Archivo de August, 2013

Absurdes Wahlgesetz diskriminiert Auslandsdeutsche

„Gesetze sind wie Würste, man sollte besser nicht dabei sein, wenn sie gemacht werden“, lautet ein bekanntes Bismarck-Zitat. Das scheint bis heute so geblieben zu sein, wenn man an das neue Bundeswahlgesetz denkt, das Deutsche nach 25 Jahren fern der Heimat vom Wählen ausschließt. Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit und von juristischen Gutachtern ist im Hinblick auf Auswanderer ein unglaublich kompliziertes Machwerk entstanden, das elementare Bürgerrechte beschneidet.

Ein Bezug zu den politischen Verhältnissen in Deutschland muss schriftlich begründet werden, will man überhaupt noch ins Wählerregister aufgenommen werden. Und es kommt noch dicker: „Eine rein passive Kommunikationsteilnahme, etwa durch den Konsum deutschsprachiger Medien im Ausland, genügt nicht“, lassen die Konsulate per Rundmail wissen. Wer ein Parteibuch hat oder vielleicht Ehrenmitglied im DLRG ist, darf dagegen wählen: Ausdrücklich bevorzugt werden Personen mit Engagement in deutschen „Verbänden, Parteien und Organisationen“. Offenbar streben unsere Volksvertreter per Vereinsmeierei die Bildung einer deutschen Willensnation an. Vielleicht eine gut gemeinte Alternative zum reinen Abstammungsprinzip – aber dennoch absurd.

Mit dem handwerklich schlecht gemachten neuen Gesetz dürfen jetzt zwar Deutsche auf Antrag wählen, die noch nie in der Bundesrepublik gelebt haben, etwa zwei Frauen aus Luxemburg, die vor dem Bundesverfassungsgericht geklagt hatten und damit die Neuregelung anstießen. Ausgeschlossen sind dagegen einige Menschen mit deutschen Eltern, die in Deutschland aufgewachsen sind, dort studiert und gearbeitet haben, deutsch sprechen, denken und schreiben und sich deswegen als Deutsche fühlen.

Liebe Abgeordnete, macht es doch einfach so wie die anderen in Europa: Wer einen entsprechenden Pass hat, sollte uneingeschränkt in seiner Heimat abstimmen dürfen. Vielleicht interessiert auch der von Deutschland ratifizierte Internationale Pakt über bürgerliche und politische Rechte, wonach jeder Mensch über 18 Jahre das Recht hat, zu wählen und gewählt zu werden.

Autor: Michael Maier

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08 2013

Schub aus Ägypten tut nicht gut

Das Drama wiederholt sich. Wieder ist eine Ferienregion von Unruhen betroffen, wieder wird Millionen von Menschen die wirtschaftliche Grundlage entzogen. Ägypten erlebt den Niedergang seiner so wichtigen Tourismuswirtschaft.

Tourismus ist von Natur aus ein sensibles Geschäft. Wer Erholung sucht, will einen möglichst großen Bogen um Krisenherde machen. Das hat viel, aber nicht ausschließlich mit Sicherheitsaspekten zu tun. Die ersehnte Leichtigkeit des Seins mag sich nun mal nicht einstellen, wenn das Leid allzu nahe rückt.

Mallorca ist ein sicherer Ort und wird daher erneut von der Misere anderer, in diesem Falle Ägyptens profitieren. So wie während des Kriegs im ehemaligen Jugoslawien, nach Bomben in der Türkei und Ausschreitungen in Griechenland oder bei Konflikten um den Arabischen Frühling in Nordafrika.

Freude darüber verbietet sich. Nicht nur aus Mitgefühl für die betroffenen Ägypter. Die immer wiederkehrende Rolle des Krisengewinnlers bekommt Mallorca nämlich gar nicht gut. Der Extraschub an Gästen schönt die Bilanzen und versperrt die Sicht auf Defizite und Versäumnisse.

Es ist zu erwarten, dass die Nachsaison durch die umgeleiteten Kunden der Reiseveranstalter deutlich länger und rentabler ausfallen wird. Es wird also etwas gelingen, was für die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt auf der Insel von elementarer Bedeutung ist.

Nur: Die, die das in die Wege leiten sollten – Politiker, Unternehmer, Gewerkschafter – haben dazu wenig beigetragen. Nicht kluge Promotion, weitsichtige Gesetze oder mutige Investitionen sorgen für den Schub. Man hat nur mal wieder Glück gehabt – und sieht wahrscheinlich keinen Anlass zum Handeln. Es läuft doch …

Zum Wesen der Urlauber gehört, dass sie schnell vergessen. Ägypten kann schon im nächsten Jahr wieder zu den Topzielen gehören. Für die Menschen dort ein Trost – für Mallorca eine Warnung.

Autor: Bernd Jogalla

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08 2013

Die Werbetrommel schweigt ungerührt

Es ist schon ein besonderes Erlebnis, wenn man eine Firma besucht, und die Mitarbeiter dort rund um einen Kickertisch versammelt sind und sich lärmend und lachend die Bälle gegenseitig in die Tore hineindonnern.

Ganz abgesehen von den anderen Annehmlichkeiten, die es für die Mitarbeiter gibt: Etwa eine Sonnenterrasse samt Liegestühlen, ein Teeküche mit Bier im Kühlschrank, freundliche Arbeitsräume mit Blick ins Grüne. Fehlt nur noch der Pool.

Ach was, es gibt innovative Unternehmen auf der Insel, etwa in Sachen Film, die bieten den Mitarbeitern sogar Fitnessräume. Warum nicht gar die Büros am Strand ansiedeln? Da ließe sich in der Mittagspause ein Bad im Meer nehmen, um nachmittags erfrischt weiterzuarbeiten.

Die balearischen Politiker dürfen nicht schlecht gestaunt haben, als sie vor gut einer Woche die neue Niederlassung des Hotelpreise-Vergleichsportals Trivago im Parc Bit besuchten. Während in spanischen Behörden Sekretärinnen meist im Flur sitzen, war dort eine Grünzone zu finden. Gut fürs Auge und fürs Gemüt.

„Also, diese Art Unternehmenskultur ist mittlerweile eigentlich Standard bei westlichen Internet-Firmen“, sagt ein Insider. Arbeitsforscher haben eruiert: Wo spielerisch gearbeitet wird, wird sogar mehr gearbeitet, als dort, wo stur nach Zeitplan Schicht im Schacht ist.

Die Frage ist, warum bisher so wenig Internetfirmen den Weg nach Mallorca gefunden haben. Die, die kamen, kamen aus eigenem Antrieb. Etwa, weil die Fluganbindung so gut und die Lebensqualität für die Mitarbeiter so hoch ist. Ernsthaft geworben hat niemand um diese Unternehmen, erst recht nicht von offizieller Seite.

Wenn die Balearen-Regierung Geld zückt, wenn überhaupt, dann ist es für touristische Werbung. Das Anlocken von innovativen Unternehmen, die hier dank digitaler Vernetzung leicht anzusiedeln wären und damit auf der Inselscholle Arbeitsplätze und Umsätze schaffen würden, findet öffentlichkeitswirksam kaum statt. Schade eigentlich, denn für solche Kreativ-Start-ups, Existenzgründer und Internet-Dienstleister wäre „Mallorca“ sicher eine wohlklingende Firmenadresse.

Autor: Alexander Sepasgosarian

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08 2013

Eine Lanze für die nackte Haut

Die allermeisten Menschen auf den Balearen sind, das belegen die faktischen Realitäten an den Stränden, keine Anhänger des FKK. Sonst wären die ausgewiesenen Winkel für Nacktbader überlaufen, und die Playas für „Normalos“ weitgehend verödet. Das ist nicht der Fall, und selbst auf den Balearen ist es daher nicht notwendig, bei jedem Menschen sogleich dessen Unterleibs-„Pityusen“ (Sammelbegriff für Ibiza und Formentera) zu Gesicht zu bekommen. So weit, so gut.

Jetzt erwägt die Stadt Palma allerdings, eine „Verordnung des Zusammenlebens“ zu verabschieden, die das Zeigen von nackter Haut verstärkt einschränken möchte. Urlauber und Einheimische sollen künftig – außer an Strand und Strandpromenade – nicht mehr in Badebekleidung oder mit nacktem Oberkörper durch das Stadtbild flanieren, in Läden und Lokalen verkehren.

Wer kennt das nicht? Der verschwitze Teutone, der rotstichige Brite, der bereits bei 27 Grad im Schatten zu fließen beginnt und sich beim Aufstieg in Palmas Altstadt des T-Shirts entledigt. Schön mag das nicht unbedingt sein. Aber andererseits, so what?!

Braucht es da wirklich eine Verordnung, die bis ins kleinste Detail festlegt, was wo getragen werden darf, muss? Der Sportler, darf er noch mit nacktem Oberkörper joggen? Die Strandbesucherin, darf sie noch im Badeanzug nach Hause radeln? Der Bauarbeiter, muss er selbst bei größter Hitze „im Hemd“ werkeln?

Anders gefragt: Ist es wirklich so schlimm, wenn in der Schlange vor der Supermarkt-Kasse eine junge Frau im Bikini, ein kerniger Mann nur in Bermudas den Einkauf begleichen möchte? Warum sich nicht an der Ästhetik schöner Menschenkörper erfreuen?

Ein wenig Nacktheit gehört zum Sommerfeeling dazu. Lässt sich das nicht mit ein wenig Toleranz regeln? Jeder, wie er mag? Noch dazu, wenn die Mode die Frauenshorts ohnehin knapp unterm Gesäß aufhören lässt? Wer will sich bei derart optisch verlängerten Beinen über ein Bikini-Oberteil beschweren?

Die unkomplizierte Unbedecktheit, wie sie gerade im Sommer auf Mallorca gelebt werden kann, ist eine Errungenschaft, die eigentlich zu schade ist für Verordnungen.

Autor: Alexander Sepasgosarian

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08

08 2013

Zumindest das Vorgehen der Einsatzkräfte war keine Tragödie

Gleich zwei tragische Ereignisse haben in den vergangenen Tagen spanienweit die Nachrichten beherrscht: Zum einen die Zugkatastrophe von Galicien, bei der 79 Menschen ums Leben kamen. Zum anderen – zum Glück ohne Todesopfer – der Waldbrand im Südwesten Mallorcas.

Auf den ersten Blick haben diese beiden Ereignisse nichts miteinander zu tun. Wenn es eine Gemeinsamkeit gibt, dann vielleicht diese: Die Einsatzkräfte haben an beiden Unglücksorten rasch, professionell und koordiniert ihren Job gemacht. Chaos und gegenseitige Behinderungen hat es allem Anschein nach nicht gegeben. Wie am Mittwoch in den Nachrichten verlautete, traf in Galicien, wo ein Schnellzug vollständig entgleist war, der erste Krankenwagen bereits zwei Minuten nach dem Notruf am Unfallort ein.

Auf Mallorca soll die Zusammenarbeit zwischen den vielen sehr unterschiedlichen Brandbekämpfern – Feuerwehren, Polizeien, Armeeangehörigen, Löschflugzeugpiloten, Forstmitarbeitern, Kommunalangestellten – bestens geklappt haben. Das ist irgendwo tröstlich, denn wenn der Wald aufgrund von Inkompetenz und Koordinationsdefiziten noch immer am Lodern wäre, dann wäre das (Image-)Desaster für Mallorca noch weitaus größer.

Schlimm genug, dass der Wald abgefackelt wurde. Traurig genug, dass die Ursache diesmal „nur“ Fahrlässigkeit war, nachdem im Vorjahr noch ein krimineller Brandstifter die vielen, wenn auch vergleichsweise kleinen Brände gelegt hatte.

Fazit: Mallorcas Wälder sind im Sommer hochgefährdet. Das unterstreicht einmal mehr, wie wichtig Waldpflege, Vorsorge und Wachsamkeit sind, um das Brandrisiko zu minimieren. Hier zu investieren, und auch mehr, kann nicht der falsche Weg sein.

Aber es wäre schön, wenn nicht nur die vorbildliche Einsatzfähigkeit der Notfallkräfte europäische Standards erfüllen würde. Auch die Gesellschaft muss mitziehen. Es darf nicht sein, dass Bauschutt und Abfälle in die Landschaft abgekippt werden, wo zwischen verdorrten Gräsern jede leere Flasche, jede Glasscherbe im Sonnenschein potenziell zu einem Brennglas werden kann.

Autor: Alexander Sepasgosarian

01

08 2013