Archivo de Januar, 2019

Auf die Umsetzung kommt es an

Mallorca ist an vielen Stellen geschützt. Zu Recht. Die Insel ist in ihrer Vielfalt einzigartig. Liebhaber des Eilands werden nicht müde, das Loblied auf die landschaftliche Vielfalt zu singen.

Wer die Insel zu schätzen weiß, der wird im Thema der Woche mit besonderem Interesse lesen, dass fast ein Viertel der Landesfläche der Balearen unter Naturschutz steht. Damit ist der Archipel in Spanien ein Vorreiter, wie er es bereits in den 1970er Jahren war, als die ersten Kläranlagen des Landes errichtet wurden.

Neben der Landschaft sind auf Mallorca und den Schwesterinseln weitaus mehr Natur- und Kulturgüter geschützt, seien es einzelne Vogelarten, das Poseidongras im Meer, der Ferreret-Frosch in der Tramuntana, der weihnachtliche Gesang der Sibil·la, die gotische Kathedrale, die Jugendstil-Fassade des Stadthauses, der Schornstein der Fabrik aus Mallorcas längst versunkenem Industrie-Zeitalter.

Der Schutz der immensen Vielfalt all dieser Dinge ist aus vielerlei Gründen wichtig, denn er bewahrt gerade jene Charakteristiken, die Mallorca prägen und liebenswert machen. Maßnahmen und Bemühungen in dieser Richtung zahlen sich aus, denn als ein schönes, intaktes, nachhaltiges, sauberes, ökologisches wie kulturell reichhaltiges Mallorca wird der Insel langfristig ein Image-Gewinn zuwachsen, der anderswo schwerlich auf so engem Raum zu finden sein wird. Wichtig ist, dass die existierenden Schutzvorgaben nicht einzig auf dem Papier stehen, sondern vom Gesetzgeber eingehalten und umgesetzt werden, bei ausreichend Finanzmitteln und Personal. 

Allerdings darf der Weg zu noch mehr Umwelt- und Klimaschutz nicht blindlings beschritten werden. Es ist unabdingbar, das ökologische und das ökonomische Agieren harmonisch zu vereinen. Grüne Seegraswiesen alleine taugen nichts, wenn das keine Arbeitsplätze schafft. Ebenso dürfte ein abgestorbenes Meer seinerseits auch für Arbeitsplätze toxisch sein. Es kommt also auf bestes Austarieren an. Das ist eine herausfordernde Aufgabe für eine Gesellschaft. Und eine ebenso spannende.

Autor: Alexander Sepasgosarian

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01 2019

Wer Mieter in Spanien ist, hat weiter schlechte Karten

Spanien ist anders als Deutschland bekanntlich kein Land der Mieter. Wer hier in einer Wohnung lebt, ist in der Regel das ganze Leben dabei, diese im Schweiße seines Angesichts abzubezahlen, wenn es ihm denn überhaupt je gelingt. Dass jetzt die sozialistische Zentralregierung in Madrid an der früher kaum beachteten Mieterfront überhaupt aktiv wird, liegt sicher daran, dass es diese Menschen derzeit sehr schwer haben. Die Mieten steigen nach dem Ende der bleiernen Wirtschaftskrise seit Jahren rasant an im Staate Spanien, und erst recht ist das auf Mallorca der Fall. Jetzt dürfen also Vermieter nicht mehr unbeschränkt hohe Kautionen verlangen. Bravo! Und die Verträge – sie sind hier grundsätzlich befristet – haben wieder eine Mindestlaufzeit von fünf Jahren. Auch das ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Doch all das täuscht über die Tatsache weg, dass man in Spanien als Mieter den Vermietern gnadenlos ausgeliefert ist, zumal die nun beschlossene Gesetzesänderung keine Mietpreisbremse vorsieht. Wenn etwa ein Wasserhahn defekt ist oder die Fenster undichter werden, kommt es durchaus vor, dass Immobilienbesitzer einem ins Ohr flöten, dass man das doch bitteschön selber bezahlen müsse oder – wenn einem das nicht passe – gleich die Wohnung verlassen solle. Die weiterhin mieterunfreundliche Rechtslage und die starke Nachfragen nach solchen Wohnungen lassen deren Besitzer zunehmend überheblich werden. Sicher: Einige Intelligentere unter ihnen wissen, dass nach für sie guten Zeiten schnell auch wieder schlechtere Zeiten kommen können. Sie verhalten sich also weiter anständig, so schwer es manch einem von ihnen zuweilen auch fällt.

Das Thema Mieten zeigt, genauso wie beispielsweise auch die popelige Arbeitslosenunterstützung, dass Spanien halt – vom gut funktionierenden Gesundheitswesen mal abgesehen – alles andere als ein stringent durchstrukturierter Sozialstaat ist. Es bleibt also noch allerhand zu tun, um an mittel- oder nordeuropäische Zustände auch nur entfernt heranzukommen.

Autor: Ingo Thor

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01 2019

Ganz schön teuer hier

Als Gentrifizierung bezeichnet man den sozioökonomischen Strukturwandel großstädtischer Viertel durch eine Attraktivitätssteigerung zugunsten zahlungskräftigerer Eigentümer und Mieter und deren anschließenden Zuzug. Damit verbunden ist oft der Austausch ganzer Bevölkerungsgruppen. Besser kann man die Entwicklung von Santa Catalina nicht beschreiben.

Sicher, der Wandel hat dem einst armen Fischerviertel, das auch für den Drogenhandel bekannt war, grundsätzlich gutgetan. In dem Barrio hat sich eine lebhafte Bar-, Café- und Gastroszene angesiedelt, die (vergleichsweise teure) Markthalle ist zum Hotspot für Gourmets und Schaumweinfreunde geworden, von der Verbesserung der Bausubstanz und den unzähligen Renovierungen gar nicht erst zu sprechen. Gleichzeitig aber hat die Aufwertung des Quartiers einen Segregationsprozess in Gang gesetzt, der ihm nach und nach seinen Charme von einst zu nehmen droht. Die Zeiten, in denen Einheimische und Zugewanderte Tür an Tür lebten und Eck-Kneipe und Schlemmertempel in friedlicher Koexistenz hungrige Mäuler stopften, sind vorbei. Santa Catalina ist heute vor allem eines: teuer! Die Mieten sind für Einheimische ebenso wie für Zugezogene mit „normalem” Einkommen kaum noch bezahlbar, von den Kaufpreisen ganz abgesehen. Die Preissteigerungen sind dabei nicht auf den Zuzug alleine zurückzuführen, auch die Immobilienspekulation hat zu einer extremen Teuerung geführt, und dabei sind zahlreiche Häuser und Wohnungen in der Hand ausländischer Besitzer nur wenige Wochen im Jahr bewohnt – es ist verständlich, dass das viele mallorquinische Einwohner wütend macht, die abwandern mussten und müssen. Wütend machen übrigens auch die Unsummen, die man mittlerweile in manch einem Lokal für einen Teller Nudeln, ein Stück Fleisch oder ein paar „Tapas” hinlegen muss. Ja, das sind die Gesetze der freien Marktwirtschaft – dem Viertel aber wird diese Situation auf Dauer nicht guttun. Denn so wird irgendwann selbst die zahlungskräftigste Klientel abwandern und sich neue, hippe Barrios suchen. Die Frage wird dann sein, was vom In-Viertel übrig bleibt.

Autor: Patrick Czelinski

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01 2019