Nur im öffentlichen Raum ist Kontrolle möglich

Vielleicht haben sich auf Mallorca am Samstagnachmittag besonders viele Menschen mit dem Corona-Virus infiziert. Denn im TV lief der Fußball-Clásico. FC Barcelona gegen Real Madrid. Und Fußballfans versammelten sich in heimischen Wohnzimmern, um zu gucken. Wahrscheinlich meistens ohne Masken, ohne Mindestabstand, dafür aber mit einer Zigarette im Mundwinkel. Auf Restaurant-Terrassen darf man nicht mehr rauchen, nirgendwo im öffentlichen Raum auf den Balearen ist der blaue Dunst erlaubt. Also trifft man sich nicht mehr auf der Terrasse, sondern zu Hause. Ist das wirklich sinnvoll?

Die Balearen-Ministerpräsidentin Francina Armengol behauptete kürzlich, dass die hiesigen Maßnahmen greifen, die Daten aber trotzdem nicht gut seien. Wer kann allerdings sagen, wie die Zahlen ohne die Maskenpflicht und das Rauchverbot aussehen würden? Vielleicht wären sie geringer, wenn die Leute auf den Terrassen sitzen würden und Eigenverantwortung an den Tag legten. Zumal Experten zufolge nur wenige Ansteckungen in Lokalen stattfinden. Möglicherweise ist es sinnvoller, Grüppchen nicht ins Private abzudrängen, sondern sie in der Öffentlichkeit zu lassen. In diesem Fall muss man natürlich auch kontrollieren, ob sie die Regeln einhalten. Aber dann ist das wenigstens möglich.

Wer weiß, vielleicht geht die Strategie schon bald in diese Richtung. Zumal sich die Ansichten der Politik oft von Tag zu Tag ändern. So wurde der Beginn der Ausgangssperre auf 23 Uhr festgelegt, dann hieß es Mitternacht. Sicher, die Balearen-Regierung hat dem Druck der Gastronomie stattgegeben. Doch dass die Wirte nicht über die Ausgangssperre jubeln würden, hätte man auch einen Tag eher schon wissen können.

Wir sind in einer prekären Situation, für die niemand eine Lösung parat hat. Die Nachhaltigkeit der bisherigen Maßnahmen darf aber bezweifelt werden. Vielleicht gelingt es uns, die Zahlen wieder auf ein erträgliches Maß zu drücken. Dann aber warten wir erneut auf die nächste Welle. Es scheint, als würde die neue Normalität wirklich erst dann lebenswert, wenn es einen Impfstoff gibt.

Autor: Nils Müller

30

10 2020

Und plötzlich steht Mallorca wieder ganz anders da

Noch vor wenigen Wochen verdüsterte sich die Lage auf der Sonneninsel dramatisch: In Sachen Corona schossen die Ansteckungszahlen in die Höhe, mit einem Mal wurde Mallorca zum Risikogebiet erklärt. Es war damit eines der ganz wenigen, die es damals in Europa gab.

Für die Tourismusdestination war das verheerend. Denn ebenfalls erst wenige Wochen zuvor hatte man sich geöffnet und nach monatelangem Lockdown die ersten Urlauber begeistert willkommen geheißen. Hotellerie und Gastronomie, Airlines und Busunternehmer hatten sich ins Zeug gelegt und aufwendige Schutzmaßnahmen umgesetzt, um den Gästen gesundheitlich Sicherheit garantieren zu können. Die Saison lief vielversprechend an und man schöpfte in vielen Küstengemeinden der Insel die Hoffnung, mit lediglich einem „blauen Auge” die coronabedingte Wirtschaftskrise hinter sich lassen zu können.

Pustekuchen! Im September kam der Zustrom der Sonnenhungrigen aus Deutschland, England und Skandinavien abrupt zum Erliegen. Hatten die Inselbehörden versagt? Es gab zumindest Kritik an der bürokratisch verzögerten Übertragung der Covid-19-Infektionsdaten vom balearischen zum spanischen Gesundheitsministerium. Aber auch in Deutschland wurde mit zweierlei Maß gemessen: Dort erklärte man allenfalls einzelne Straßenblöcke oder Landkreise zum Hotspot. Mallorca hingegen – als Landmasse immerhin deutlich größer als Hamburg, Berlin oder das Saarland – wurde unverhältnismäßig und pauschal zur Gefahrenzone ernannt und dadurch geradezu stigmatisiert.

Jetzt hat sich die Entwicklung kurioserweise geradezu umgekehrt. Während in Deutschland und an vielen anderen Orten in Europa die Ansteckungszahlen in die Höhe schnellen, ist der Trend auf der Insel im Sinken begriffen. Das ist, zumindest für uns, die wir auf Mallorca leben, positiv. Positiv ist ferner, dass der Reiseveranstalter Tui – unter Einhaltung aller Sicherheitskonzepte – wieder Urlauber auf die Insel bringen möchte (S. 6) . Die Saison ist dadurch nicht mehr zu retten. Aber die Maßnahme ist ein Vertrauensbeweis für Mallorca.

Autor: Alexander Sepasgosarian

15

10 2020

Verzagen ist leicht

Während die Corona-Infektionszahlen derzeit wieder im Steigen begriffen sind, etwa in Madrid, in Frankreich und nicht zuletzt auch wieder in Deutschland, ist die Tendenz auf Mallorca am Sinken. Das kommt einem Lichtstreif am Horizont gleich. Ein – bei aller Vorsicht – gutes Gefühl: Es keimt die Hoffnung auf, dass irgendwann die Dinge wieder ins Reine kommen, beziehungsweise, dass die Situation im anstehenden Winter nicht allzu düster ausfallen möge.

Zuversicht vermittelt auch die Erkenntnis, dass die Infrastruktur der staatlichen Krankenhäuser auf der Insel nicht am Limit ist. Die Zahl der Intensivbetten war selbst auf dem Höhenpunkt der ersten Corona-Welle im April nicht ausgeschöpft. Und die zweite Welle, die auf Mallorca vor allem im August und September registriert wurde, lag von der Auslastung der Krankenhäuser sogar unter den Werten des Frühjahrs. Beruhigend also zu wissen, dass derzeit lediglich ein Viertel der Intensivbetten in den Kliniken wegen Covid-19 belegt sind. Die neuartige Corona-Ampel, die der balearische Wirtschaftszirkel ersonnen hat (S. 7) , steht in diesem Bereich auf grün. Die Lage in den Klinken wird von dem Gremium zudem als „exzellent” bezeichnet.

Klar nimmt man das als Bürger, der auf den Balearen lebt, gerne zur Kenntnis. Auch wenn man weiß, dass die Defizite vielleicht woanders liegen. Es mangelt nicht an Intensivbetten – der Engpass besteht eher beim Fachpersonal (S. 6) . Bleibt zu hoffen, dass die Politik in Zusammenarbeit mit Ärzteverbänden und Gewerkschaften hier rasch zu vertretbaren Lösungen findet. Wenn ein Gesundheitswesen gut funktionieren soll, muss es entsprechend finanziert werden.

Verzagen angesichts der vielen Probleme ist leicht. Nehmen wir uns also lieber ein Beispiel an jenen, die nicht aufgeben und für ihre Vorhaben kämpfen. So wie die Macher des Wirtschaftsforums „Neu Denken” (S. 29) . Oder so wie Sandra Lipski. Ungeachtet aller Widernisse will sie uns ein weiteres Mal mit ihrem Mallorca Evolution Filmfestival verzaubern (S. 26) . Dazu kann man nur sagen: Chapeau!

Autor: Alexander Sepasgosarian

08

10 2020

Hilfsbereitschaft kennt keine Nationalität

Die Corona-Krise hat einmal mehr offengelegt, wie viele Menschen auf Mallorca unterhalb der Armutsgrenze leben müssen. Und sie hat jene, die sich bisher knapp darüber hielten, sozial absteigen lassen. In einem Land, in dem es fast schon normal ist, ein „Mileurista” zu sein, also knapp über tausend Euro pro Monat zu verdienen, ist der Weg in die Armut ein kurzer. Darüber mag der wirtschaftliche Aufschwung nach der letzten Krise hinweggetäuscht haben. Doch spätestens jetzt ist sie mit voller Wucht zurück. Und es trifft nicht nur „die Armen”. Mittlerweile kennen viele von uns jemanden, der Schwierigkeiten hat, mit seinem Geld bis zum Ende des Monats zu kommen.

Umso wichtiger ist es, dass es Menschen gibt, die bereit sind zu helfen. Dass die Insel davon viele hat, ist in den vergangenen Wochen sehr klar geworden. Etliche Projekte haben es sich zum Ziel gesetzt, die Not der Menschen zu lindern. Das Schönste daran ist, dass diese Hilfsbereitschaft keine Nationalitäten kennt. Sie hat keinen Pass. Es sind Mallorquiner, Festlandspanier, Deutsche, Briten Skandinavier und manchmal sogar alle zusammen. Egal ob Lions Club, Immobilienunternehmen, gemeinnützige Vereine, Spitzenköche, Tennis-Stars oder Privatpersonen, die einfach nur anpacken – all diese Initiativen sind vorbildlich und sie zeigen einmal mehr: Der Zusammenhalt auf der Insel kann funktionieren, und zwar unabhängig von der Herkunft oder der Sprache, die man spricht. Er ist ein Beispiel für gelebte Solidarität, Gerade zwischen Deutschen und Mallorquinern.

Viele unserer Landsleute haben nicht vergessen, dass die Menschen, die jetzt Not leiden, zu einem Großteil jene sind, die uns normalerweise einen unvergesslichen Urlaub ermöglichen. Der Tellerwäscher im Hotel, das Zimmermädchen, der Busfahrer, der Bademeister, die Kellnerinnen und Kellner, der Rezeptionist.

Es ist schön zu sehen, dass es in Zeiten, in denen Rassismus und Populismus wieder Hochkonjunktur haben, immer noch Menschen gibt, die bereit sind, anderen zu helfen. Sie sollten uns allen Vorbild sein.

Autor: Patrick Czelinski

01

10 2020

Gezielter gegen das Virus vorgehen

Nachdem das Coronavirus eine kleine mediale Sommerpause eingelegt hatte, bestimmt es seit einigen Wochen mit deutlich steigenden Infektionszahlen erneut die Schlagzeilen in Spanien und auf den Balearen. Die Inselregierung hat mit neuen und verschärften Maßnahmen reagiert. Neben einer erweiterten allgemeinen Maskenpflicht gilt nun auch ein komplettes Rauchverbot im Freien, in Palma wurden zudem mehrere Stadtviertel mit besonders besorgniserregenden Fallzahlen abgeriegelt. Dieser gezielte Schritt scheint zu funktionieren, seit einigen Tagen ist im Problemviertel Son Gotleu keine neue Infektion bekannt geworden. Das Rauchverbot steht dagegen symptomatisch für das manchmal wenig fokussierte Vorgehen der Balearen-Regierung, bei dem eine vernünftige Mehrheit wegen einer rücksichtslosen Minderheit „abgestraft” wird. „Nicht jeder Barbesucher achtete vor dem Rauchverbot darauf, seinen Qualm – inklusive Viruspartikeln – anderen Gästen nichts ins Gesicht zu blasen”, erklärt Jordi Reina, Chefvirologe am Krankenhaus Son Espases in Palma, die Maßnahme. Auch dass nun selbst beim Flanieren an der Strandpromenade eine Maske getragen werden muss, lässt sich wohl weniger mit dem Infektionsrisiko begründen, sondern vielmehr als vorbeugende Disziplinarmaßnahme deuten.

Auf der anderen Seite wird auf wirklich risikoreiches Verhalten nicht ausreichend reagiert. Das gilt beispielsweise für die „Botellones”, bei denen Hunderte ohne Maske oder Abstand feiern, die Polizei taucht dennoch nur selten auf. Dass auch große Familientreffen ein recht hohes Ansteckungsrisiko bergen, scheint vielen Spaniern laut einer aktuellen WHO-Umfrage nicht bekannt. Hier täte weitere Aufklärung not, oder eine weitere Reduzierung der erlaubten Personenzahl von derzeit zehn. München hat es vorgemacht: Als dort vor wenigen Tagen die 7-Tage-Inzidenz (gemeldete Fälle pro 100.000 Einwohner) auf über 50 stieg, reagierte die Stadt schnell und untersagte Treffen von mehr als fünf Personen. Zum Vergleich: Auf den Balearen liegt die 14-Tage-Inzidenz aktuell bei 164,1.

Autorin: Maike Schulte

24

09 2020

Die Balearen-Regierung muss mit dem Zahlenchaos aufräumen

Transparenz vonseiten der Politik ist gerade in diesen Zeiten besonders wichtig. Leider lassen sowohl die Balearen als auch die spanische Zentralregierung diese – insbesondere im Zusammenhang mit den Infektionszahlen – in den vergangenen Wochen vermissen. Madrid fügt täglich mehrere Tausend Fälle der Gesamtstatistik hinzu, ohne zu erklären, wo diese herkommen. Und eine Touristenregion wie die Balearen sollte wissen, wie genau man im Ausland, insbesondere in den wichtigsten Quellmärkten Deutschland und Großbritannien, auf die Zahlen schaut, die die Inseln veröffentlichen. Kommt es hier zu Abweichungen zu den Daten aus Madrid, sollten die handelnden Behörden diese zumindest erklären. Das ist bis heute nicht Geschehen. Von „Verspätung bei der Datenübertragung” ist die Rede, von einem „trägen” System spricht man im Gesundheitsministerium, über einen „Informatikfehler” schreiben einige Medien.

Fakt ist: Das Datenchaos und die Reaktion der Zeitungen in Deutschland darauf sind ein enormer Image-Schaden für die Insel. Die Balearen-Regierung hätte hier von Anfang an transparenter vorgehen und ihre eigenen Inzidenz-Zahlen veröffentlichen müssen, anstatt am Ende zähneknirschend zuzugeben, dass diese höher liegen als von Madrid angegeben.

Unterdessen fährt der „Govern” weiter schwere Geschütze auf, versetzt nach dem Arbeiterviertel Son Gotleu (und den Nachbarbarrios Can Capes, La Soledat Nord und Son Canals) jetzt auch die bessere Wohngegend rund um die Stierkampfarena in eine mindestens 15-tägige Abriegelung. Allerdings: kontrolliert werden diese Maßnahmen bisher wenig. Zwar ist die Polizei präsent, von einer echten Abriegelung kann aber nicht die Rede sein. Und das ist auch gut so. Die Behörden sollten vielmehr durch Aufklärung weiter versuchen, das Bewusstsein der Menschen für Hygienemaßnahmen und Abstandsregeln zu schärfen. Man hat den Insel-Bewohnern mit den seit Wochen wieder strengeren Coronaregeln erst mal genug zugemutet.

Es ist und bleibt eine Gratwanderung. Die Politiker sind nicht zu beneiden.

Autor: Patrick Czelinski

Schlagworte:

17

09 2020

Der komplizierte Weg zur Corona-Stabilität

Die Coronalage auf Mallorca scheint sich nach wochenlang bedenklich hohen Zahlen langsam zu stabilisieren. Mehrere Male lag die 7-Tage-Inzidenz auf 100.000 Einwohner dieser Tage unter der 50-Personen-Marke, was ein Novum ist. Das lässt eine gewisse Hoffnung aufkeimen, zumal man den Trend ab dem kommenden Freitag mit lokalen Abriegelungsmaßnahmen unterfüttern will.

Es ist nun einmal so, dass nicht, wie von vielen gemutmaßt, die ausländischen Touristen die Zahlen nach oben trieben, sondern sorg- und zügellose Bewohner sozial eher problematischer Gegenden. Dass so mancher Einwohner im nun abgeriegelten Viertel Son Gotleu nicht unbedingt zu jenen Bürgern zählt, die sich voll und ganz obrigkeitshörig verhalten, hat sich in der Vergangenheit immer wieder mal gezeigt. Vielleicht zögerte die Regierung zu lange, hier durchzugreifen, denn die Tourismussaison musste wegen der Reisewarnungen mehrerer Länder, darunter Deutschland, vorzeitig beendet werden.

Bei anderen Maßnahmen scheint man nach der Meinung vieler Menschen übers Ziel hinaus geschossen zu sein. Was soll die Anordnung, auch dort Masken zu tragen, wo weit und breit kein anderer Passant zu sehen ist? Was soll das mitunter allzu strenge Verhalten von Polizisten gegenüber Bürgern? Das alles hat nur allgemein zunehmenden Groll zur Folge.

Ungeachtet dessen kann man der Regional-Regierung unter Francina Armengol nicht vorwerfen, uneffektiv zu handeln. Denn es tut sich nun einmal was. Parallel dazu versucht das spanische Außenministerium, auch mit Deutschland quarantänefreie Luftkorridore auszuhandeln. Sollte das in absehbarer Zeit gelingen, wäre das Reisen wieder völlig unproblematisch. Und sollte die 7-Tage-Inzidenz weiter unten bleiben und die Reisewarnung aufgehoben werden, kann der in Deutschland immer unbeliebtere Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) nicht mehr wie unlängst laut empfehlen, die Herbstferien in Deutschland zu verbringen. Wer will schon unter grauem Himmel durch die Gegend schreiten, während man parallel auf Mallorca noch immer baden kann!

Autor: Ingo Thor

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10

09 2020

Mallorca kann wieder aufblühen – aber wann?

Wer die Entwicklung Mallorcas während der vergangenen Jahre und Jahrzehnte beobachtet hat, der darf auch jetzt sicher sein: Die Insel wird zu alter Stärke zurückfinden. So wie es ihr einst gelang, das Image der „Putzfraueninsel” abzuschütteln, die Wirtschaftskrise von 2008 zu überstehen und in deren Folge sogar zu der Boom-Insel im Mittelmeer zu werden, so wird „Sa Roqueta” auch die Coronakrise hinter sich lassen – die Frage ist nur wann.Die Hoteliers werden nicht müde, den Herbst zu beschwören. Würde die Bundesrepublik ihre Reisewarnung aufheben, so stünde einer Wiederbelebung des Geschäfts nichts mehr im Wege. Man könnte auf diese Weise retten, was zu retten ist. Aber ist das auch realistisch? Jein.

Sollten die Infiziertenzahlen auf Mallorca und den Nachbarinseln weiter sinken und die 7-Tage-Inzidenz über mehrere Tage hinweg deutlich unter der kritischen Schwelle von 50 Fällen pro 100.000 Einwohnern liegen, ist nicht ausgeschlossen, dass die deutschen Behörden die Reisewarnung zurückziehen. So schnell wird das allerdings nicht passieren. Denn nach vergleichsweise niedrigen Corona-Zahlen am Wochenende und am Dienstag wurden am Mittwoch erneut mehr als 300 Neuinfektionen auf den Balearen gemeldet. Derzeit bleibt also allen, die wirtschaftlich unter dieser Krise leiden, nur abzuwarten und zu hoffen, dass es den Behörden irgendwie gelingt, die Infektionszahlen nach unten zu drücken.

In der Zwischenzeit tun die Verantwortlichen auf der Insel gut daran, tragfähige Konzepte für den Tourismus zu entwickeln, den man sich auf Mallorca für die Zukunft wünscht. Dieses Eiland bietet alles, was sich Urlauber von einem Reiseziel wünschen: Sonne, Strand, eine hervorragende Gastronomie, tolle Hotels, Kunst, Kultur, Geschichte, Natur und Sport. Dass sie also wiederkommen werden, steht außer Frage. Die Frage ist nur: Will man dann wirklich zurück zum Konzept der Masse? Soll der Erfolg nur dann gewährleistet sein, wenn Millionen von Urlaubern die Insel überrennen? Diese Diskussion wird wieder aufkommen, spätestens dann, wenn die Coronakrise weitgehend überwunden wurde.

Autor: Patrick Czelinski

Schlagworte:

03

09 2020

Mehr Kontrolle und weniger Zahlensalat

Kaum steigen die Corona-Zahlen wieder, fühlt man sich in die Zeit der Ausgangssperre zurückversetzt. Als die Politiker der Zentralregierung uns ein ums andere Mal mit verwirrenden Regeln konfrontierten, deren Umsetzung bisweilen schwierig, ihr Nutzen manchmal zumindest zweifelhaft war. Jetzt hat Madrid den „Schwarzen Peter” den Regionalregierungen zugeschoben. Und die balearische Ministerpräsidentin Francina Armengol reagierte prompt und präsentierte am Mittwoch ein Maßnahmenpaket, das gegen die weiter steigenden Coronazahlen endlich Wirkung zeigen soll.

Getreu dem Motto „viel hilft viel” regnet es jetzt nach dem Gießkannenprinzip Verschärfungen in vielen Bereichen. Ob nun aber ausgerechnet eine Maskenpflicht am Uferboulevard und ein Rauchverbot auf einer Café-Terrasse die Weiterverbreitung des Virus eindämmen können, ist fraglich – zumindest die Obergrenze für private Feiern, bei denen sich besonders viele Menschen mit dem Virus anstecken, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Wichtiger wäre aber, die bereits jetzt geltenden Maßnahmen endlich strenger zu kontrollieren und Zusammenkünfte vieler Menschen, beispielsweise Trinkgelage Jugendlicher, konsequent aufzulösen. Hier galt bisher: Polizei? Fehlanzeige!

Auch an Transparenz mangelt es. Wie kann es sein, dass an einem Tag 900 Fälle nachgemeldet werden müssen, von denen nur zehn (!) durch PCR-Tests in den letzten 24 Stunden nachgewiesen wurden? Hier muss die Regionalregierung auf jeden Fall nachbessern, ebenso bei den teils unhaltbaren Zuständen in den Gesundheitszentren.

Die Frage, ob noch Urlauber auf die Insel kommen, ist aufgrund der aktuellen Entwicklungen in den Hintergrund gerückt. Fast schon befremdlich mutet es an, dass die Regierung, die jetzt das soziale Leben wieder herunterfährt, noch vor wenige Tagen „sichere Korridore” mit Deutschland etablieren wollte. Der „Govern” wirkt momentan leider etwas kopflos und nervös – das ist aber auch nur allzu verständlich, bei all dem, was für Mallorca auf dem Spiel steht.

Autor: Patrick Czelinski

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27

08 2020

Ein bisschen mehr Fingerspitzengefühl, bitte!

War die Reisewarnung wirklich notwendig? Geht man nach den nackten Zahlen, ja. In diesem Fall war es richtig, für ganz Spanien Alarm zu schlagen. Schon länger liegt die Sieben-Tage-Inzidenz bei deutlich mehr als 50 Corona-Fällen pro 100.000 Einwohner, sowohl im landesweiten Schnitt als auch auf den Balearen. Und dennoch: Dass die deutschen Behörden im Falle von Mallorca nicht mit ein wenig mehr Empathie vorgegangen sind, erstaunt. Erstens, weil auf der Insel insbesondere Palma, kaum aber der ländliche Raum betroffen ist – vielleicht hätte es auch eine Reisewarnung nur für die Inselhauptstadt getan.

Zweitens, weil Deutschland mit Mallorca deutlich enger verbunden ist als mit anderen Gegenden Spaniens – Millionen von Bundesbürgern lieben und schätzen die Insel, verbringen hier Jahr um Jahr eine unbeschwerte Zeit, kommen immer wieder aufs Neue zurück oder werden hier sogar ganz sesshaft. Und nicht zuletzt drittens: Weil die Insel in den vergangenen Monaten hervorragende Arbeit geleistet hat. Exzellente Hygienekonzepte in den Hotels, ein Pilotprojekt, das man durchaus als „Coup” bezeichnen kann und bei dem sich die Region zu allererst den Deutschen geöffnet hat, noch bevor die eigenen Landsleute vom Festland kommen durften – ein Treuebeweis! Darzulegen, dass man diese Gesichtspunkte zumindest abgewogen hat, wäre schön gewesen. Stattdessen holen deutsche Politiker und selbsternannte Gesundheitsexperten Tag für Tag das alte Bild von wilden Partys am Ballermann heraus, jener Feiermeile, die doch seit Monaten brach liegt. Es ist erschreckend, dass sie blind glauben, was deutsche Boulevard-Zeitungen berichten.

Mallorca holt hier leider der eigene Ruf ein, was zu einem ziemlich unwürdigen Spektakel führt. Ein wenig mehr Fingerspitzengefühl wäre angebracht gewesen. Denn wer Ruhe sucht, auf die Hygiene achtet und Menschenansammlungen meidet, kann auf Mallorca auch jetzt noch einen schönen und sicheren Urlaub verbringen. Vielleicht wesentlich entspannter als an überfüllten Alpenseen oder dicht gedrängt am Nordseestrand.

Autor: Patrick Czelinski

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08 2020