Archiv für Mai, 2013

Neue Träume für den Boulevard of broken dreams

Fünf Jahre ist es her, da wurde in Palma das 50-jährige Bestehen der Hafenpromenade Paseo Marítimo begangen. Es war eine schnöde Würdigung: MM kommentierte im Jahre 2008:

„Für die spanischen Medien war es allenfalls lästige Chronistenpflicht, an das Jubiläum zu erinnern. Es gab dieselben alten Fotos wie alle zehn Jahre wieder. Die Gelegenheit, das Ereignis zur Grundlage einer Diskussion über Sinn und Zweck des Bauwerks zu machen, wie weiter mit der Stadtplanung und Verkehrsführung zu verfahren sei, wurde nicht ergriffen, weder von Politikern noch von Architekten.“

Das hat sich nun geändert: Zumindest vier Architekten haben vergangene Woche in der Kammer eine neue Vision vorgelegt, wie die derzeitige Hafen-Autobahn von Staus, Lärm und Abgasen befreit werden könnte: Sie wollen den Verkehr ausdünnen, die Bürgersteige verbreitern, Bäume pflanzen, Flaniermeilen für Fußgänger und Cafébetriebe schaffen.

Mehr noch, Palma soll sich wieder dem Meer öffnen. Denn sicherlich riegelt die sechsspurige Asphalttrasse wie eine Barriere die Stadt vom Ufer ab.

Witzig; ursprünglich war der Paseo in den 1950er Jahren errichtet worden, um der Stadt einen breiten Zugang ans Wasser zu bieten. Die Planungen gehen auf die 1930er Jahre zurück. Visionäre von damals, wie etwa Llorenç Villalonga, strebten dem Vorbild Nizza nach. Eine Promenade am Wasser sollte den Palmesanern die Möglichkeit geben, das Meer zu sehen und sogar darin zu baden.

Palma, so Villalonga, vertue wie ein „dummes Mädchen“ seine Zeit mit der Felsküste. Letztere wurden mit dem Paseo Marítimo tatsächlich erschlossen (und hinter Beton und Hochhäusern versteckt). Doch die einstigen Träume wurden nicht wahr. Wo ein Badegewässer sein sollte, ist heute Hafenbecken samt Yachten.

Dennoch würde Palma durch eine Verkehrsberuhigung des Paseo an Lebensqualität gewinnen. Der Verkehr müsste sich indes über die Ringautobahn wälzen, zum Nach-teil der dortigen Anwohner. Denn die Pläne für eine Straßenbahn am Paseo, die es auch einmal gegeben hatte, sind längst zerplatzt.

Autor: Alexander Sepasgosarian

 

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05 2013

Warum „Trash” auf dem Inselboden besonders gut gedeiht

Die „Urzelle der deutschen Tourismus-Enthemmung” hat (Satire-) Autor Jörg Mehrwald mal als Synonym für den Ballermann benutzt: Hier bin ich Proll, hier darf ich sein. Das Phänomen  hält sich „generationsübergreifend” und mag auch „keine Experimente”, wie eine aktuelle Bestandsaufnahme erneut bestätigt.

Während sich Partysänger Peter Wackel über den Playa-Erfolg seines Songs „Scheiß drauf” noch wundert, steht Daniela Katzenberger, etwa bei der Anrede, über den Dingen: „Sie können auch Depp zu mir sagen”. „Trash sells”, auch wenn’s „Müll/Abfall” heißt: Was soll der Scheiß? Das „kulturelle Produkt mit geringem geistigen Anspruch” (eine von vielen Definitionen) zeichnet sich denn auch oft durch – ungewollte! –  Komik aus, die aber meist eher die Fans in den eigenen Reihen erfreut.

Gipfel der Geschmack- und Geistlosigkeit, schreien die auf, die um die Tempel der Trivialitäten einen großen Bogen machen – und eines haben Ballermann- und „Katzenberger”-Fans auf dieser schönen Insel ganz gewiss gemein: An Mallorca haben sie kein (oder kaum) Interesse. Nur der „Enthemmungsfaktor”, der in großen Kreisen noch mit „Malle” (sorry!) verbunden wird, zieht sie hierher – was indes für „nobler” geltende Orte wie Portals Nous nicht unbedingt weniger gilt. Dort hielt kürzlich wieder ein (Spiegel-)TV-Team einem goldbehangenen, tiefgebräunten Ehepaar – das sein Geld im heimischen Dortmund mit Verschleißteilen verdient – genüsslich ein Mikro unter die Nase: „Warum wir herkommen? Hier kann man noch zeigen, was man hat!”

Dass Mallorca sich nicht scheut, „den Müll direkt ins Haus” zu holen – ganz neu ist das nicht. Gerade hier, so scheint’s,  wird der Trash  nicht nur gelebt, sondern geradezu gefeiert. Das mag absurd und billig wirken – das Kalkül dahinter indes muss sich knallhart in der Praxis bewähren: Wer sein Publikum falsch einschätzt, ist schnell wieder aus dem Spiel. Und ansonsten: Nehmen wir das Phänomen (mit Eugène Ionesco) doch einfach als Insel-Intensivkurs: „Wer sich an das Absurde gewöhnt hat, findet sich in unserer Zeit gut zurecht”.

Autorin: Susanne Petersen

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09

05 2013

So kann’s weitergehen: Event-Location Mallorca

Boat Show, Bierfest, Tanzfestival, Feria de Abril, Gesundheitsmesse, Superyachtdays, Filmfestival, Regatta, Ironman, Konzerte, MM-Golfturnier …

Wir könnten noch einige Zeilen weitermachen – Mallorca hat in diesen Tagen allerhand zu bieten. Selbst wir in der Redaktion haben mitunter Schwierigkeiten, bei diesem Veranstaltungsreigen den Überblick zu bewahren.

Dass der Saisonauftakt 2013 derart gespickt ist mit Events aller Art, kann nur begrüßt werden. Das ist es, was viele Experten (und diese Zeitung) seit Jahren fordern: Wer Gäste außerhalb der Hochsaison anlocken will, sollte ihnen auch etwas bieten. Das ist in diesem Frühjahr beherzigt worden – von privaten Unternehmen ebenso wie von öffentlichen Institutionen. Zwar sind nicht alle Events neu, aber in der Masse geben sie ein beeindruckendes Bild ab.

Palma fungiert in dieser Hinsicht als Taktgeber. Nehmen wir die runderneuerte Bootsmesse: Sie scheint, soweit das nach dem ersten Tag zu beurteilen ist, gelungen. Es macht Spaß, diese Messe zu besuchen – selbst wenn man kein Schiff kaufen möchte. Auch die Boat Show hat jetzt mehr Event-Charakter als ihre etwas gediegeneren Vorgängerinnen.

Ganz neu ist die Biermesse. Wir haben viele Stimmen dazu gesammelt. Tenor: Im Prinzip gut, aber verbesserungsfähig. Schön, dass erstmals die Stadtmauer für solch eine Veranstaltung gewählt wurde – der „Balkon“ der Stadt ist einfach eine Wucht. Am Angebot, der Organisation und der Präsentation darf noch gefeilt werden. Gläser statt Plastikbecher wären wunderbar. Vielleicht lassen sich solche Anregungen ja schon im nächsten Jahr umsetzen.

Autor: Bernd Jogalla

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05 2013