets bevölkert. Es gibt den Militärflugplatz Son Sant Joan sowie den für die Wasserflugzeuge in Pollença. Es gibt den ersten Zivilflughafen der Insel, Son Bonet bei Marratxí, der heute einzig von Kleinflugzeugen und Hubschraubern genutzt wird. Und es gibt die Graspisten-Flugplätze für Ultraleichtflieger bei Binissalem und Vilafranca de Bonany. Im letztgenannten Ort ist ebenfalls ein Startplatz für die Ballonfahrer beheimatet.

Insbesondere an den Wochenenden sind somit in der Inselmitte die Fluggeräte der Freizeitpiloten zu hören und zu sehen, wenn sie in ihren winzigen Maschinen Kreise über Fincas, Weinberge, Mandelhaine und Wälder ziehen.

Und dennoch wäre bisher niemand auf die Idee gekommen, dass am Himmel über Mallorca ein Hubschrauber und ein Kleinflugzeug zusammenstoßen könnten. Erst recht nicht am vergangenen Sonntag. So viel Raum, so gute Sicht, so gutes Wetter …

Die Tragik des Unfalls ist erschütternd. Sieben Leben wurden auf einen Schlag ausgelöscht. Junge, aktive Menschen. Ihre Angehörigen und Freunde stehen plötzlich vor einer riesigen Leerstelle, die sich nicht füllen lassen wird.

Es bleibt zu hoffen und es ist zu erwarten, dass der Vorfall vollständig aufgeklärt wird und entsprechende Konsequenzen gezogen werden. Etwa im Ausbau der Kommunikation zwischen den unterschiedlichen Verkehrsteilnehmern in der Luft. Es gilt, aus den Fehlern zu lernen.

Die Angehörigen dürfte dies kaum trösten. Ihnen gilt unser Mitgefühl.

Autor: Alexander Sepasgosarian

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29

08 2019

Die Schmierereien sind Teil eines größeren Problems

Es ist ein Ärgernis, und es kommt nicht von ungefähr. Die Fülle von Wand-Schmierereien in Palma dürfte mit einer allgemeinen Verwahrlosung vor allem jüngerer Kreise zu tun haben. Ob der anhaltende Konsum von Trash-TV-Sendungen, entfesselte Prügeleien bei Dorffesten, öffentliche Sauforgien noch und nöcher und Vandalismus auf der Straße – das alles ist ein Trend, der auffällt. Nicht nur in Spanien, auch in Deutschland ist von einer um sich greifenden allgemeinen Verflachung, ja sogar Verblödung die Rede. Und das geht leider mit einer fortschreitenden Verrohung einher, die die anständigen Menschen in Touristenorten auch auf der Insel gerade im Moment ebenfalls ertragen müssen.

Wenn dumpfe junge und halbjunge Leute inländischer wie – so die Denkmalschützer von Arca – auch ausländischer Herkunft sogar jahrhundertealte Denkmäler mit hässlichem Gekrakel vollschmieren, dann ist das auf niedriger Intelligenzebene genauso zeitgemäß egozentrisch, wie stumpfsinnige Sprüche in sozialen Netzwerken zu klopfen, auf Skateboards Passanten in Fußgängerzonen fast umzufahren oder sich – keine Seltenheit in Palma – vor McDonalds-Filialen hinzustellen und laute Musik anzuschalten, die die anderen Menschen stört. Das ist ausgelebte Hohlheit bei gleichzeitig ausgeprägter Respektlosigkeit. Und das sollte man keinesfalls mit dem Drang künstlerisch beseelter Menschen verwechseln, sich durchaus manierlich an manch hässlicher Betonwand auch in Palma auszuleben.

Es ist denn auch vonnöten, talentierte „Street-Art”-Künstler zu fördern, aber hart gegen zerstörerische Schmierer vorzugehen, die keinerlei Unterstützung bedürfen. Die Politiker handeln zu zaghaft. Bis zu 700 Euro Strafe für diejenigen Schmierfinken, die erwischt werden, sind angesichts des Ernstes der Lage zu wenig. Auch über Haftstrafen für solche Täter zu reden, darf kein Tabu sein. Oder soll die geschichtlich so wertvolle Altstadt von Palma bald so unattraktiv werden, dass die Besucher nicht mehr herkommen wollen?

Autor: Ingo Thor

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08 2019

Das Verständnis hat seine Grenzen

Sind Sie schon einmal mit einem Uber gefahren? Nein? Sie sollten es einmal ausprobieren. Ich habe mit dem Fahrdienst bisher sehr gute Erfahrungen gemacht, egal ob in London, Sydney oder Santiago de Chile. Zwei Klicks per App genügen und wenige Minuten später fährt ein in der Regel schwarzer, sauberer und moderner Wagen vor. Manchmal stehen sogar Getränke bereit. Bezahlt wird automatisch über die hinterlegte Kreditkarte. Das System ist leicht bedienbar und transparent.

Dass es diesen Service auf Mallorca noch nicht gibt, hat einen Grund. Die Taxi-Lobby wehrt sich seit Jahren gegen diese privaten Fahrdienstleister – verständlicherweise. Denn Mallorcas Taxistas haben ihre Lizenzen teuer erstanden, manch einer bezahlt sie sein ganzes Berufsleben ab. Da will man sich lästige Konkurrenz (die solche teuren Lizenzen nicht kaufen muss) natürlich vom Hals halten. Man kann das verstehen, niemand möchte Angst um seinen Job und das Auskommen seiner Familie haben. Aber das Verständnis hat Grenzen. Denn wenn man selbst nicht mehr in der Lage ist, einen guten Service anzubieten, verwirkt man das Recht, sich gegen das Auftauchen von Konkurrenz zu stemmen.

Was in diesem Sommer auf der Insel passiert, ist fast schon skandalös. Ein Taxi zu bekommen, grenzt gerade am Wochenende an ein Wunder. Aussagen wie „Pünktlichkeit garantieren wir nicht”, eine Frechheit. Das muss sich ändern. Taxilobby und Verkehrsministerium müssen zum Wohl der Kunden sicherstellen, dass den Einwohnern Palmas genügend Fahrzeuge zur Verfügung stehen, denn schließlich geht es hier nicht nur um Betrunkene, die nachts schnell nach Hause wollen, sondern auch um alte Menschen, die zum Arzt fahren müssen oder Geschäftsleute, die Termine haben. Geschieht dies nicht, ist das Vertrauen der Menschen in die Taxi-Lobby bald vorbei. Ein Vertrauen, das wegen fragwürdiger Fahrweise einzelner Taxistas und wenig Transparenz beim Bezahlsystem ohnehin schon Risse hat. Dann könnte es schnell gehen, bis die schwarzen Uber-Limousinen sich auf der Insel breit machen. Für die Verbraucher zumindest wäre es ein Segen.

Autor: Patrick Czelinski

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08 2019

Im Alter: Das Vorbild Willi Hinter

Willi Hinter ist älter als ein Jahrhundert, an diesem Wochenende wird der rüstige Rentner seinen 101. Geburtstag feiern. Knapp ein halbes Jahr zuvor ließ er sich auf Mallorca nieder, zog ins Seniorenheim nach Santa Ponça. Hier kann er seinen Sohn häufiger sehen als in Deutschland. Denn dieser ist beruflich viel unterwegs, und auf Mallorca lässt sich die gemeinsame Freizeit besser genießen.

Die Eltern in Deutschland zu wissen, das ist eine Problematik, die nicht wenige deutsche Mallorca-Residenten umtreibt, insbesondere jene in mittleren Jahren, die sich dafür entschieden haben, ihren Lebensmittelpunkt auf der Insel zu haben. Sie gehen hier ihren Berufen nach, gründen Familien, ziehen Kinder groß, verbringen im Laufe der Zeit Jahre, Jahrezehnte auf dem Eiland.

Und dennoch sind sie nicht gänzlich losgelöst von der alten Heimat. MM kennt viele solcher Lebensläufe. Da gab es den Kollegen, der sich von Mallorca verabschiedete und nach Bayern zurückkehrte, um den kranken Vater zu pflegen.

Andere Kollegen flogen zeitweise ständig nach Deutschland, um bettlägerige Angehörige noch so oft wie möglich zu besuchen, bevor es für ein letztes Wiedersehen zu spät sein könnte. Den an sich selbst gerichteten Vorwurf – „Wäre ich doch nur noch einmal geflogen” – wollten sie sich nicht machen müssen. So wie jener Kollege, der zögerte, zu spät eintraf, und sich dann nur noch am Totenbett vom Vater verabschieden konnte.

Sicher sind Seniorenresidenzen auf Mallorca nicht für jeden Individualfall zu empfehlen. Da ist zum einen die Frage der Kosten. Zum anderen ist auch nicht jeder alt gewordene Mensch bereit, auf sein gewohntes Umfeld zu verzichten, fürchtet den Schritt nach Mallorca, insbesondere ohne Spanisch-Kenntnisse.

Das Beispiel Willi Hinter zeigt indes, dass ein Umzug nicht nur theoretisch möglich ist, sondern realisierbar, selbst wenn man schon 100 ist. Ein absoluter Einzelfall, zugegeben. Doch der Schritt macht Mut, weckt Zuversicht. Sogar bei jüngeren Menschen. Denn er beweist, dass man sehr alt werden und dennoch flexibel bleiben kann.

Autor: Alexander Sepasgosarian

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08

08 2019

Eine Lösung für Caló des Moro wird dringend gesucht

Mehr und mehr Urlauber, die nach Mallorca kommen, wollen nicht mehr einfach nur die Ferien in ihrer Hotelanlage verbringen. Gerade junge Touristen möchten das echte Leben der Insel entdecken, sie suchen nach Geheimtipps und buchen sich Ferienwohnungen in den ursprünglichen Vierteln Palmas. Onlineplattformen wie das Fotonetzwerk Insta-gram und die Ferienvermietungsplattform Airbnb liefern dazu die passende Unterstützung.

Wozu Empfehlungen bei Insta-gram führen können, lässt sich gut am Beispiel der Caló des Moro beobachten. Mehrere Tausend Fotos der Bucht stehen auf der Plattform online. Sie zeigen das türkisfarbene Wasser der idyllischen Bucht nahe Santanyí. Was die Aufnahmen allerdings nicht verdeutlichen, ist die Zahl der Besucher, die mittlerweile an die Bucht strömt. Auch ist nicht zu sehen, dass es keinen Sand mehr dort gibt und die Badegäste es sich auf den Felsen „bequem” machen müssen.

Badevergnügen im Paradies sieht wahrlich anders aus. Die Bucht hat sich vom Geheimtipp zum Besuchermagnet entwickelt. Auf der einen Seite kann man die Besucher verstehen, die eines der schönsten Fleckchen der Insel entdecken wollen. Auf der anderen Seite kann man angesichts der herausgeputzten Instagram-Pilger, die sich in der Sommerhitze den Weg zur Bucht hinabschieben, nur für einen Schnappschuss, den bereits Tausende vor ihnen schon gemacht haben, nur den Kopf schütteln.

Die Caló des Moro ist ein Beispiel, wie Mallorca sich auf die veränderten Bedingungen des Massentourismus einstellen muss. Fraglich ist bisher nur wie. Denn allein das Wort Zugangsbeschränkung löst bei vielen Urlaubern und Politikern schon Allergien aus. Doch über kurz oder lang wird die Zahl der Besucher in solchen begrenzten und sensiblen Naturräumen reguliert werden müssen. Ansonsten kommt es so weit wie in Thailand, wo der bekannte Strand aus dem Film „The Beach” gänzlich für Badegäste dicht gemacht wurde. Solch eine Lösung ist für Mallorcas Strände wahrlich nicht wünschenswert.

Autor: Claudia Schittelkopp

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08 2019