Archivo de Februar, 2019

Der Wandel mit den winzigen Schritten

Früher hatte an der Playa de Palma nahezu jedes Hotel im Winter geöffnet. Das ist aber schon Jahrzehnte her. Damals war es für deutsche Langzeit-Urlauber billiger, die kalten Wochen und Monate auf Mallorca zu verbringen, als in Deutschland den Heizöltank auffüllen zu lassen. Dass die Hotels damals keine Heizungen hatten, das war den abgehärteten Rentnern, die als junge Menschen die Kriegs- und Nachkriegswinter überstanden hatten, ziemlich egal.

Dann kamen neue Destinationen wie die Kanaren und die Karibik hinzu, der Fortschritt in Spanien und der spätere Euro verteuerten ihrerseits die Urlaube auf Mallorca. Immer mehr Hotels schlossen im Winter ganz, so dass vor etwa zehn Jahren und im Zuge der Wirtschaftskrise vieles dicht war. Tote Hose. Alle waren sich einig: Das kann so nicht weitergehen.

Dann, vor etwa fünf Jahren, wurden die ersten – zum Teil angejahrten – Hotels für viele Millionen Euro modernisiert, teils sogar ausgebaut oder aufgestockt. Selbst Neubauten im Fünf-Sterne-Bereich wuchsen aus dem sandigen Boden empor.

Das trägt heute Früchte: Nicht wenige dieser aufgehübschten Übernachtungsunternehmen halten im Winter ihren Betrieb aufrecht und begrüßen Gäste – auch wenn es ihrer längst nicht so viele sind wie im Sommer. Dieser Wandel ist positiv für die Strandmeile, auch wenn weiterhin viele Gastronomen und Einzelhändler es vorziehen, im Winter zu pausieren.

Was an der Playa de Palma hingegen nicht positiv ist, fällt bei jedem Schritt und Tritt ins Auge: Der Straßenbelag ist erschütternd, manche Häuserfassaden mit ihren heruntergekommenen Wohnungen und Läden samt der verlotterten Billig-Deko lassen Dritte-Welt-Assoziationen aufsteigen. Das zeigt: Der Lokalpolitik hat es sichtlich am Gestaltungswillen und an Investitionen gefehlt. Auch viele Probleme im Bereich der Kleinkriminalität sind ungelöst. Der Wandel an der Playa de Palma, er kommt bei Weitem nicht so voran, wie man es der Tourismusmeile wünschen würde. Und dennoch: Allen Schattenseiten zum Trotz ist ein Spaziergang auf der Meerespromenade bei Sonnenschein gerade im Winter ein grandioses Erlebnis.

Autor: Alexander Sepasgosarian

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02 2019

Wir bezahlen den Preis fürs billige Fliegen

Keine Bruchlandung, ein Absturz! Nach dem Air-Berlin-Aus vor zwei Jahren hat es mit Germania nun wieder eine deutsche Fluggesellschaft erwischt, der grün-weiße Ferienflieger musste Insolvenz anmelden. Viele Mallorca-Urlaubern und Residenten werden Germania in guter Erinnerung behalten, galt die Airline doch lange als eine der letzten Fluggesellschaften, bei denen es noch „Service“ gab. Der Koffer flog gratis mit und auch der Snack war reichhaltiger als bei der Billig-Konkurrenz. Letztendlich aber zeigt die Pleite, dass es darauf heutzutage nicht mehr ankommt. Die Diskussionen um die Qualität des Brötchens und die Maße des Handgepäcks haben in den vergangenen Jahren vielleicht den Blick auf das Wesentliche versperrt, nämlich darauf, dass am Himmel ein erbitterter Preiskampf tobt. 

Die Airlines sind am Limit und fliegen bildlich nur knapp über dem Boden. Ein steigender Kerosinpreis und Entschädigungen wegen ausgefallener oder verspäteter Flüge im vergangenen Sommer gepaart mit hohen Wartungskosten können da die „kleineren Fische“ wie Germania finanziell schnell aus der Bahn werfen. Die Leidtragenden sind am Ende nicht die Manager, sondern das fliegende Personal. Angaben der Vereinigung Cockpit zufolge müssen sich jetzt mindestens 400 Piloten und eine deutlich höhere Zahl von Flugebgleitern nun um einen neuen Job bemühen. Nicht zu vergessen sind natürlich auch die Kunden, von denen zumindest jene, die ihre Flüge direkt bei der Airline gebucht haben, auf den Kosten sitzen bleiben werden. Es ist fast schon skandalös, dass es bis heute keinen besseren Verbraucherschutz im Falle insolventer Airlines gibt. Letztendlich bezahlen wir alle den Preis für den Billig-Wahn in der Luftfahrtbranche. 

Die (kleinen) Lücken, die Germania an großen Airports wie Düsseldorf, München oder Frankfurt hinterlässt, werden die Big Player schnell füllen. Die großen Löcher, die jetzt an kleinen Regionalflughäfen wie Erfurt oder Friedrichshafen klaffen möglicherweise nicht. Es ist wie in vielen Branchen, es geht halt doch nur um’s Geld.

Autor: Patrick Czelinski

07

02 2019