Der Wahlkampf der „zwei Spanien” überschattet die Ostertage

Eine Karikatur in der spanischen MM-Schwesterzeitung „Ultima Hora” brachte es jüngst auf den Punkt: Sie zeigte Jesus Christus, wie er sich auf dem Passionsweg mit seiner Last abplagt. Doch statt des Kreuzes hatten ihm die Zeichner eine riesige Wahlurne aufgebürdet.

In Spanien ist es ein Kreuz mit dem Kreuzchen auf dem Wahlzettel. Sowohl auf dem Festland als auch auf den Balearen hat sich das Parteienspektrum in diverse Formationen aufgefächert, das Aufkommen neuer Bewegungen erschwert die Regierbarkeit des Königreichs – das Minderheiten gerne in eine Republik umwandeln möchten – seit wenigen Jahren zusehends.

Es sind ebenso spannende wie angespannte Zeiten, der Wahlkampf überschattet auch die anstehenden Osterfeiertage. Politisch wirkt Spanien so geteilt wie in vergangenen, unrühmlichen Zeiten. Die „zwei Spanien”, die schon der Dichter Antonio Machado in seinem epochalen Gedicht voller Verzweiflung beschrieb, stehen sich einmal mehr als zwei Lager gegenüber – ungeachtet der Zersplitterung der Parteistrukturen im Links- beziehungsweise im Rechtsblock. Und mit jedem verbalen Schlagabtausch scheint sich die Kluft weiter zu vertiefen.

Das Aufmarschieren der jüngeren Protestparteien an den Rändern des Parteienspektrums hat auch damit zu tun, dass die bisherigen Volksparteien zu keiner Zeit gewillt waren, zum Wohle des Gemeinwesens in einer gemäßigten Mitte zusammenzufinden. Konservative und Sozialisten lösten einander stets im Zickzackkurs ab. Was eine Seite vorbaute, baute die andere wieder zurück und umkehrt. Auch jetzt, wo die alten Volksparteien an ihren Außenrändern ausfransen, scheinen Bündnisse in Form von „großer Koalition”, wie es sie teilweise in Europa gibt, in Spanien nach wie vor undenkbar zu sein.

Doch abseits aller Politik geht das reale Leben seinen Gang. Palma ist in diesen Tagen voller Urlauber und Residenten, alle freuen sich auf ein paar unbeschwerte Inseltage. Es sei allen vergönnt – hoffentlich ohne Airportstreiks, Regen und andere Ärgernisse. In diesem Sinne: Frohe Ostern!

Autor: Alexander Sepasgosarian

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04 2019

Der zwischen den Welten wandelt

Wohl jeder Mallorca-Urlauber, der in den vergangenen Jahren in Cala Rajada war, hat schon einmal ein Werk von Gustavo gesehen. Genauer gesagt zwei. Denn die beiden riesigen Wandbilder an der Hafenmauer fallen nun einmal ins Auge. Zurzeit stehen auch noch etliche Gustavo-Skulpturen auf dem Hafenboulevard.

Während diese im Herbst wieder abgebaut werden, hat sich der Künstler, der an diesem Donnerstag, 11. April, seinen 80. Geburtstag feiert, mit den Wandkeramiken schon sein Denkmal gesetzt. Es ist bereits das zweite. Das erste befindet sich in Berlin, wo Gustavo ab 1976 knapp zwei Jahrzehnte zu Hause war. Und wo sein Herz immer noch zum Teil wohnt. Touristen und Einheimische in der deutschen Hauptstadt kennen das Gustavo-Haus im Bezirk Lichtenberg. Dabei handelt es sich um ein saniertes Platten-Hochhaus, an dem seit 1999 riesige Figuren des Spaniers zu sehen sind. Berlin vergisst Gustavo nicht und Gustavo vergisst Berlin nicht. Wann immer es ihm seine Zeit erlaubt, informiert er sich mit der „Abendschau” über die Geschehnisse an der Spree.

Gustavo bereichert Mallorca. Nicht nur mit seiner Kunst, dieser unverwechselbaren Bildsprache, sondern auch als Mensch, der stets bescheiden daherkommt und sich auch im gesetzteren Alter eine gewisse Portion Neugierde erhalten hat. Er ist einer, der zwischen den Welten wandelt. Einerseits der Mallorquiner, der er zwar nicht von Geburt an war, zu dem er aber später wurde. Aber auch ein wenig deutsch. Weil er so lange in Berlin lebte und eine deutsche Frau hat, weiß er, wie die Alemanes ticken. Zudem kommt ein ganz großer Teil der Kunstliebhaber, die seine Werke schätzen und sie erwerben, aus Deutschland.

Zu den zwei Denkmälern soll sich noch ein drittes gesellen, wenn es nach dem Geburtstagskind geht: ein eigenes Gustavo-Museum auf Mallorca. Das schafft er nicht alleine. Die öffentliche Hand muss mitmischen, das Geld wäre gut angelegt. Vielleicht ergibt sich ja auch hier ein deutsch-mallorquinischer Schulterschluss wie schon bei der Finanzierung der Wandbilder im Hafen.

Gustavo bleibt zu wünschen: „Molts d’anys!”, wie man hier sagt – „Viele Jahre!”

Autor: Nils Müller

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04 2019

Neue Modelle für das Alter müssen her

Es gibt die sprichwörtliche Residenten-Leber. Sie entsteht durch erhöhten Alkoholkonsum über längere Zeit. Nicht selten ist Einsamkeit ein Grund, um zum Glas zu greifen. Denn Mallorca ist auf der einen Seite Sehnsuchtsort: Sonne, Strand, die abgeschiedene Finca auf dem Lande, hier ein leckeres Essen, dort ein teures Gläschen. Doch für junge und ältere Auswanderer kann Mallorca auf der anderen Seite auch Ort der Schwermut werden. Wenn der Winter sich über die Insel legt, kein Besuch auf die einsame Finca kommt. Mangelnde Sprachkenntnisse sowie wenig Kontakt zu Nachbarn und Dorfgemeinschaft tun das Ihre zum Alleinsein dazu. Einsamkeit ist auch eine Frage der Integration.

Die mallorquinische Gesellschaft ist nach wie vor von ihren familiären Strukturen geprägt. Die Großeltern kümmern sich um die Enkel, die Kinder um ihre Eltern. Einsam sind hier die Menschen seltener als in der Heimat. Familienstrukturen sind auch nötig, weil das soziale Netz grobmaschiger als in Deutschland ist.

Die günstigen Plätze in den kommunalen Altersheimen auf Mallorca sind rar, das Angebot der Pflegedienste ist begrenzt. Gerade im Alter gehen das Alleinsein und Pflegebedürftigkeit Hand in Hand. Residenten auf Mallorca werden nun selbst tätig, um dem Gespenst der Einsamkeit zu begegnen. Neue Modelle müssen her. Mallorca-Liebhaber denken über eine Senioren-WG nach. Die Stiftung Herztat hilft über ein Patenprogramm Alleinstehenden.

Solche Angebote sind ein Anfang, allerdings keine Alternative zu einer wohlüberlegten Auswanderung. Mag es zunächst romantisch klingen, den Lebensabend auf der einsamen Finca zu verbringen. Doch ohne Kenntnisse der mallorquinischen oder gar spanischen Sprache kann das Rentenalter schnell einsam werden. Wer Hilfe oder Begleitung benötigt, braucht sich nicht zu scheuen, Nachbarn oder Bekannte danach zu fragen. Denn häufig reagieren die Mallorquiner sehr offen und reichen eine helfende Hand – und sei es auch vielleicht nur, um mal die Einkaufstasche zu tragen.

Autorin: Claudia Schittelkopp

04

04 2019

Was lange währt, kann am Ende vielleicht gut werden

Spanien ist noch immer ein Land, in welchem die Uhren grundanders als in Mittel- oder Nordeuropa gehen. So ist das Wort Flaschenpfand im Bewusstsein der Menschen quasi nicht vorhanden. Doch immerhin: Warf man früher den Müll im Allgemeinen und Plastikobjekte im Besonderen ohne jegliches Umweltbewusstsein einfach in die Landschaft, trennt man diesen heute zunehmend. Und noch etwas: Dass das Pfand – wie im Januar geschehen – überhaupt auf den Balearen in das Gesetz einer Autonomieregion als Möglichkeit aufgenommen wurde, ist fast schon sensationell.

Dennoch: Wer glaubt, auf der ganzen Insel würden jetzt wie zuletzt in Porreres Flaschenpfandautomaten noch und nöcher installiert, der irrt. Bei dem, was aufgestellt wurde, handelt es sich lediglich um Appetit-Häppchen, um potenziell lernwillige Menschen überhaupt an die Thematik heranzuführen. In diesem Zusammenhang muss eines angeführt werden: Ungeachtet eines gewissen allgemeinen Langmuts in Öko-Fragen ist es löblich, dass es die Online-Vereinigung „für ein Meer ohne Plastik” gibt. Die Mitglieder bemühen sich seit bereits geraumer Zeit, anders als die meisten Gemeinden geradezu auf rührige Weise, baffe Insel-Pennäler in Schulen oder Dorfbewohner von den Vorteilen der schönen neuen Pfandwelt nach deutschem Vorbild zu überzeugen.

Doch aufgepasst! Sollte bis Ende 2020 die von der EU verlangte Recyclingquote von 50 Prozent auf den Balearen erreicht werden, wird’s erst mal nichts mit dem großen Sprung nach vorn an der Flaschenfront. Das haben die geschickt agierenden Lobbyisten der spanischen Flaschenindustrie und des Einzelhandels dem auf Mallorca regierenden Linksbündnis abringen können.

Die Sache mit dem Pfand ist also schwierig auf Mallorca. Es lohnt sich deshalb, auch die fast zögerlichen kleinen Schritte, die getätigt werden, enthusiastisch zu würdigen. Denn wie formulierte es der gute alte Johann Wolfgang von Goethe? „Wer sichere Schritte tun will, muss sie langsam tun.”

Autor: Ingo Thor

29

03 2019

Mallorca ist eben keine „normale“ Insel

Mode ist ein Thema, das nie allen gerecht wird. Zu teuer, zu verschwenderisch, zu oft an der Normalbevölkerung vorbei – heißt es. Auf Mallorca ist wie immer alles anders. Das Eiland vereint in puncto Mode viele Facetten. Mir fällt immer wieder auf – beruflichen oder privat bei Tag oder Nacht –wie originell sich viele Mallorquiner kleiden und wie hochwertig das Getragene wirkt. Über den Preis lässt sich natürlich streiten. Aber eine kleine Boutique produziert eben anders als eine weltweit agierende Großhandelskette. Boutiquen halten sich in Palma an jeder Ecke, während sie sich in anderen Städten schon den „Großen” geschlagen geben müssen. Unikate kommen an.

Gegen Verschwendung kämpfen vor allem mallorquinische Nachwuchs-Designer. Da werden Öko-Kleider in einem kleinen Atelier genäht und beim Nachbarn um die Ecke produziert (S. 53) . Genau wie kreative Köpfe, die es mit abgedrehten Kollektionen, die dabei noch ganz nachhaltig aus recycelten Produkten bestehen, in Modemagazine wie „Vogue” schaffen (S.54) . Gefördert wird dieses Umdenken noch zu wenig, für die Designer bleibt oft nur eine kleine Gewinnmarge. „Upcycling” ist angesagt, aus Alt mach Neu (S. 20) , Schneider-Wettbewerbe sollen die Bevölkerung über „ihre” Mode mitbestimmen lassen. Mit ausgefallenen Ideen und außergewöhnlichen Models bekommt die Insel internationale Aufmerksamkeit. Eine Mallorquinerin etwa war im Februar das erste taubblinde Model, das über den Catwalk in Mailand flaniert ist.

„Normale” Mode gibt es nicht, denn Kleidung ist Ausdruck verschiedener Persönlichkeiten. Mode muss mit dem Menschen gehen. Unsere Körper verändern sich ebenso wie unsere Gesellschaft. Deshalb wird auf der Insel seit Jahren eine „Miss Curvy” gekürt und am „Mallorca Design Day” in Puerto Portals eine Kategorie für große Größen ausgelobt. Auch deutsche Inselresidenten setzen augenscheinlich nicht auf Funktionsjacke und Trekkingschuhe. Der Mallorca-Auswanderer mag es individuell, oft exzentrisch. Perfekt auf einem Eiland, das sich in stetem Wandel befindet. Mallorca ist eben keine „normale” Insel.

Autorin: Diana Serbe

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03 2019

Mallorca-Kritik fordert ihren Tribut

Die jährlich im März stattfindende weltgrößte Touristikmesse ITB in Berlin geht für Mallorca mit einer klaren Erkenntnis zu Ende: Es muss gehandelt werden. Negatives Medien-Image, enorme Preissteigerungen, „Übertourismus” – seit einigen Jahren herrscht ein regelrechtes „Mallorca-Bashing” in Deutschland, das nun seine Auswirkungen zeigt. Zwar steuert die Balearen-Regierung schon seit Längerem mit allen Mitteln dagegen an und zeigt mit Kampagnen, dass Mallorca mehr ist als nur „Sonne und Strand”. Um die Touristen, die auf der Insel investieren und mit dem Erhalt von Kulturgütern zur Nachhaltigkeit beitragen, zu binden, oder auch um eine neue Klientel anzuziehen, laufen bereits die ersten Aktionen. Einschränkungen beim Thema Alkoholkonsum an der Playa de Palma, Aufwertung von Hotels in höhere Kategorien. Die „wunden Punkte” des ungewollten Mallorca-Images, das sich hartnäckig in den Köpfen vieler Deutscher hält, versucht man, mit allen Mitteln loszuwerden. Das passt nicht jedem und das wird teils harsch an die Urlauber herangebracht. Auch in Berlin setzen die Politiker weniger auf emotionale Gründe, sondern stellen pragmatisch alle Ziele vor. Man bewirbt Mallorca als Ganzjahresziel für weltoffene und kulturell interessierte Touristen. Von Schwachstellen keine Rede. Dennoch sind Touristen nicht die treusten, wenn es um die Wahl ihres Jahresurlaubs geht. Da zählen überzeugende Argumente: Gutes Wetter, feiner Sandstrand, guter Service und vor allem: guter Preis. Letzteres ist bei Buchungsentscheidungen oft das Zünglein an der Waage. Und so viel Mallorca zu bieten hat: Erste Preissenkungen der Hoteliers sind nun die Notbremse und ein Zugeständnis, dass der Preiszuschlag nach der Krise möglicherweise über das Ziel hinausgeschossen ist. Mallorca ist ein wunderbares Eiland für die, die hinter die bekannte Fassade schauen und wissen, dass man hier durchaus Weltflair in der Luft spürt. Die Alteingesessenen bestätigen, wie positiv sich besonders die Inselhauptstadt Palma in den vergangenen Jahren zur europäischen Metropole gewandelt hat. Eine unvergleichbare Insel für alle, die eben mehr als Meer suchen.

Autorin: Diana Serbe

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03 2019

In ein paar Wochen kann alles ganz anders sein

Seit Mittwoch tummeln sich auf der ITB in Berlin wieder die Touristiker. Unternehmen werben um Kunden, die Reiseziele um Urlauber. Der ein oder andere Balearen-Vertreter ist in diesem Jahr mit gemischten Gefühlen an die Spree geflogen. Buchungsrückgänge und wiedererstarkende Konkurrenzziele haben bereits vor Beginn des Sommers erste Schatten auf die anstehende Saison geworfen. Wie das Geschäft 2019 tatsächlich laufen wird, vermag noch niemand zu sagen. 

Sicher ist zumindest eines: Die Insel ist und bleibt eine Top-Destination im Mittelmeerraum. Eine solche Fülle an Angeboten auf so kleinem Raum ist einzigartig. Natürlich ist Mallorca nicht die Türkei. All-Inclusive zu Dumping-Preisen, wie es sie derzeit in dem von einer Rezession bedrohten Land gibt, sind hier zur Seltenheit geworden. Die Preise haben in den vergangenen Jahren angezogen, die Touristensteuer „Ecotasa“ tut ihr Übriges. Gleichzeitig aber muss sich auf Mallorca niemand davor fürchten, am Flughafen festgenommen zu werden, nur weil er sich regierungskritisch äußert. Auch hier gilt: Mallorca ist eben nicht die Türkei. Das Eiland ist international und weltoffen. Und genau so wird es sich auf der ITB präsentieren, das ist quasi Pflicht. Zu viele Negativmeldungen hat es in den vergangenen Wochen gegeben. Nicht wenige Experten sind der Meinung, der regierende Linkspakt habe mit Projekten wie der Urlaubersteuer und der Kampagne „Better in Winter“ Touristen vergrault. 

Umso gespannter blicken die Tourisitker nun auf das Frühjahr. So wird nicht nur am 28. April eine neues Parlament in Madrid gewählt, einen Monat später stehen auch Regional- und Kommunalwahlen an. Nach derzeitigem Stand der Dinge ist alles offen. Sollte es aber zu einem Regierungswechsel kommen, dann – das weiß man aus Erfahrung – wird ohnehin wieder vieles umgekrempelt – gerade im Tourismussektor. Projekte wie die Kurtaxe wären dann vielleicht wieder Geschichte.

Ob es anschließend wieder einen Boom geben wird? Nicht abzusehen. Allzuviele Gedanken aber muss man sich auf Mallorca nicht machen. Die Insel ist und bleibt ein Urlaubsziel, das seinesgleichen sucht.

Autor: Patrick Czelinski

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07

03 2019

Raus aus den Parallelwelten, rein in die Verschmelzung

Mallorca ist eine Insel der Kleinst-Parallelgesellschaften. Ob Deutsche, Briten, Argentinier, Marokkaner, Kolumbianer und so weiter – jeder wurschtelt für sich herum, zusammen kommt man trotz der sehr eingeschränkten Geographie von Ausnahmen abgesehen nur eher zufällig, etwa im Mercadona-Supermarkt oder in der famosen Johannisnacht am Strand. So international die Insel auf den ersten und auch zweiten Blick scheint, auf so national miniaturhafte Weise geht es in Wirklichkeit in der Regel zu.

Was ja auch nicht verwundert, denn nur wenige beherrschen gleich mehrere auf der Insel geläufige Sprachen. Wenn sich unterschiedliche Kulturen auf osmotische Weise vermischen, dann geschieht das denn auch nur selten. Es passiert etwa dann, wenn wie am kommenden Wochenende wieder die Karnevalszüge durch und durch jeck durch die Dörfer ziehen.

Dann schlägt die Stunde der paar Hundert Bolivianer, die hier seit vielen Jahren leben und ansonsten kaum in Erscheinung treten. Dann erfahren auch deutsche Michel und mallorquinische Ensaimada-Esser, dass es in dem entlegenen Andenstaat Tänze, Bräuche und Regionen unterschiedlichster Art gibt ( siehe Seite 19 ). Und umgekehrt lernen Lateinamerikaner und Spanier, dass es sogar lustige Deutsche gibt ( siehe Seite 20 ). Oder wer hätte gedacht, dass ein gewisser Michael Bohrmann sein Leben hier lebt, der richtig spaßig drauf ist und auch bei einem fidelen Umzug in Boliviens brasilianischster Stadt Santa Cruz de la Sierra den von allen beneideten Zampano abgeben könnte?

Es ist Mallorca zu wünschen, dass das weiterhin parallelgesellschaftliche Dasein zumindest in groben Zügen aufgeweicht wird. Dann kann man hier unter Beweis stellen, dass die in Europa momentan wieder von verantwortungslosen Politikastern popularisierten Nationalismen nur eines sind, also nerviger Kokolores. Und dass eine friedlich-fröhlich-ungezwungene Verschmelzung unterschiedlicher Nationalitäten wunderbar möglich ist.

Autor: Ingo Thor

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02 2019

Generelle Alkoholverbote wären ungerecht

Es ist radikal, was Sicherheits- und Suchtexperten jüngst auf einer Fach-Konferenz in Anwesenheit der sicherlich hoch erfreuten sozialistischen Balearen-Ministerpräsidentin Francina Armengol forderten: Angesichts der bekanntermaßen zahllosen Sauftouristen auf der Insel sollte man den Alkohol auf Flughäfen oder in Flugzeugen generell verbieten. Anwohner an der berüchtigten Playa de Palma äußerten wenig später, dass einige Straßen dort bitte alkoholfrei gehalten werden müssten.

Fluggesellschaften wie Eurowings sehen das Ganze dagegen geschmeidiger: Man habe es bisher immer hingekriegt, an- oder betrunkene Passagiere im Zaum zu halten, so ein Sprecher. Man rede und habe Erfolg. Ein generelles Verbot sei deswegen nicht sinnvoll, schließlich wolle man den Fluggästen das Urlaubsvergnügen nicht verhageln.

Wie wahr! Die Lösung liegt wohl zwischen alledem: Dass die Polizei in einigen Ballermann-Straßen dafür sorgen soll, dass die üblicherweise dort absteigenden Youngster nicht zu viel trinken, ist nachvollziehbar. Schließlich gibt es dort jede Menge total normale Menschen, die einfach nur in Ruhe leben möchten. Es würde sich lohnen, dort durchzugreifen: Denn Deutschen von oben herab den Knüppel nur leicht in den Nacken zu rammen, hat in der Geschichte, wie man weiß, immer gefruchtet. Das unterscheidet die Ballermann-Gäste von den bekanntlich ausrastungsfreudigeren und nicht so autoritätsfixierten Briten.

Bei Flughäfen und Flugzeugen sieht die Sache anders aus: Die meisten Menschen, die sich dort aufhalten, sind keine Rülpser und Randalierer. Wenn diese Leute zwei oder drei Gläser Wein trinken, führt das in der Regel nicht zu Unruhe oder gar Schlägereien. Wegen einer saufenden lauten Minderheit, wie in Palma unlängst geschehen, laut nach Verboten zu blöken, ist angesichts dessen einfach nur autoritär – oder besser gesagt, so tourismuskritisch wie die derzeitige Balearen-Regierung halt ist, der die Teilnehmer der Expertenkonferenz offenbar gefügig nach dem Munde redeten.

Autor: Ingo Thor

21

02 2019

Der Wandel mit den winzigen Schritten

Früher hatte an der Playa de Palma nahezu jedes Hotel im Winter geöffnet. Das ist aber schon Jahrzehnte her. Damals war es für deutsche Langzeit-Urlauber billiger, die kalten Wochen und Monate auf Mallorca zu verbringen, als in Deutschland den Heizöltank auffüllen zu lassen. Dass die Hotels damals keine Heizungen hatten, das war den abgehärteten Rentnern, die als junge Menschen die Kriegs- und Nachkriegswinter überstanden hatten, ziemlich egal.

Dann kamen neue Destinationen wie die Kanaren und die Karibik hinzu, der Fortschritt in Spanien und der spätere Euro verteuerten ihrerseits die Urlaube auf Mallorca. Immer mehr Hotels schlossen im Winter ganz, so dass vor etwa zehn Jahren und im Zuge der Wirtschaftskrise vieles dicht war. Tote Hose. Alle waren sich einig: Das kann so nicht weitergehen.

Dann, vor etwa fünf Jahren, wurden die ersten – zum Teil angejahrten – Hotels für viele Millionen Euro modernisiert, teils sogar ausgebaut oder aufgestockt. Selbst Neubauten im Fünf-Sterne-Bereich wuchsen aus dem sandigen Boden empor.

Das trägt heute Früchte: Nicht wenige dieser aufgehübschten Übernachtungsunternehmen halten im Winter ihren Betrieb aufrecht und begrüßen Gäste – auch wenn es ihrer längst nicht so viele sind wie im Sommer. Dieser Wandel ist positiv für die Strandmeile, auch wenn weiterhin viele Gastronomen und Einzelhändler es vorziehen, im Winter zu pausieren.

Was an der Playa de Palma hingegen nicht positiv ist, fällt bei jedem Schritt und Tritt ins Auge: Der Straßenbelag ist erschütternd, manche Häuserfassaden mit ihren heruntergekommenen Wohnungen und Läden samt der verlotterten Billig-Deko lassen Dritte-Welt-Assoziationen aufsteigen. Das zeigt: Der Lokalpolitik hat es sichtlich am Gestaltungswillen und an Investitionen gefehlt. Auch viele Probleme im Bereich der Kleinkriminalität sind ungelöst. Der Wandel an der Playa de Palma, er kommt bei Weitem nicht so voran, wie man es der Tourismusmeile wünschen würde. Und dennoch: Allen Schattenseiten zum Trotz ist ein Spaziergang auf der Meerespromenade bei Sonnenschein gerade im Winter ein grandioses Erlebnis.

Autor: Alexander Sepasgosarian

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02 2019