Archivo de November, 2013

Mallorcas Umweltschützer halten sich vom Parteiengezänk fern

Politiker genießen in vielen Ländern nicht gerade besonders hohes Ansehen. In Deutschland etwa schneidet die Berufsgruppe bei Meinungsumfragen seit Jahren ziemlich schlecht ab. Auch der Ruf der spanischen Politiker ist nach unzähligen Korruptionsskandalen weitgehend ruiniert. Dass sich Nichtregierungsorganisationen vom Parteiengezänk möglichst fernhalten wollen, ist also kein Wunder. Der GOB zum Beispiel, der in diesen Tagen seinen 40. Geburtstag feiert, achtet penibel darauf, sich von keiner Partei vor den Karren spannen zu lassen. Mit Erfolg. Es gibt nur wenige andere Organisationen auf Mallorca, die flächendeckend respektiert werden wie der GOB.

Ohne Teilnahme am politischen Betrieb können Mallorcas Umweltschützer ihren Idealen treu bleiben und Klartext reden, müssen keine Kompromisse eingehen und keine Rücksicht nehmen. Auch Versuche, führende Mitglieder in Skandale zu verwickeln, schlugen bislang immer fehl. Auf diese Weise hat der GOB über 40 Jahre seine Glaubwürdigkeit bewahrt. Nur so war es dem einst von Vogelkundlern gegründeten Verein möglich, Umweltthemen den hohen Stellenwert zu verschaffen, den sie heute auf der Insel haben. Wie man den Forderungen der Umweltschützer auch gegenüberstehen mag – niemand hat für den Erhalt des ursprünglichen Mallorca mehr geleistet als der GOB.

Die Stärke der mallorquinischen Umweltschutzbewegung ist jedoch zugleich auch ihre größte Schwäche. Denn in Mallorcas Parteienlandschaft finden die Themen des GOB längst nicht den Niederschlag, der ihnen eigentlich gebührt. Zwar kommt heute keine Partei auf der Insel mehr daran vorbei, Umweltthemen in ihrem Grundsatzprogramm aufzugreifen. Mallorcas Grüne aber kommen über den Status einer Splitterpartei nicht hinaus. So sinnvoll der Einsatz des GOB auch ist, so groß seine Verdienste auch sein mögen – die wirklich wichtigen Entscheidungen fallen eben doch noch immer im Balearen-Parlament.

Autor: Jonas Martiny

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11 2013

Roulette an der Playa – Warum nicht?

Las Vegas, Monte Carlo oder Baden-Baden: Das klingt nach edler Glitzerrobe, noblen Karossen, Filmkulisse für Agentenfilme und den großen Nervenkitzel. Wie bekannt wären diese Orte wohl ohne ihre Kasinos? Stilvoll betriebenes Glücksspiel kann ein Anziehungspunkt für Touristen sein und auch für die einheimische Bevölkerung ein Treffpunkt für einen besonderen Abend. Nicht zu vergessen ist die wachsende Zahl der Anhänger des Pokerspiels, die für ihre Turniere rund um die Welt reisen.

Das Kasino der Stadt Palma hat sich in den knapp zwei Jahren seiner Existenz bislang nicht wirklich als Werbeträger etablieren können. Vermutlich wissen viele nicht einmal, dass es in der Balearenhauptstadt überhaupt eins gibt. Eingebettet in den alten Kinosaal eines Einkaufszentrums am Stadtrand versprüht es einen eher zurückhaltenden Glamour, um es mal vorsichtig auszudrücken. Dass die Stadt nun die Lizenz für ein zweites Kasino vergeben will, klingt logisch. Nicht zu verstehen ist, warum der Favorit auf den Zuschlag eine alte Bingo-Halle in der Nähe des Hinterausgangs einer Markthalle und in Rufweite eines stadtbekannten Straßenstrichs ist. Wer soll denn dort hingehen? Leute mit Lust auf einen stilvollen Abend gewiss nicht. Darüber hinaus wird ein Kasino an diesem Standort direkt Kundschaft vom etwa drei Kilometer Luftlinie entfernten bestehenden Kasino abziehen.

Was spricht also gegen die konkurrierende Option, ein Kasino an der Playa de Palma: Wollte die Stadt dort nicht ohnehin mit einer Verschönerungskur beginnen? Ein Fünf -Sterne-Hotel mitsamt einem edlen Kasino wäre mal ein Anfang, ganz abgesehen vom Investitionsvolumen privater Investoren in Höhe von 100 Millionen Euro. Schließlich sind die dahinterstehenden Firmen keine Windeier, sondern mit Nervión und Hipotels zwei etablierte Unternehmen in ihren Branchen. Und keine Angst vor Störungen durch die klassischen Playa-Besucher: Die „Schinkenstraßen-Fraktion“ reagiert erfahrungsgemäß allergisch auf hohe Getränkepreise und strenge Kleiderordnung. Letztere wäre daher unbedingt zu empfehlen.

Autor: Thomas Zapp

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11 2013

Der ewige Spagat; was ist wichtiger: Umwelt oder Wirtschaft?

Dass Mallorcas Natur ein unbedingt schützenswertes Gut ist, das sehen mittlerweile selbst Bauunternehmer, Hoteliers und PP-Politiker so, nachdem auf der Insel jahrzehntelang weitgehend ohne Sinn und Verstand ganze Landstriche zubetoniert wurden. Es ist heute allgemein akzeptierter Konsens, dass Mallorcas Schönheit nicht zerstört werden darf. Denn davon lebt diese Insel nun einmal, die Jahr für Jahr fast zehn Millionen Touristen anlockt. Auf der anderen Seite braucht die Insel Investitionen. Die Touristenzonen müssen modernisiert werden, die Infrastruktur muss auf dem neuesten Stand sein, neue Attraktionen müssen her. Denn dass Mallorca im internationalen Wettbewerb den Anschluss verliert, kann auf der Insel auch niemand wollen.

Es ist ein fortwährender Spagat zwischen ökologischer Zurückhaltung und wirtschaftlicher Notwendigkeit, den die Entscheidungsträger auf der Insel vollführen müssen. Deshalb ist es von großer Bedeutung, die wirklich wichtigen Dinge nicht aus dem Blick zu verlieren. Im Fall des nun geplanten Ausbaus des Hafens von El Molinar stellt sich etwa die Frage, ob Mallorca tatsächlich 200 weitere Bootsliegeplätze braucht, wo es doch aktuell schon fast 20.000 gibt. Bereits jetzt herrscht an Sommertagen vor Mallorcas Küste ein solcher Verkehr, dass man sich bange fragt, wie lange die Umwelt das noch ertragen kann. Dazu kommt, dass der Nautiktourismus ein ausgesprochener Sommertourismus ist. Yachtbesitzer kommen nur, wenn es schön warm ist. Einen Beitrag zur Stärkung der Nebensaison leistet diese Art Tourismus nicht.

Genau das aber sollte das alles entscheidende Kriterium sein, wenn es darum geht, über die Sinnhaftigkeit eines touristischen Projektes zu befinden. Die Insel braucht ganz gewiss kein Wachstum mehr in den warmen Monaten. Von Mai bis Oktober ist Mallorca ohnehin praktisch ausgebucht. Unberührte Natur sollte auf Mallorca grundsätzlich nur noch dann geopfert werden, wenn zu erwarten ist, dass Urlauber in der Nebensaison angelockt werden. Das wäre ein verantwortungsvoller Umgang mit den Ressourcen.

Autor: Jonas Martiny

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11 2013

Ein Leben ohne Plastiktüte

Immer freitags ist in Can Picafort Markt – fast direkt am Meer. Wenn die Marktleute die Stände dann abbauen, bleibt ein weiteres Meer zurück: das der Plastiktüten. Die Stadtreinigung nimmt sich des Abfalls an, aber manchmal ist der Wind auch schneller: Massenhaft landen die Tüten dann in der Landschaft – oder gleich im Meer. Es ist zum Heulen.

Der Markt von Can Picafort ist nur ein Beispiel, wir könnten in jedem Inselort ein ähnliches finden. Plastiktüten gehören in Spanien noch immer zum Einkaufsalltag dazu. In der Apotheke sind die Pillen schneller in der Tüte, als man „no importa“ (nicht notwendig) sagen kann, und im Supermarkt liegen die Dinger ohnehin parat. Vielleicht nicht mehr an jeder Kasse, aber sicher in jeder Obstabteilung. Und wie wir jetzt wissen, sind die dünnen Tüten die schlimmsten.

Die EU-Kommission will den Plastikwahn jetzt in den Griff bekommen. Das wird auch Zeit. Ohne Gebühren und Verbote geht es nun mal nicht. Solange die Plastiktüten überall griffbereit liegen, nehmen wir sie auch. Geben wir’s doch zu: In solchen Situationen siegt die Bequemlichkeit über das Umweltgewissen nicht nur bei unverbesserlichen Umweltschweinen.

Wir auf Mallorca erleben die Auswirkungen der Tütenorgie hautnah. Etwa dann, wenn das wütende Meer die schier unverwüstlichen Dinger wieder ausspuckt und die Strände mit Plastikmüll übersät sind. Das ist auf einer Urlaubsinsel schlecht fürs Geschäft. Die restlichen Tüten im Meer werden nach und nach in kleinste Teile zerlegt und geraten in die Nahrungskette. Das ist dann ein Umwelt-Desaster.

Spanien hat also besonders viele Gründe, die Forderungen der EU-Kommission rasch umzusetzen. Hoffentlich lässt sich die Regierung Rajoy nicht zu viel Zeit dafür. (Warum eigentlich war es den EU-Mitgliedsländern bislang verboten, Plastiktüten zu verbieten?) Das Schönste daran: Niemand muss befürchten, dass seine Lebensqualität negativ beeinflusst wird. Finnen und Dänen zeigen, dass man auch ohne Plastiktüten leben kann.

Autor: Bernd Jogalla

07

11 2013