Auf Krawall gebürstet

Francina Armengol hat es geschafft. An diesem Donnerstag wird sie in Palma de Mallorca als erste Ministerpräsidentin der Balearen vereidigt. Die Sozialistin hat sich in der Vergangenheit nicht als Überfliegerin profiliert, aber sie ist beharrlich und erfahren. Kraft und Erfahrung wird sie auch dringend brauchen. Denn neben den nicht gerade kleinen Problemen der Region muss sie ein überaus instabiles Regierungsbündnis managen.

Der linksgrüne Bündnispartner Més ist dabei nicht das Problem. Dessen Vorsitzender Biel Barceló hat den Weg durch die Instanzen bereits beschritten und ist längst in der Realpolitik angekommen. Ganz anders Alberto Jarabo von der Protestpartei Podemos, auf dessen Unterstützung Armengol ebenfalls angewiesen ist. Er war bei der Wahl der neuen Ministerpräsidentin auf Krawall gebürstet, seine Rede enthielt mehr Drohungen als Streicheleinheiten an die Adresse Armengols. Das war schlicht unangemessen.

Podemos will unter allen Umständen den Eindruck vermeiden, mit der „Kaste“ – wie die traditionellen Parteien abschätzig genannt werden – zu kooperieren. Das mag mit Profilierungsabsichten angesichts der nahenden Parlamentswahlen irgendwie erklärbar sein, ein gutes Omen ist es nicht. Verantwortungsvolle Politik zu betreiben und dabei Podemos nicht zu verlieren, wird sich für Francina Armengol zu einem Balanceakt entwickeln.

Erwartungsgemäß hat die Neue im Amt bestätigt, dass auf ihrer To-do-Liste die Einführung einer Touristensteuer steht. Angst und Schrecken verbreitet sie damit nicht. Zumindest im Augenblick nicht. Denn es gibt nach wie vor keine Aussage darüber, wie die Kurtaxe à la mallorquina eingetrieben werden soll. Von den Hotels? Am Airport? Sind womöglich Besitzer von Zweitwohnungen betroffen? Nicht die Steuer an sich wird für Unruhe sorgen, sondern die Art und Weise, wie sie umgesetzt wird.

Die Bürger der Balearen haben mehrheitlich links gewählt. Francina Armengol wird viel Verhandlungsgeschick beweisen müssen, um sie nicht zu enttäuschen.

Autor: Bernd Jogalla

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07 2015

Ein gutes Jahr für Felipe VI.

Im Zuge der Inthronisierung von Felipe VI. vor einem Jahr wurden die Kommentatoren nicht müde darauf hinzuweisen, wie gut der Sohn von König Juan Carlos auf das höchste Amt in Spanien vorbereitet sei. Sie hatten recht. Felipe hat praktisch aus dem Stand heraus bewiesen, dass er ein hervorragender Staatsmann ist, geachtet im In- und Ausland. Die große Mehrheit der Spanier ist mit seiner Arbeit zufrieden; auch Königin Letizia erhält gute Noten. Den Beitrag vollständig lesen →

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18

06 2015

Podemos ist nicht regierungsfähig

Seit zwei Wochen verhandeln die drei Linksparteien PSIB, Més und Podemos nun über ein Bündnis. Mit der anfänglichen Harmonie ist es vorbei. In eine Sackgasse sei man bei den Gesprächen geraten. Wie so oft begann der Streit dann, als das Verteilen der begehrtesten Posten losging. Das ist normal bei Koalitionsverhandlungen, auch in Deutschland. Den Beitrag vollständig lesen →

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06 2015

Die ersten Wohltaten des künftigen Linksbündnisses

Der Linkspakt auf den Balearen nimmt Formen an, in Palma ist er so gut wie geschmiedet. Die ersten Vereinbarungen der Partner PSOE, Més und Podemos bergen kaum Überraschungen. Sie hatten schon im Wahlkampf angekündigt, dass sie den Schwerpunkt auf eine sozial gerechte Politik legen werden.

„Null Armut“ heißt das nun in Palma, und auf Balearen-Ebene soll eine Art Sozialhilfe für Familien ohne Einkommen eingeführt werden. Dazu werden alle Immigranten wieder in die Sozialversicherung aufgenommen. Diese und weitere Wohltaten werden die Wähler des Parteien-Trios zweifellos zufriedenstellen. Den Beitrag vollständig lesen →

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06 2015

Das Ende der Ära Bauzá

Zugegeben, die Ergebnisse der Regional- und Kommunalwahlen auf den Balearen liegen im spanienweiten Trend. Dennoch gibt es für den Niedergang der PP auf den Inseln einen Hauptschuldigen vor Ort: Ministerpräsident und Parteichef José Ramón Bauzá. Sein Rücktritt war unausweichlich, auch wenn er das zunächst nicht wahrhaben wollte.

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05 2015

Jetzt sind wieder Kompromisse gefragt

José Ramón Bauzá hatte eine hervorragende Ausgangsposition: Als junger und dynamischer, unverbrauchter und nicht vorbelasteter Spitzenkandidat der konservativen Partei holte er vor vier Jahren gleich die absolute Mehrheit im Balearen-Parlament. Auch im Inselrat und in den allermeisten Rathäusern hatte die PP in der abgelaufenen Legislaturperiode unangefochten das Sagen. Wer jedoch erwartet hatte, die Konservativen würden diese Konstellation nutzen, um Mallorca und die Nachbarinseln entschlossen voranzubringen, sah sich bald getäuscht. Selten zuvor war eine Legislaturperiode so von Polemik geprägt wie diese. Lange nicht mehr war das gesellschaftliche Klima auf Mallorca so vergiftet wie jetzt. Den Beitrag vollständig lesen →

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05 2015

Keine italienischen Verhältnisse bitte

Wer einmal in Norditalien war, weiß, wie die Auswüchse der „Strandindustrie“ aussehen können. Der öffentlich zugängliche Teil des Küstenabschnitts eines beliebigen Ortes hat die gefühlte Größe von zehn Badehandtüchern, der Rest wird privat bewirtschaftet, sprich: Er ist vom öffentlichen Teil durch Absperrungen getrennt, steht voller Liegen oder wird von einer Bar belegt. Wer sich hier aufhalten will, zahlt. So schlimm ist es auf Mallorca Gott sei Dank noch nicht und wird es wohl in absehbarer Zukunft auch nicht werden. Der Strand ist grundsätzlich öffentlich zugänglich und Strandbuden dürfen eine bestimmte Größe nicht überschreiten. Den Beitrag vollständig lesen →

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05 2015

Warum die Boat Show beispielhaft ist – in fast allen Bereichen

Im Jahre 2012 fiel die Bootsmesse in Palma aus. Die Wirtschaftskrise und vor allem ein veraltetes Konzept hatten dem Evergreen – Gründungsjahr 1983 – den Garaus gemacht. Da war einfach kein Pepp mehr dahinter. 2013 erfolgte dann ein Revival als Boat Show, das in diesem Jahr mit Rekordzahlen seinen vorläufigen Höhepunkt gefunden hat.

Der Mut zur Erneuerung hat sich offenbar bezahlt gemacht. Die Messe mit Lounge-Zelten und einer „Nacht des Meeres“ wird von Nautik-Freunden unisono als sehenswert bezeichnet, und die Superyacht-Abteilung mit 63 Schiffen darf sich sogar das Prädikat Weltklasse anstecken. Den Beitrag vollständig lesen →

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05 2015

Es ist noch einmal gut gegangen

Et hätt noch emmer joot jejange: Das rheinische Grundgesetz besagt, dass das, was gestern gut gegangen ist, auch morgen funktionieren wird. Selbst wenn es Murks ist. Es hat wohl dieses Mal auch vor Mallorca Geltung gehabt, Gott sei Dank möchte man sagen. Schenkt man den Aussagen Glauben, die die von der brennenden Fähre „Sorrento“ geretteten Passagiere gemacht haben, ging es an Bord des havarierten Schiffes chaotisch zu. Die international zusammengewürfelte Mannschaft kannte offenbar das Sicherheitsprotokoll nicht und konnte sich untereinander auch kaum verständigen. Die Rettungsboote funktionierten nur eingeschränkt. Insgesamt scheinen die Sicherheitsvorkehrungen mangelhaft gewesen zu sein. Wie drückten es einige der Geretteten aus: Wenn mehr Passagiere an Bord gewesen wären, hätte es eine Katastrophe gegeben. Schließlich waren nur 156 auf dem Schiff, Kapazität hätte es für mehr als 900 gegeben.

Funktioniert hat offenbar das Rettungsprotokoll der Seerettung. Auch wenn einige Passagiere über Schwierigkeiten beim Umstieg von der brennenden auf die andere Fähre berichtet haben. So eine Operation auf See läuft nicht immer problemlos ab, zumal wenn sie durch Qualm erschwert wird.

Am Ende gab es weder Schwerverletzte noch Tote zu beklagen. Auch die Umwelt bleibt nach bisherigem Stand offenbar verschont. Die Saison kann also kommen, alles wieder gut vor und auf Mallorca.

Doch halt: Sollte man diesen Warnschuss vor den (Schiffs-)Bug nicht zum Anlass nehmen, die Sicherheitskontrollen von Fährschiffen zu erhöhen? Sie sind täglich im Gewässer vor Mallorca unterwegs, transportieren Menschen und teilweise Gefahrgut. Wenn dieses Fast-Unglück ohne Konsequenzen bleiben sollte, macht sich trotz aller Erleichterung ein flaues Gefühl breit: Die Passagiere und Mallorcas Bewohner als mögliche Betroffene einer Umweltkatastrophe haben Glück gehabt. Viel Glück. Man sollte es in Zukunft nicht überstrapazieren.

Autor: Thomas Zapp

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04 2015

Der Traum von einer großen deutschen Schule auf Mallorca

Zählt man die Schüler zusammen, die derzeit die beiden deutschsprachigen Schulen auf Mallorca besuchen, kommt man auf knapp 150. Offenbar ist ein Bedarf da, auch wenn die deutsche Regierung bisher der Meinung war, dass Mallorca keine deutsche Schule braucht. Argument: Die deutsche Kultur ist auf der Insel ohnehin präsent und deutsche Schulen im Ausland dienten eher dazu, Einheimischen deutsche Kultur zu vermitteln. Den Beitrag vollständig lesen →

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04 2015