Ganz schön teuer hier

Als Gentrifizierung bezeichnet man den sozioökonomischen Strukturwandel großstädtischer Viertel durch eine Attraktivitätssteigerung zugunsten zahlungskräftigerer Eigentümer und Mieter und deren anschließenden Zuzug. Damit verbunden ist oft der Austausch ganzer Bevölkerungsgruppen. Besser kann man die Entwicklung von Santa Catalina nicht beschreiben.

Sicher, der Wandel hat dem einst armen Fischerviertel, das auch für den Drogenhandel bekannt war, grundsätzlich gutgetan. In dem Barrio hat sich eine lebhafte Bar-, Café- und Gastroszene angesiedelt, die (vergleichsweise teure) Markthalle ist zum Hotspot für Gourmets und Schaumweinfreunde geworden, von der Verbesserung der Bausubstanz und den unzähligen Renovierungen gar nicht erst zu sprechen. Gleichzeitig aber hat die Aufwertung des Quartiers einen Segregationsprozess in Gang gesetzt, der ihm nach und nach seinen Charme von einst zu nehmen droht. Die Zeiten, in denen Einheimische und Zugewanderte Tür an Tür lebten und Eck-Kneipe und Schlemmertempel in friedlicher Koexistenz hungrige Mäuler stopften, sind vorbei. Santa Catalina ist heute vor allem eines: teuer! Die Mieten sind für Einheimische ebenso wie für Zugezogene mit „normalem” Einkommen kaum noch bezahlbar, von den Kaufpreisen ganz abgesehen. Die Preissteigerungen sind dabei nicht auf den Zuzug alleine zurückzuführen, auch die Immobilienspekulation hat zu einer extremen Teuerung geführt, und dabei sind zahlreiche Häuser und Wohnungen in der Hand ausländischer Besitzer nur wenige Wochen im Jahr bewohnt – es ist verständlich, dass das viele mallorquinische Einwohner wütend macht, die abwandern mussten und müssen. Wütend machen übrigens auch die Unsummen, die man mittlerweile in manch einem Lokal für einen Teller Nudeln, ein Stück Fleisch oder ein paar „Tapas” hinlegen muss. Ja, das sind die Gesetze der freien Marktwirtschaft – dem Viertel aber wird diese Situation auf Dauer nicht guttun. Denn so wird irgendwann selbst die zahlungskräftigste Klientel abwandern und sich neue, hippe Barrios suchen. Die Frage wird dann sein, was vom In-Viertel übrig bleibt.

Autor: Patrick Czelinski

10

01 2019

Wir stellen uns den Herausforderungen und der Verantwortung

Eine Jahresbilanz für 2018 zu ziehen, ist für uns, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Mallorca Magazins, diesmal eine schmerzliche Angelegenheit. Der Tod unseres langjährigen Chefredakteurs vor knapp zwei Monaten steckt uns nach wie vor in den Knochen. Bernd Jogalla war ein geschätzter Vorgesetzter und liebenswerter Mensch, ein Freund seiner Freunde. Wer ihn gut kannte, vermisst ihn. Daran wird sich nichts ändern, unabhängig vom Tagesgeschäft, das gerade in unserem Metier ein turbulentes ist.

Der Ausblick auf 2019 zeigt, dass diese Turbulenzen nicht abnehmen, im Gegenteil. Mallorca steht vor möglichen Veränderungen, deren Folgen – sollten sie eintreten – wenig absehbar sind: Im kommenden Mai wird auf der Insel gewählt. Bleibt es bei der regierenden Linkskoalition, die derzeit mit dem Straßenausbau Llucmajor-Campos ihre Öko-Mitglieder vergrätzt? Oder gelangt das konservative Lager an die Macht, sprich: setzt sich der bisherige Zickzackkurs einmal mehr fort? Wird eine Kleinpartei den Ausschlag zur Mehrheit geben? Und kommt aus Madrid mehr Geld?

Unterdessen wächst die Sorge der Hoteliers vor dem Wiedererstarken der Mitbewerber am Mittelmeer; Türkei, Ägypten, Griechenland. Bedeutet das weniger Einnahmen und Arbeitsplätze für Mallorca? Ist es eine Rückkehr zur Normalität nach den Rekordsaisons? Wird dadurch das Ende der touristischen „Massifizierung” eingeläutet? Zumindest eine Rückkehr zum Billig-Tourismus schließen die Hoteliers (vorerst) aus.

Der Blick über die Insel hinaus erspäht weltweit politische Baustellen: Katalonien, Brexit, Ukraine, Naher Osten, Afrika, Klimawandel; sie harren (schon lange) einvernehmlicher Lösungen. Bleibt zu hoffen, dass 2019 die Vernunft obsiegen möge. Daran sollten wir alle mitwirken, jeder nach seinen Kräften und Möglichkeiten. Wir von MM werden die künftigen Entwicklungen auf Mallorca begleiten und Ihnen berichten. Ohne Aufgeregtheit, aber mit Besonnenheit, Verantwortungsbewusstsein und humanem Augenmaß. So, wie es uns Bernd Jogalla stets vorgemacht hat.

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen ein glückliches neues Jahr – molts d’anys!

Autor : Alexander Sepasgosarian

27

12 2018

Mehr Radtourismus nützt der Insel

Sie saufen nicht, achten auf ihren Körper, grölen nicht herum und sorgen für volle Kassen bei den Gastro- und Hotel-Betrieben dieser unserer Insel. Was wäre zum Beispiel das verschlafene Kaff Petra ohne die vielen Radtouristen, die auf dem Zentralplatzabsteigen und nur darauf aus sind, zum Vorteil der Insel-Wirtschaft Geld in rauen Mengen auszugeben? Doch wie seltsam: Diese so handsamen Gäste sind umstritten auf Mallorca, vor allem unter deutschsprachigen Autofahrern.

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20

12 2018

Willkommen in Absurdistan

Einen Abgrund an Absurdität offenbart die jüngste Entwicklung im ohnehin schon seltsamen Fall Cursach, bei dem es um mutmaßliche Schmiergeldzahlungen an die Lokalpolizei, Erpressung von Konkurrenten in der Gastronomie oder auch eine mögliche Hells-Angels-Beteiligung geht. Den Beitrag vollständig lesen →

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14

12 2018

Autobahnbau zu Campos wird zum Politikum

Eigentlich haben die Gegner der geplanten Autobahn zwischen Llucmajor und Campos ja recht. Braucht eine so kleine Insel, die ja bekanntlich bereits über mehrere dieser breiten Straßen verfügt, noch sowas? Auf der jetzigen Landstraße wird es nur im Hochsommer enger, aber auch dann kann von katastrophalen Staus nicht die Rede sein. Und ja, Unfälle gibt es hier viele, aber die kommen auch auf anderen Straßen der Insel nicht zu knapp vor. Den Beitrag vollständig lesen →

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30

11 2018

Als Spiegelbild von Millionen verdient Jens Büchner Würdigung

Dass in einem MM-Editorial über Jens Büchner gefachsimpelt wird, dürfte manch einen verleiten, sich fassungslos die Augen zu reiben. Es dürfte vielerorts geäußert werden: Was soll das? Hat der Mann dieser wunderschönen Insel mit seinen nervigen Trash-Auftritten nicht einen Bärendienst erwiesen? War er überhaupt würdig, hier in dieser traumhaften Umgebung sein Dasein zu fristen? Natürlich war er würdig. Mit ihm ist kein Nichtsnutz, Pornograph oder gar Krimineller gestorben, sondern ein erfolgreiches Medien-Phänomen, das gerade deswegen Respekt verdient. Den Beitrag vollständig lesen →

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23

11 2018

Weder Laschheit noch große Härte machen bei illegalen Bauten Sinn

Es war schon wild und verheerend, was früher auf der Insel in puncto illegale Immobilien geschah: Fast jeder konnte irgendwo irgendetwas bauen, und es passierte ihm gar nichts. Das hat sich inzwischen grundlegend geändert: Die „Agentur zur Verteidigung des Territoriums” greift hart durch. Dass sich eine Behörde an geltende Gesetze hält, ist schon bemerkenswert im Staate Spanien. Dennoch: Das, was das dem Inselrat zugeordnete Amt gerade veranstaltet, geht über das reine Walten von Amts wegen hinaus. Den Beitrag vollständig lesen →

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16

11 2018

Das Vermächtnis unseres Chefredakteurs – Was von Bernd Jogalla im Mallorca Magazin fortleben wird

Als Bernd Jogalla das Handwerk des Journalismus erlernte, da war die Schreibzunft ein Prestigeberuf. Wer ein Autorenkürzel, gar seinen vollen Namen unter einen veröffentlichen Bericht setzen durfte, dem war allgemeine Anerkennung gewiss. Den Beitrag vollständig lesen →

08

11 2018

Die Spanier und ihr Verhältnis zu Angela Merkel

In Gesprächen mit Spaniern hatte man als Deutscher in jüngster Zeit einige Probleme, die innenpolitische Lage in Deutschland zu erklären. Die Große Koalition ein Desaster, die Ultrarechten auf dem Vormarsch, Merkel vor dem Aus? Warum, fragte das Gegenüber stets. Eure Wirtschaft brummt, die Arbeitslosenzahlen sinken und sinken, und Merkel ist weltweit so angesehen wie kaum ein anderer Regierungschef oder eine andere Regierungschefin. Den Beitrag vollständig lesen →

01

11 2018

Palmas Flughafen ist eine gut funktionierende „Stadt in der Stadt”

Du bist keine Schönheit, vor Arbeit ganz grau, liebst dich ohne Schminke, bist ’ne ehrliche Haut, leider total verbaut, aber gerade das macht dich aus!” – die Zeilen, die Herbert Grönemeyer einst über seine Heimatstadt Bochum schrieb, könnte man auch genau so dem Flughafen von Palma widmen, jener „Stadt in der Stadt, die jährlich fast 30 Millionen Menschen „ausspuckt” beziehungsweise aufsaugt, um sie an irgendeinen anderen Ort der Welt – oder zumindest Europas – zu katapultieren. Den Beitrag vollständig lesen →

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25

10 2018