Archivo de September, 2013

Die Unabhängigkeit Kataloniens wäre der Anfang vom Ende

Spanien steht vor einer Zerreißprobe – im wahren Sinne des Wortes. Sollten die katalanischen Abspaltungsbestrebungen Erfolg haben, wird das den spanischen Staat, wie er heute existiert, komplett in Frage stellen. Weitere Regionen – allen voran das Baskenland – würden ihre Zugehörigkeit vermutlich ebenfalls aufkündigen.

Selbst auf Mallorca wäre dann mit einem Erstarken der separatistischen Bewegung zu rechnen, die auf der Insel bislang lediglich eine Nebenrolle spielt. Schließlich sind die kulturellen Gemeinsamkeiten mit Katalonien gewiss größer als mit den meisten anderen spanischen Regionen – schon allein wegen der Sprache.

Die Debatte kommt in jedem Fall zur Unzeit: Nicht nur Spanien, auch Katalonien hat derzeit wahrlich andere, dringendere Probleme. Zumal die Folgen vor allem für die abtrünnige Region im Nordosten des Landes noch gar nicht absehbar sind. Ein Ausscheiden Kataloniens aus der Europäischen Union, das im Falle der Unabhängigkeit als sicher gilt, wäre vor allem ökonomisch ein klarer Rückschritt. Auch für Spanien hätte die Abspaltung seiner wirtschaftsstärksten Region fatale Folgen.

Mit Härte und Kompromisslosigkeit aber sollte die Zentralregierung den Unabhängigkeitsbestrebungen tunlichst nicht begegnen. Der Klammergriff würde das katalanische Ansinnen nur noch verstärken. Das zeigt die Vergangenheit. Die einzige Möglichkeit, die separatistischen Tendenzen auszubremsen und den Fortbestand des spanischen Staates in den heutigen Grenzen dauerhaft zu garantieren, ist eine Umarmungsbewegung.

Die Zentralregierung in Madrid wird die Hand ausstrecken und den Dialog suchen müssen. Ohne weitreichende Zugeständnisse ist den Fliehkräften im spanischen Staatsgebilde nicht beizukommen. Eine Zukunft hat Spanien letztendlich nur mit einer reformierten Verfassung, die den aktuellen autonomen Regionen mehr Selbstbestimmungsrechte einräumt und den kulturellen Unterschieden zwischen den einzelnen Landesteilen Rechnung trägt.

Autor: Jonas Martiny

26

09 2013

Hinter den nackten Zahlen stehen Schicksale

Die Fakten sprechen eine klare Sprache: Die Krise hat Mallorca noch immer fest im Griff, auch nach fünf Jahren. Die Arbeitslosenquote ist enorm, das Bruttoinlandsprodukt schrumpft, die Verschuldung der Städte und Gemeinden erreicht immer neue Höchstwerte, die öffentliche Hand fährt ihre Investitionen seit Jahren zurück, Sozialleistungen und Arbeitnehmerrechte werden gekürzt, die Steuern steigen, das Renteneintrittsalter auch. Immer mehr Firmen gehen pleite, immer mehr Menschen können ihre Hypotheken nicht bezahlen.

Dazu kommt, dass Spanien ein Land ist, in dem es keine Sozialleistungen gibt, wie man sie etwa aus Deutschland kennt. Eine gesetzlich garantierte Grundsicherung etwa existiert hierzulande nicht. Obendrein hat sich zwar das allgemeine Preisniveau längst weitgehend mitteleuropäischen Standards angeglichen, die Gehälter aber haben mit der Teuerung der vergangenen Jahre bei Weitem nicht Schritt gehalten.

Manche Vorschläge wirken angesichts dieser Zustände reichlich weltfremd. Dazu zählt zweifellos die Forderung der EU-Kommission und des Internationalen Währungsfonds, Spaniens Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände sollten sich auf eine zehnprozentige Gehaltskürzung einigen, um die Wettbewerbsfähigkeit des Landes zu verbessern.

Die eigentliche Tragik dieser Krise aber offenbaren die nackten Zahlen nicht. Denn sie steckt in den menschlichen Schicksalen, die keine Statistik erfasst. Niemand kann sagen, welche Zukunft all die Langzeitarbeitslosen vor sich haben, die seit Jahren keinem geregelten Job nachgehen, oder die vielen jungen Berufseinsteiger ohne Perspektive, die bereits jetzt als verlorene Generation gelten.

Die Zahl der Menschen, die in dieser Krise Jahre ihres Arbeitslebens und damit etwa auch künftige Rentenansprüche verloren haben, geht allein auf der Insel in die Zehntausende. Deshalb werden die Folgen der Krise auf Mallorca noch lange zu spüren sein – selbst wenn sie denn eines Tages doch noch zu Ende gehen sollte.

Autor: Jonas Martiny

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12

09 2013

Sonst spielt der Film woanders

Produktionsstandort par excellence – nicht nur für Film und Fernsehen, sondern zunehmend auch für Werbespots und -fotografie. Bei Mallorca kommen Branchenkenner ins Schwärmen: optimale Infrastruktur, fantastische Locations, eine (fast!) einmalige Fluganbindung nach ganz Europa und natürlich: das „unglaubliche Licht“. Neben ihrer Vielfalt wird auch die „Universalität“ der Motive gepriesen: Ein Spot aus Palma „spielt“ später genauso glaubhaft in Paris, London oder Rom.

Alles prima also – wenn, ja, wenn … nur das politische Klima auf der Insel wachstumsfreudiger wäre. Um diesen so lukrativen wie imageträchtigen Wirtschaftssektor – der 2011 zusätzliche 38 Millionen Euro auf die Insel spülte – in anhaltenden Krisenzeiten wettbewerbs- und ausbaufähig zu machen, müssen die Verantwortlichen im Parlament endlich mit den Filmschaffenden an einem Strang ziehen.

Das Gegenteil war in den vergangenen Jahren der Fall. Häufige Regierungswechsel mit dazugehörigen internen Prestige-Kämpfen führten dazu, dass „Errungenschaften“ der Vorgängerregierung auf dem Gebiet der „Filmförderung“ fast systematisch rückgängig gemacht oder zumindest sabotiert wurden. Trauriger Höhepunkt: Die öffentliche „Schlammschlacht“ 2012 um die Nichtrückzahlung schriftlich (!) zugesagter 150.000 Euro an die Producer von „Cloud Atlas“ (Kosten des Films: 100 Millionen Euro), der auch auf Mallorca gedreht worden war. Der Image-Schaden, so Branchen-Kenner, halte bis heute an, habe sich auf ganz Spanien ausgeweitet.

Bleibt zu hoffen, dass das lange angekündigte Mediengesetz, „la ley de impulso al sector audiovisual“, wirklich im September verabschiedet wird. Um international konkurrenzfähig zu sein, muss Mallorca finanzielle Anreize für Producer bieten. Auch wenn solche „incentivos“ die Werbebranche weniger betreffen: Dass dafür in all den Jahren keine legale Basis geschaffen wurde, ist beschämend. Und die Konkurrenz (Serbien/Kroatien, Griechenland) wächst. Filmschaffende aller Couleur müssen sich auf dieser Insel willkommen und unterstützt fühlen. Sonst „spielt“ der Film ganz schnell woanders.

Autorin: Susanne Petersen

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05

09 2013