Archivo de Oktober, 2013

Gegen den Winter auf Mallorca scheint kein Kraut gewachsen

Mallorca ist eine Sonneninsel, aber eben nur im Sommer. Im Winter läuft in Sachen Tourismus so gut wie nichts. Nach einem Rekordsommer steht dem Eiland allen Prognosen zufolge eine frostige Depression ins Haus. Sie soll noch verheerender ausfallen als im Vorjahr. Das heißt, noch mehr geschlossene Hotels, noch weniger Flugverbindungen, vermutlich noch mehr geschlossene Läden und Lokale, und wohl auch noch mehr Arbeitslose?!

Eiszeit.

Die Verantwortlichen im Tourismusbereich – Unternehmer, Gewerkschaften, Politiker – haben es nicht geschafft, die saisonale Abhängigkeit von den Sommermonaten zu verringern. Mallorca als Ganzjahresziel mit ausgewogene(re)n Tourismusströmen? Was die Kanaren vormachen, das bekommen die Balearen nicht hin. Liegt es nur an der Sonne, die über dem entfernten Atlantik das ganze Jahr über lächelt? Oder läuft hier, auf Mallorca, Menorca, Ibiza, zu viel falsch?

Möglich, dass alles auf den Prüfstand gehört. Die bisherige Praxis der „Fijos discontinuos“, der festangestellten Saisonkräfte, sechs Monate beschäftigt, sechs Monate arbeitslos, wirkt antiquiert. Es hat keinen Sinn, mit staatlichen Mitteln Arbeitslosigkeit zu finanzieren anstelle von Beschäftigung. Die Politik sollte jene Unternehmer fördern, die ihre Betriebe im Winter geöffnet halten. Das könnten Steuererleichterungen sein oder Abschläge bei der Sozialversicherung. Ist es nicht besser, die Gesellschaft bezahlt dem Kellner, dem Koch, dem Zimmermädchen ein Gehalt – statt Arbeitslosengeld?

Ansätze dieser Art hat es in Madrid bereits gegeben, aber der große Wurf ist der Politik nicht gelungen. Stattdessen stehen die Inseln im Verhältnis finanziell schlechter da als die meisten anderen Regionen in Spanien.

Anders als früher können sich die Parteien noch nicht einmal gegenseitig die Schuld in die Schuhe schieben, denn Palma und Madrid werden von ein und derselben Couleur regiert. Was bringt’s? Nichts.

Und das Desaster mit dem Kongresspalast? Wer will darüber noch ein Wort verlieren? Es ist zum …

Autor: Alexander Sepasgosarian

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10 2013

Politik deutscher Schulgründungen im Ausland neu überdenken

Die Geschichte deutscher Schulgründungen auf Mallorca reicht bis ins Jahr 1912 zurück. Ein spanischer Marineoffizier und bekennender Verehrer des deutschen Kaiserreichs rief im Sant-Francesc-Kloster in Palmas Altstadt die „Escuela Católica Alemana de Palma“ ins Leben.

Das Ende des Kaiserreichs bereitete der Schule den Garaus, es folgten aber weitere Initiativen: In den 20er Jahren, 1972 (deutscher Schulverein), 1989 in Binissalem, 1997 die Academía Alemana, später Deutsche Schule Südwest und Viva oder 2002 die bis heute bestehende „Euocampus-Schule“.

Nie hat jedoch die Bundesregierung eine deutsche Schule auf Mallorca offiziell anerkannt. Die wurden in Barcelona, Valencia oder auf den Kanaren eingeweiht. Der Sinn der deutschen Schule ist es, die deutsche Kultur den Einheimischen im jeweiligen Gastland näherzubringen. Das sah man auf Mallorca wohl schon frühzeitig durch den Tourismus von allein gegeben.

Wenn die Deutsche Kultusministerkonferenz (KMK), wie aktuell geschehen, einer deutschen Schule die Anerkennung verweigert, weil sie dies kulturpolitisch nicht für notwendig hält, ignoriert sie eine Realität: Nicht jeder, der nach Mallorca zieht, will hier auch dauerhaft bleiben. Das kann wohl jeder Deutsche auf der Insel bestätigen: Das Kommen und Gehen von Landsleuten ist an der Tagesordnung, mehr als an den meisten anderen Orten Europas.

Vor diesem Hintergrund ist das aktuelle Bestreben der Ecolea-Schule und der Eltern zu sehen. Viele wissen nicht, wie lange sie hier bleiben, und sie wollen, dass sich ihr Kind nach einer Rückkehr möglichst schnell wieder integriert, vor allem in der Schule.

Ein deutscher Unterricht nach deutschem Lehrplan in der Wahlheimat ist dabei natürlich äußerst hilfreich, auch wenn es vielleicht nicht gerade zur Integration der Kinder unter den einheimischen Altersgenossen auf Mallorca beiträgt. Aber über diese Entscheidung gilt es nicht zu urteilen. Vielmehr gibt es offensichtlich auf Mallorca einen Bedarf an deutscher Schulbildung. Das sollte auch die KMK berücksichtigen.

Autor: Thomas Zapp

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10 2013

Eigentum verpflichtet

Wer über reichlich materielle Besitztümer verfügt, der trägt auch eine besondere Verantwortung der Allgemeinheit gegenüber. Dieser Gedanke ist nicht nur im deutschen Grundgesetz verankert, sondern auch in der spanischen Verfassung, und ist also Teil der Normen, die in unserem Kulturkreis das Verhältnis des Einzelnen zur Gesellschaft regeln. Eigentum verpflichtet – was damit gemeint ist, verdeutlicht auf ganz besonders anschauliche Weise ein Beispiel aus der mallorquinischen Realität.

Mehr als 90 Prozent des Tramuntana-Gebirges befinden sich in Privatbesitz. Dabei handelt es sich zum Teil um enorme Ländereien, um historische Herrenhäuser, um Wälder, Weiden, Terrassengärten, um spektakuläre Landschaft, um Mallorcas kulturelles Erbe. Die Zeiten, in denen sich die Landgüter in der Tramuntana gewinnbringend bewirtschaften ließen, sind längst vorüber. Im materiellen Sinne wertvoll ist das Gebirge heute nur noch als Kulisse für das touristische Mallorca. Statt Köhler werden die jungen Insulaner heute Kellner. Das hat weitreichende Folgen.

Denn Wälder und Felder, die nicht genutzt werden, liegen brach und verwildern. Die Menge der Biomasse in der Tramuntana hat in den vergangenen Jahrzehnten extrem zugenommen – und mit ihr die Gefahr von Waldbränden. Als Ende Juli im Südwesten ein verheerendes Feuer mehr als 2330 Hektar Fläche vernichtete, zeigten sich die Folgen dieser Entwicklung: Die Flammen konnten sich in Windeseile ungehindert ausbreiten. Darunter hatten dann auch diejenigen zu leiden, die ihre Fincas eigentlich gut in Schuss halten, wie etwa die Umweltschützer vom GOB.

Die Bewahrung der Tramuntana fällt in den Verantwortungsbereich der Grundbesitzer. Ebenso wie es verboten ist, in den Sommermonaten in Waldnähe Feuer zu machen, sollten die Eigentümer der Fincas dazu verpflichtet sein, auf ihren Landgütern Brandschutzmaßnahmen zu ergreifen. Zum Wohle der Allgemeinheit.

Autor: Jonas Martiny

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10 2013

Der Verbraucher muss sein Gewissen einschalten

Zu Hause haben wir eine Tüte, in der meine Familie die leeren Plastik-Wasserflaschen sammelt. Die Tüte ist groß, aber da wir viel Wasser trinken, quillt die Tüte alle paar Tage über und ich gehe leise fluchend raus, um den Müll zu entsorgen, denn die sperrigen Wasserflaschen hüpfen gerne mal aus der Tüte heraus. Jedes Mal denke ich: Unglaublich, wie viel Abfall wir als wirklich kleiner Haushalt produzieren. Hochgerechnet muss es allein auf Mallorca und allein an leeren Wasserflaschen eine unvorstellbare Menge Müll geben.

Ob ich diese Flaschen in die grüne Restmülltonne gebe oder 100 Meter weiter zur nächsten gelben Tonne bringe, ist in meiner Straße egal, denn niemand kontrolliert das. In vielen Dörfern ist das anders, da wird der Müll von zu Hause abgeholt und es wird peinlichst darauf geachtet, dass am „Plastikabholer-Tag“ auch nur Plastik im Beutel ist, schließlich erhalten die Gemeinden Geld fürs Recyceln und müssen für den getrennten Müll keine Gebühren beim Entsorger zahlen. Noch, denn künftig könnte sich das grundlegend ändern. Recycling kostet Geld, und ein Müllentsorger will selbiges verdienen, vor allem wenn er eine zu groß dimensionierte Müllverbrennungsanlage besitzt. Es wird also ein wichtiges Argument für Recycling wegfallen: Geld in Form von niedrigen Gebühren zu sparen.

Dem Verbraucher bleibt nichts anderes übrig, als sein eigenes Gewissen einzuschalten. Ich bin mir nicht hundertprozentig sicher, ob aus den ganzen Flaschen, die ich tagein, tagaus zur gelben Tonne schleppe, tatsächlich eine neue Flasche wird oder ob sie im Schlund der Müllverbrennungsanlage landen wird. Aber ganz ehrlich: Letzteres ist mir immer noch lieber, als wenn ich sie am Wegesrand oder noch schlimmer: im Meer treibend wiedertreffe.

Wofür ich mich allerdings wirklich einsetzen würde, wäre ein Mehrwegsystem. Die Initiative „Retorna“ hat schon vor zwei Jahren mehrere Kampagnen gefahren. Es wäre wünschenswert, dass deren Vorschläge auch einmal umgesetzt würden.

Autor: Thomas Zapp

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10 2013