Archiv für Juli, 2013

Was der Ballermann mit den Hells Angels zu tun hat

Wir haben ereignisreiche Tage hinter uns. Zwei der aktuellen Mallorca-Themen haben auch in den deutschen Medien ein breites Echo gefunden: Die Kampagne „Pro Ballermann“ und der Schlag gegen die Hells Angels. Ein Zusammenhang zwischen den Ereignissen wurde nicht hergestellt. Es scheint ihn aber zu geben. Lassen wir einmal den Streit beiseite, wie genau oder ungenau Palmas Tourismusdezernent Gijón in „Bild“ wiedergegeben wurde. Wir wissen aus eigenen Gesprächen, dass er mitnichten beabsichtigt, den deutschen Pauschalurlauber von der Playa de Palma zu vertreiben. Aber er versucht sehr wohl, den Partytourismus in gewisse Bahnen zu lenken.

Wer sich die Hotspots der Playa genau ansieht, wird zu dem Schluss kommen, dass diese Absicht so falsch nicht sein kann. Es läuft einiges schief auf der Partymeile. Im Schatten des feucht-fröhlichen Treibens hat sich zunächst die Kleinkriminalität kommod eingerichtet. Sicherheitsexperten warnen jedoch: Fühlt sich die erst mal wohl, kommt die „große“ Kriminalität gerne nach. Und dazu zählt nach Einschätzung der Polizei das Treiben der Hells Angels, das zumindest teilweise an der Playa de Palma stattfand.

Um es klarzustellen: Keiner versucht, die fröhlichen Party-Urlauber zu kriminalisieren. Aber im Umfeld der Sause ist ein Nährboden für kriminelle Machenschaften entstanden. Ist es angesichts dieser Entwicklung wirklich so falsch, eine qualitative Aufwertung der Playa de Palma anzustreben? Darüber darf auch die Ballermann-Bewegung einmal nachdenken. Und ruhig Blut: Ein Alkoholverbot ist nicht geplant.

So mancher Mallorca-Politiker ist ob der negativen Meldungen in Alemania besorgt. Das ist unnötig. Die Mallorca-Fans kennen die Insel zu gut, um sich davon leiten zu lassen. Und wir wollen nicht vergessen, dass die ereignisreichen Tage mit etwas sehr Positivem begonnen haben: dem Einsatz von Bundesaußenminister Westerwelle auf und für Mallorca. Eine Wohltat.

Autor: Bernd Jogalla

25

07 2013

Vom eigenwilligen Umgang mit Skandalen: Ein Armutszeugnis für die politische Kultur

Als im März 2011 der damalige deutsche Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg von seinem Amt zurücktrat, weil die Kritik an ihm wegen der „Plagiatsaffäre“ nicht nachlassen wollte, da war das Erstaunen in Spanien groß: Ein Politiker räumt freiwillig seinen Posten? Und all das wegen ein paar Fußnoten in einer Doktorarbeit? Großes Unverständnis. „Die spinnen, die Deutschen“, mag sich so mancher spanische Politiker gedacht haben.

Tatsächlich kann man ja durchaus geteilter Meinung sein über die Treibjagd, die deutsche Medien veranstalten, sobald auch nur der Schatten eines Verdachts auf einen der gewählten Volksvertreter fällt. Es gibt aber auch ein anderes Extrem – und das ist in diesen Tagen wieder einmal in Spanien zu beobachten.

Der ehemalige Schatzmeister der konservativen PP hat in diesen Tagen vor dem Richter ausgepackt (Seite 14) und mehrere der ranghöchsten Politiker des Landes schwer belastet, unter anderem Regierungschef Mariano Rajoy. Der Vorwurf: Jahrzehntelang soll im Gegenzug gegen Gefälligkeiten Schmiergeld an die Partei geflossen sein. Die Details sind so haarsträubend, dass es einem geradezu übel werden kann bei der Vorstellung, wie die Korruption nach und nach das politische System dieses Landes aushöhlt.

Denn ein Einzelfall ist das ja nicht. In den vergangenen Jahren gab es allein auf Mallorca Dutzende Korruptionsskandale. Auch hier klammern sich die Lokalpolitiker mit solcher Beharrlichkeit an ihre Posten, dass es an Peinlichkeit oft kaum noch zu überbieten ist.

Die Ansprüche an die persönliche Integrität von Politikern sind hierzulande niedrig, sehr niedrig. Regierungschef Rajoy hält es noch nicht einmal für nötig, zu den Vorwürfen öffentlich Stellung zu beziehen. Aber auch die Bürger dieses Landes tragen eine Mitschuld. Denn ein Aufschrei geht in diesen Tagen nicht durchs Land. Man scheint sich mit den herrschenden Verhältnissen abgefunden zu haben. Ein Armutszeugnis für die politische Kultur in diesem Land.

Autor: Jonas Martiny

18

07 2013

Ziemlich sauberes Vergnügen: In Sachen Qualität der Badegewässer schneidet Mallorca gut ab

Wenn die Europäische Umweltagentur ihren jährlichen Bericht über die Qualität der Badegewässer veröffentlicht, dann schneidet Mallorca stets ziemlich gut ab. Laut dem aktuellen Bericht waren die Zustände an 101 der 115 Messstellen auf der Insel „hervorragend“, als die Proben entnommen wurden. Lediglich an einer Handvoll Strände erfüllte das Meerwasser die Min-destanforderungen der Prüfer nicht. Damit ist die Qualität der Badegewässer auf Mallorca besser, als im gesamteuropäischen Durchschnitt (87 Prozent „hervorragend“ gegenüber 78 Prozent).

Da Mallorca zu einem wesentlichen Teil von Touristen lebt, die Strand und Meer genießen wollen, wäre jedes andere Ergebnis fatal. Das haben die Verantwortlichen auf der Insel frühzeitig erkannt. So ist etwa die Verarbeitung der vor allem im Sommer anfallenden Abwassermengen schon vor Jahrzehnten angepackt worden. Längst verfügt Mallorca über ein dichtes Netz an Kläranlagen, sodass das Problem weitgehend unter Kontrolle ist. Auch der alljährliche Einsatz der Müllbootflotte, die vor der Küste tonnenweise Abfälle aus dem Wasser fischt, bevor sie an Land gelangen, zeigt, dass das Thema ernst genommen wird.

Das soll nicht heißen, dass es an Mallorcas Stränden nicht hin und wieder zu Verschmutzungen kommt. Allerdings handelt es sich dabei um lokal begrenzte, vorübergehende Phänomene. Angesichts von zehn Millionen Touristen, die die Insel jährlich besuchen, lässt sich dies wohl nicht vermeiden.

Dennoch gibt es Möglichkeiten zur Verbesserung. Für das ökologische Gleichgewicht im Mittelmeer spielen die Seegraswiesen eine zentrale Rolle. Diese stehen zwar seit einiger Zeit unter Artenschutz, dieser aber wird noch immer kaum durchgesetzt. Zwar dürfen Yachtbesitzer in einigen Gegenden nur noch an speziellen Bojen festmachen und nicht mehr ankern, aber es fehlt an Kontrollen. Wenn es nicht gelingt, die Posidonia-Vorkommen effektiv zu schützen, setzt Mallorca auf lange Sicht sein wertvollstes Gut aufs Spiel: das kristallklare Wasser an den Stränden und in den Buchten.

Autor: Jonas Martiny

11

07 2013

Der Irrtum vom 17. Bundesland

Der Witz war gut, alle Achtung. Sonst hätte er sich nicht so lange gehalten. Seit 20 Jahren muss Mallorca schon den Beinamen „17. Bundesland“ aushalten – „Bild“ und Dionys Jobst sei Dank. Nur: Wie viel Wahrheit steckt in der harmlosen Sommerloch-Geschichte? Und was sagt sie über das Mallorca-Bild in Deutschland aus?

Die spinnerte Idee, Mallorca „zu pachten oder den Spaniern ganz abzukaufen“, spiegelt schon ein bisschen die deutsche Denke über Mallorca wider – vor allem die Denke derer, die Mallorca nicht kennen. Wie viele sind schon auf der Insel gelandet mit der Vorstellung, sie sei die sonnige Version von Deutschland! Deutsche Kneipen, deutsche Unternehmen, deutsche Schilder und deutsche Zeitung – wo ist da noch der Unterschied zum ungeliebten, weil kalten Alemania?

Wer so an Mallorca herangeht, hat keine Ahnung. Was mich bis heute besonders an der Wahlheimat fasziniert, ist die Tatsache, wie mallorquinisch Mallorca geblieben ist. Trotz der zehn Millionen Touristen im Jahr, trotz eines Ausländeranteils von mehr als 20 Prozent, trotz der massiven Immobilienkäufe von Deutschen, Briten und anderen.

Wer sich nur ein bisschen in die mallorquinische Gesellschaft hineinwagt, erfährt, wie erstaunlich intakt sie geblieben ist. Und wie wenig Einfluss zum Beispiel die Deutschen in den wesentlichen Entscheidungsgremien haben. Bis auf einige Ausnahmen haben es die Fremden noch nicht einmal in die Gemeinderäte geschafft, in die sie gewählt werden dürfen. Und die Mallorquiner erdreisten sich noch immer, ihre eigene Sprache zu sprechen, obwohl (oder weil?) die die Zugezogenen so gar nicht mögen.

Mallorca ist ein Ort, an dem Menschen vieler Nationen friedlich zusammenleben. Mallorca braucht die Fremden, sie sind seine Lebensgrundlage. Und selbstverständlich hat sich die Insel auch verändert. Dennoch ist sich Mallorca erstaunlich treu geblieben. Das mag für uns manchmal unbequem sein, aber es ist gut so.

Ich will kein deutsches Mallorca. Aber über den Witz von Dionys kann ich trotzdem lachen.

Autor: Bernd Jogalla

05

07 2013