Archivo de Juni, 2019

Zweite Chance für Real Mallorca

Utz Claassen hatte einmal die Vision von einem Fußballclub auf Mallorca, der europaweit Fans anziehen und ganz nebenbei Image-Werbung für eine durchaus kosmopolitische Urlaubs- und Residenzial-Destination machen sollte. Internationale Unternehmer, die hier ein Zweitdomizil haben, wären als potenzielle Sponsoren und Nutzer der VIP-Lounge geradezu ideal. Aufgrund der Flugverbindungen könnten rund um den Sport vielleicht auch Incentives oder Produktpräsentationen stattfinden, glaubte Claassen.

Die Realität machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Statt Champions League folgte der Absturz in die Drittklassigkeit. Der manchmal etwas eckige Deutsche kam im Alleingang nicht gegen Misswirtschaft, Wurstigkeit und Kungelei an, wie sie für schlecht geführte Betriebe auf den Balearen nicht untypisch sind. Immerhin schaffte er es, ziemlich verlustfrei aus einem schwierigen Engagement auszusteigen und Real Mallorca en passant vor der Insolvenz zu retten. Im Nachhinein betrachtet sah der Manager bei seinem Inselabenteuer besser aus, als man es beim Karlsruher SC oder bei Hannover 96 je für möglich gehalten hätte. Er war es, der eine Gruppe um Andy Kohlberg (Tennis), US-Sportinvestor Robert Sarver und den Ex-Basketballer Steve Nash ins Boot holte, um den Verein wieder flottzumachen.

Aus den Fehlern früherer Zeiten gilt es nun zu lernen und professioneller zu werden. „Never change a winning team”, ist eine Sportweisheit, die auch im Leben zutrifft und die in Bezug auf Trainer Vicente Moreno und seinen Kader standhaft beherzigt worden ist. Man darf gespannt sein, ob das so bleibt, wenn an einem regnerischen Novembersonntag vor 6.500 Zuschauern nach einem 0:1 gegen Osasuna einmal der 19. Tabellenplatz herausspringen sollte.

Die Leute an der Spitze des Clubs scheinen im Gegensatz zum insulären Provinzgeist jedenfalls Format zu haben. Bleibt zu hoffen, dass ihnen der Spagat zwischen global und lokal nachhaltig gelingt. Auch wenn es nicht jedem gefallen mag, dass Fußballvereine heute weniger für Heimat und Identität stehen als für Kommerz pur.

Autor: Michael Maier

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06 2019

Den Umweltschutz fördern, aber bitte keine Verbote

Dass sich mit den Themen Klimawandel und Umweltschutz ordentlich punkten lässt, zeigt der Höhenflug der Grünen in Deutschland. Auf diesen Zug möchte nun auch Ryanair aufspringen. In einer Pressemitteilung rühmt sich die Billig-Airline damit, die geringsten Schadstoffausstoßwerte der europäischen Groß-Airlines zu haben. Das gilt aber nur, wenn man die Gesamt-Emissionen durch die Anzahl der Reisenden teilt und mit den geflogenen Kilometern verrechnet. Verstanden?

Nun, die Chefs des Low-Cost-Carriers (und die aller anderen Fluggesellschaften auch) können es drehen und wenden wie sie wollen: Umweltfreundliche Unternehmen sind Airlines nicht. Und solche Rechenspiele, wie sie von Ryanair betrieben werden, sagen nichts über die Zukunftsfähigkeit der Branche aus, sie dienen allenfalls zu Werbe- und Marketingzwecken – vielleicht auch zum Aufpolieren eines ramponierten Images.

Viel spannender ist die Frage, was sich ändern muss am Himmel, um den Sektor nachhaltiger zu machen. Hier stehen sich in einer hitzig geführten öffentlichen Debatte zwei Extreme gegenüber. Auf der einen Seite drohen Freunde radikaler Maßnahmen mit der Einführung einer Kerosinsteuer (also mit steigenden Preisen) und mit Verboten, beispielsweise von Kurzstreckenflügen. Auf der anderen Seite stehen jene, die Fliegen für ein Menschenrecht halten und selbst bei mehreren Wochenendtrips im Monat kein schlechtes Gewissen haben. Wie immer liegt die Wahrheit in der Mitte.

Ja, die Freiheit der Fortbewegung ist ein Grundrecht. Sie mit Verboten zu beschneiden, kann nicht die Lösung sein und wäre angesichts des eher geringen Beitrags der Luftfahrt zu den globalen Emissionen ein Kanonenschuss auf Spatzen. Vielmehr sollten Airlines und Flugzeugbauer weiter an nachhaltigen Brennstoffen und sparsameren Motoren arbeiten, mit dem Ziel, ganz ohne Kerosin unterwegs zu sein. Mit Regulierungen und finanziellen Anreizen kann das beschleunigt werden. Und die Auto-Industrie zeigt, dass der Umstieg gelingen kann. Das aber braucht Zeit – und einen kühlen Kopf in Zeiten hitziger Debatten.

Autor: Patrick Czelinski

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06 2019

Quo vadis, Playa de Palma?

Es ist die Frage aller Fragen, die sich viele selbst in Fieberträumen stellen dürften. Werden die nervigen Sauftouristen bald endlich deutlich weniger auf dieser unserer Insel? Abzusehen ist das nicht, auch wenn an der Playa de Palma eine gewisse Bewegung in die richtige Richtung auszumachen ist. Dieses Jahr ist dort immerhin fast mit Händen zu fühlen, dass es chilliger geworden ist.

Doch es ist kaum zu erwarten, dass sich die rülpsenden Zeitgenossen, die hier einfliegen, um auf den Putz zu hauen, ohne weiteres geschlagen geben. Zwar gibt es eine neue Verordnung, die das Trinken auf offener Straße untersagt, doch die feierwütigen Youngster dürften sich davon kaum beeindrucken lassen. Klar, diese in ihrem Heimatland mutmaßlich überwiegend braven Deutschen würden schnell wie geprügelte Hunde winseln, wenn von Polizeiseite noch mehr Druck gemacht werden würde. Aber dass die ungeliebten Gäste irgendwann mit Knüppeln und Handschellen en masse zur Raison gebracht werden, ist angesichts der zu erwartenden schlechten Presse mehr als unwahrscheinlich.

Und mal ehrlich: Ist es nicht nachvollziehbar, wenn in gleichfarbige T-Shirts gehüllte Milchköpfe aus allen möglichen Bundes-Käffern ein bisschen die Sau rauslassen wollen? Nach sieben Monaten Kälte und stocksteifem Malocherleben im Grau in Grau des deutschen Alltags kann man fast Mitleid mit diesen Leuten empfinden.

Doch sie sorgen halt dafür, dass Mallorca ein gewisses ungutes Image nicht los wird. Aber oho, es tut sich halt etwas: Nicht mit Gewalt, sondern mit dem charmanten Würgegriff des Ibiza-Chills und des Luxus ist es gelungen, die Trunken- und Partybolde zumindest etwas zu verwirren. Angesichts der von Hoteliers und dem Unternehmerverband Palma Beach initiierten Entwicklung bei parallel stärkerer Kontrolle verwundert es nicht, wenn in sozialen Medien Orte wie der Goldstrand in Bulgarien als besser geeignet für alkoholselige Urlauber genannt werden. Aber ach, die Schlacht ist noch lange nicht geschlagen.

Autor: Ingo Thor

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06 2019

Eine Verordnung für oder gegen den Ramsch?

Die erste Reise nach Spanien, 1973, nicht per Flugzeug, sondern mit dem Auto. Als Achtjähriger, der ich damals war, brannten sich mir die fremdartigen Eindrücke tief ins Gedächtnis ein. Die Flamenco-Bar in Cordoba, die Alhambra-Gärten in Granada, die kalte Tomatensuppe in Sevilla … Unweit von Algeciras dann das: Ein extrem schwarzhäutiger Mensch, über und über behangen mit Ketten und Armreifen. „Was du zahlen?”, fragte er meine Mutter auf Deutsch, während er vor ihr mit seiner Ware herumhantierte. Tatsächlich kaufte meine Mutter eine Kette aus hellen Holzperlen und durchbohrten dunklen Baumsamen, wie wir sie noch nie gesehen hatten. Die Exotik der Urwald-Kette löste den Kaufimpuls aus.

Soll heißen: Reichlich polyglotte und ambulante Straßenhändler aus Afrika gibt es in den spanischen Touristenorten seit nahezu einem halben Jahrhundert, auch wenn es früher längst nicht so viele waren wie heute. Aber die Zahl der Weltbevölkerung hat ja ebenfalls stark zugenommen. Heute sind die unzähligen Straßenhändler an der Playa de Palma ein bekanntes Bild. Doch statt handgefertigtem Geschmeide halten sie oft Plastikramsch und Billig-Imitate von Markenprodukten feil.

Klar ist ihr Treiben vielen ein Dorn im Auge. Den Urlaubern etwa, die immer wieder angesprochen werden. Den Ladenbesitzern, die gerne ihre eigene Ware losschlagen möchten und sich über den illegalen, da unbesteuerten Wettbewerb ärgern.

Immer wieder versprach die Politik, den ambulanten Handel einzudämmen, zu beseitigen. Ohne Erfolg. Weil das Vorgehen gegen die Straßenhändler eben auch eine soziale Frage ist.

Jetzt kamen die Behörden auf die Idee, eigens die Kunden der Händler mit Bußgeldern zu belegen. So ähnlich wie beim Straßenstrich: Nicht mehr die Prostituierte soll für verbotenen Sex in der Öffentlichkeit belangt werden, sondern ihr Freier.

Möglich, dass sich dadurch bald vieles ändert. Aber von den Urlaubern Geldbußen zu fordern, ohne sie im Vorfeld ausreichend über die neue Maßnahme zu informieren, ist alles andere als ein „guter Deal”.

Autor: Alexander Sepasgosarian

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06 2019