Archivo de April, 2019

Der Wahlkampf der „zwei Spanien” überschattet die Ostertage

Eine Karikatur in der spanischen MM-Schwesterzeitung „Ultima Hora” brachte es jüngst auf den Punkt: Sie zeigte Jesus Christus, wie er sich auf dem Passionsweg mit seiner Last abplagt. Doch statt des Kreuzes hatten ihm die Zeichner eine riesige Wahlurne aufgebürdet.

In Spanien ist es ein Kreuz mit dem Kreuzchen auf dem Wahlzettel. Sowohl auf dem Festland als auch auf den Balearen hat sich das Parteienspektrum in diverse Formationen aufgefächert, das Aufkommen neuer Bewegungen erschwert die Regierbarkeit des Königreichs – das Minderheiten gerne in eine Republik umwandeln möchten – seit wenigen Jahren zusehends.

Es sind ebenso spannende wie angespannte Zeiten, der Wahlkampf überschattet auch die anstehenden Osterfeiertage. Politisch wirkt Spanien so geteilt wie in vergangenen, unrühmlichen Zeiten. Die „zwei Spanien”, die schon der Dichter Antonio Machado in seinem epochalen Gedicht voller Verzweiflung beschrieb, stehen sich einmal mehr als zwei Lager gegenüber – ungeachtet der Zersplitterung der Parteistrukturen im Links- beziehungsweise im Rechtsblock. Und mit jedem verbalen Schlagabtausch scheint sich die Kluft weiter zu vertiefen.

Das Aufmarschieren der jüngeren Protestparteien an den Rändern des Parteienspektrums hat auch damit zu tun, dass die bisherigen Volksparteien zu keiner Zeit gewillt waren, zum Wohle des Gemeinwesens in einer gemäßigten Mitte zusammenzufinden. Konservative und Sozialisten lösten einander stets im Zickzackkurs ab. Was eine Seite vorbaute, baute die andere wieder zurück und umkehrt. Auch jetzt, wo die alten Volksparteien an ihren Außenrändern ausfransen, scheinen Bündnisse in Form von „großer Koalition”, wie es sie teilweise in Europa gibt, in Spanien nach wie vor undenkbar zu sein.

Doch abseits aller Politik geht das reale Leben seinen Gang. Palma ist in diesen Tagen voller Urlauber und Residenten, alle freuen sich auf ein paar unbeschwerte Inseltage. Es sei allen vergönnt – hoffentlich ohne Airportstreiks, Regen und andere Ärgernisse. In diesem Sinne: Frohe Ostern!

Autor: Alexander Sepasgosarian

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04 2019

Der zwischen den Welten wandelt

Wohl jeder Mallorca-Urlauber, der in den vergangenen Jahren in Cala Rajada war, hat schon einmal ein Werk von Gustavo gesehen. Genauer gesagt zwei. Denn die beiden riesigen Wandbilder an der Hafenmauer fallen nun einmal ins Auge. Zurzeit stehen auch noch etliche Gustavo-Skulpturen auf dem Hafenboulevard.

Während diese im Herbst wieder abgebaut werden, hat sich der Künstler, der an diesem Donnerstag, 11. April, seinen 80. Geburtstag feiert, mit den Wandkeramiken schon sein Denkmal gesetzt. Es ist bereits das zweite. Das erste befindet sich in Berlin, wo Gustavo ab 1976 knapp zwei Jahrzehnte zu Hause war. Und wo sein Herz immer noch zum Teil wohnt. Touristen und Einheimische in der deutschen Hauptstadt kennen das Gustavo-Haus im Bezirk Lichtenberg. Dabei handelt es sich um ein saniertes Platten-Hochhaus, an dem seit 1999 riesige Figuren des Spaniers zu sehen sind. Berlin vergisst Gustavo nicht und Gustavo vergisst Berlin nicht. Wann immer es ihm seine Zeit erlaubt, informiert er sich mit der „Abendschau” über die Geschehnisse an der Spree.

Gustavo bereichert Mallorca. Nicht nur mit seiner Kunst, dieser unverwechselbaren Bildsprache, sondern auch als Mensch, der stets bescheiden daherkommt und sich auch im gesetzteren Alter eine gewisse Portion Neugierde erhalten hat. Er ist einer, der zwischen den Welten wandelt. Einerseits der Mallorquiner, der er zwar nicht von Geburt an war, zu dem er aber später wurde. Aber auch ein wenig deutsch. Weil er so lange in Berlin lebte und eine deutsche Frau hat, weiß er, wie die Alemanes ticken. Zudem kommt ein ganz großer Teil der Kunstliebhaber, die seine Werke schätzen und sie erwerben, aus Deutschland.

Zu den zwei Denkmälern soll sich noch ein drittes gesellen, wenn es nach dem Geburtstagskind geht: ein eigenes Gustavo-Museum auf Mallorca. Das schafft er nicht alleine. Die öffentliche Hand muss mitmischen, das Geld wäre gut angelegt. Vielleicht ergibt sich ja auch hier ein deutsch-mallorquinischer Schulterschluss wie schon bei der Finanzierung der Wandbilder im Hafen.

Gustavo bleibt zu wünschen: „Molts d’anys!”, wie man hier sagt – „Viele Jahre!”

Autor: Nils Müller

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04 2019

Neue Modelle für das Alter müssen her

Es gibt die sprichwörtliche Residenten-Leber. Sie entsteht durch erhöhten Alkoholkonsum über längere Zeit. Nicht selten ist Einsamkeit ein Grund, um zum Glas zu greifen. Denn Mallorca ist auf der einen Seite Sehnsuchtsort: Sonne, Strand, die abgeschiedene Finca auf dem Lande, hier ein leckeres Essen, dort ein teures Gläschen. Doch für junge und ältere Auswanderer kann Mallorca auf der anderen Seite auch Ort der Schwermut werden. Wenn der Winter sich über die Insel legt, kein Besuch auf die einsame Finca kommt. Mangelnde Sprachkenntnisse sowie wenig Kontakt zu Nachbarn und Dorfgemeinschaft tun das Ihre zum Alleinsein dazu. Einsamkeit ist auch eine Frage der Integration.

Die mallorquinische Gesellschaft ist nach wie vor von ihren familiären Strukturen geprägt. Die Großeltern kümmern sich um die Enkel, die Kinder um ihre Eltern. Einsam sind hier die Menschen seltener als in der Heimat. Familienstrukturen sind auch nötig, weil das soziale Netz grobmaschiger als in Deutschland ist.

Die günstigen Plätze in den kommunalen Altersheimen auf Mallorca sind rar, das Angebot der Pflegedienste ist begrenzt. Gerade im Alter gehen das Alleinsein und Pflegebedürftigkeit Hand in Hand. Residenten auf Mallorca werden nun selbst tätig, um dem Gespenst der Einsamkeit zu begegnen. Neue Modelle müssen her. Mallorca-Liebhaber denken über eine Senioren-WG nach. Die Stiftung Herztat hilft über ein Patenprogramm Alleinstehenden.

Solche Angebote sind ein Anfang, allerdings keine Alternative zu einer wohlüberlegten Auswanderung. Mag es zunächst romantisch klingen, den Lebensabend auf der einsamen Finca zu verbringen. Doch ohne Kenntnisse der mallorquinischen oder gar spanischen Sprache kann das Rentenalter schnell einsam werden. Wer Hilfe oder Begleitung benötigt, braucht sich nicht zu scheuen, Nachbarn oder Bekannte danach zu fragen. Denn häufig reagieren die Mallorquiner sehr offen und reichen eine helfende Hand – und sei es auch vielleicht nur, um mal die Einkaufstasche zu tragen.

Autorin: Claudia Schittelkopp

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04 2019