Archivo de Juni, 2013

Billig reisen heißt Repressalien in Kauf zu nehmen. Wollen wir das?

“Hoffentlich ist das Handgepäck nicht zu schwer und passt in diesen komischen Handgepäck-Messkasten”, hatte man beim Packen noch gedacht und schon steht man in der Schlange und muss ein paar Klamotten unter den mitleidsvoll wissenden Blicken der Mitreisenden wieder herausnehmen, weil der Koffer 11,2 Kilogramm wog statt der erlaubten 10.

Trickreich werden diverse Anziehsachen in mehreren Schichten übereinandergezogen, dann steht man schwitzend wieder in der Schlange und hofft, dass der Koffer dieses Mal für leicht genug befunden wird, ergo: Man endlich durch die Kontrolle kommt.

Billiges Fliegen hat seinen Preis, aber den nehmen wir ja gerne in Kauf. Das bisschen Entwürdigung am Flughafen kann man ertragen für 50, 100 oder sogar noch mehr gesparte Euros. Akribisches Vorabwiegen und Abmessen gehört mittlerweile zur Reiseplanung, wenn es mit dem Flieger billig in den Urlaub oder zu einem Arbeitstreffen geht. Schließlich sind es nicht nur die Vorreiter in puncto Billigfliegen, sondern nach und nach ahmen auch die Etablierten die Prinzipien nach. Motto: Wer weniger zahlt, muss mehr ertragen.

Bevor man sich über die ganzen Schikanen der Billigflieger aufregt: Sind wir eigentlich bereit, wieder mehr fürs Fliegen auszugeben? Dann sollten wir das auch kommunizieren und sagen: Ich zahle gerne mehr, will dafür aber auch mehr Komfort haben. Persönlich habe ich da ehrlich gesagt meine leisen Zweifel: Warum ist gerade Ryanair, die wohl meistbeschimpfte Airline wegen ihrer rigiden Gepäck-Politik, die erfolgreichste in Europa und wird immer mehr kopiert?

Ein Versuch wäre es wert:Sollen die „guten” Airlines doch zwei Gepäckstücke anbieten oder ein großzügiges Gewichtslimit, gegen einen KLEINEN Aufpreis. Dann kann man stressfrei fliegen und vor allem im Urlaubsort Spezialitäten und Modeartikel einkaufen. Denn die kann man dann auch ohne sorgenvollen Blick auf die Waage mitnehmen. Wäre das nicht eigentlich Reisen, wie es sein soll?

Autor: Thomas Zapp

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06 2013

Von schlechten und guten Nachrichten über Mallorca

In Cala Rajada wird eine Urlauberin vergewaltigt, an der Playa de Palma rauben Prostituierte betrunkene Freier aus, in Magaluf verprügelt ein tätowierter Bodybuilder unschuldige Passanten. Willkommen in der mallorquinischen Hochsaison. Nicht nur Krawallblätter produzieren derzeit negative Schlagzeilen über Mallorca.

Sie sind selten übertrieben. Diese Dinge geschehen tatsächlich, und sie geschehen viel zu häufig. Dennoch entsteht ein schiefes Bild über Mallorca. Das hängt zum einen damit zusammen, dass lokale News auf Mallorca schnell auch News in London oder Berlin sind und dann das Image einer ganzen Urlaubsdestination verzerren.

Zum anderen übertünchen die Nachrichten über die Auswüchse in einigen Touristenzentren die Tatsache, dass Jahr für Jahr zehn Millionen Gäste auf Mallorca so Urlaub machen können, wie man sich das vorstellt – fröhlich, friedlich und in Sicherheit. In Alcúdia, in Peguera, Cala Millor und vielen anderen Orten. Selbst an der Playa de Palma.

Wir vom Mallorca Magazin werden nicht selten gebeten, doch die negative Berichterstattung bleiben zu lassen. Im Sinne von: Ihr sägt doch am eigenen Ast …

Das kann nicht die Lösung sein. Wenn es auf Mallorca negative Entwicklungen gibt, so müssen sie auch benannt werden. Denn nur durch öffentlichen Druck werden Gesetzgeber, Justiz und Polizei gezwungen, aktiv zu werden und eventuelle Missstände zu beenden.

Vor allem in einigen Ecken der Playa de Palma und in Magaluf läuft derzeit einiges aus dem Ruder. Die Polizei versucht zu reagieren, zeigte in den vergangenen Tagen viel Präsenz. Das ist richtig und wichtig, denn wenn sich in einer Gegend die kleine Kriminalität erst einmal wohlfühlt, kommt nicht selten die große nach.

Unser Gesamtbild von Mallorca können die Zwischenfälle nicht trüben. Wir wissen, wie die Insel wirklich ist, und versuchen, ein ausgewogenes Bild zu zeichnen. Ausgewogen bedeutet in diesem Falle überwiegend positiv. Das sind wir Mallorca schuldig.

Autor: Bernd Jogalla

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06 2013

Urlauber belasten das spanische öffentliche Gesundheitswesen

Lange Wartezeiten, schlechte Organisation, zu hohe Kosten: Spaniens öffentliches Gesundheitswesen hat keinen guten Ruf. Wer sich von den Zuständen einen Eindruck verschaffen möchte, muss nur einmal einen Termin mit einem Facharzt ausmachen: Ein Vierteljahr Vorlauf sollte man mindestens einplanen und nicht damit rechnen, dass der Doktor mehr als fünf Minuten Zeit für einen hat.

Auch die Zustände in den Krankenhäusern sind gelinde gesagt haarsträubend: In den Wintermonaten, wenn die Zahl der Grippefälle in die Höhe schießt, schieben Krankenschwestern die Patienten kurzerhand auf die Gänge. Dabei sind die Gesundheitsausgaben mit mehr als einer Milliarde Euro der größte Einzelposten im Balearen-Haushalt.

Die Sparmaßnahmen verschärfen die Lage nun noch weiter, wie etwa der Tod des 28-jährigen Senegalesen Alpha Pam vor wenigen Wochen zeigt: Eine Ärztin in der Notaufnahme hatte ihn offenbar nur oberflächlich untersucht und nicht erkannt, dass er an Tuberkulose litt. Es liegt auf der Hand, dass es angesichts solcher Zustände nicht angehen kann, dass vergleichsweise gut situierte Urlauber aus Nord- und Mittel-Europa Leistungen des spanischen Gesundheitswesens in Anspruch nehmen, ohne dass zumindest die Kosten ersetzt werden.

Tatsächlich ist gerüchteweise immer wieder einmal die Rede von „Gesundheitstouristen“, die ihren Inselaufenthalt nutzen sollen, um sich der längst fälligen Hüftoperation zu unterziehen – weil die hier im Gegensatz zu anderen Ländern gratis ist. Wie verbreitet dieses Phänomen ist und wie hoch die verursachten Kosten wirklich sind, ist allerdings weitgehend unbekannt.

Fest steht, dass die öffentlichen spanischen Krankenhäuser nicht kurzerhand Urlauber aus dem EU-Ausland verpflichten dürfen, ihre Behandlung selbst zu bezahlen. Vielmehr sollte man dafür sorgen, dass die erbrachten Leistungen auch korrekt abgerechnet werden, immerhin gibt es dafür ja EU-weite Ausgleichszahlungen: Durch lückenhafte Abrechnung entgehen dem spanischen Staat Jahr für Jahr Millionen. Geld, das im öffentlichen Gesundheitswesen dringend gebraucht wird.

Autor: Jonas Martiny

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06 2013